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Trauerfeier im badenova-Stadion

 

"Persönlichkeit mit großem Herz"

In einer bewegenden Trauerfeier im badenova-Stadion haben der SC Freiburg, die Stadt, die Fans und mehrere hundert geladene Gäste am Freitag Abschied von Achim Stocker genommen.

Den Trauergottesdienst zelebrierte Dompfarrer Claudius Stoffel, in ihren Trauerreden würdigten Ministerpräsident Günther Oettinger, Oberbürgermeister Dieter Salomon, der DFL-Vorsitzende Reinhard Rauball sowie für den SC der Vorsitzende des Wahlausschusses, Gundolf Fleischer, den am vergangenen Sonntag im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls gestorbenen Vorsitzenden des Sport-Club Freiburg.

 

Bereits gestern hatten viele Freunde, Weggefährten, Spieler, Vereinsmitarbeiter und Fans die Gelegenheit genutzt,  sich im Studio 1 des Verwaltungsgebäudes des badenova-Stadions in Kondolenzbücher einzutragen und vor dem bis in die Abendstunden dort aufgebahrten geschlossenen Sarg von Achim Stocker Abschied zu nehmen. Die Trauerfeier am Freitag Vormittag fand auf dem Rasen des badenova-Stadions vor der Haupttribüne und rund 4000 Gästen statt. Von einer SC-Fahne bedeckt stand der Sarg Achim Stockers von einem Zelt überdacht dort, wo am Spieltag das Zentrum der Leidenschaft liegt, der der 37 Jahre lang dem SC vorstehende Stocker einen Großteil seines Lebens gewidmet hat.

 

Nicht nur viele ehemalige SC-Spieler wie Jens Todt, Jörg Schmadtke, Richard Golz, Alexander Iashvili, Thomas Vogel, Ralf Kohl oder Martin Braun waren zur Trauerfeier nach Freiburg gekommen. Auch die früheren Manager Andreas Rettig und Andreas Bornemann oder der langjährige Co-Trainer Achim Sarstedt zählten zu den Trauergästen. Genauso wie der frühere Freiburger Bürgermeister Rolf Böhme, der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder oder der Sportdirektor des FC Bayern München, Christian Nerlinger.

 

„Wir haben uns heute hier versammelt, um ein letztes Mal Adieu und danke zu sagen“, sagte Dompfarrer Claudius Stoffel in seiner einfühlsamen Würdigung des SC-Präsidenten. „Achim Stocker hat ein Erbe geschaffen, das verpflichtet.“ Als erster Trauerredner drückte der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger der Familie des Verstorbenen sein Mitgefühl und seine Anteilnahme aus. Das Land, so Oettinger verliere mit Achim Stocker „einen verdienten Sportsmann und eine große, sympathische Persönlichkeit.“ Dazu eine, die zu Lebzeiten zu einer Legende geworden sei und das Gesicht des SC Freiburg geprägt habe – auch durch Menschlichkeit. Er kenne keinen Verein im Profisport, so der Ministerpräsident, in dem es „so familiär und so fair zugeht, wie beim SC.“ Nicht zuletzt durch die vorbildliche Nachwuchsarbeit habe Achim Stocker „Freiburg zu einer Fußballhochburg gemacht.“

 

„Im Namen der Stadt und der Bürgerschaft“ sprach der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon seine Abschiedsworte. Er nehme auch Abschied „von einem großen Mann, der mir ein Freund geworden ist.“ Achim Stocker habe nicht nur die Hälfte seines Lebens an der Spitze des Sport-Club gestanden. „Er war mit Leib und Seele der SC und der SC war Achim Stocker“, so Salomon. Durch seine menschlichen Qualitäten ebenso wie durch seinen Instinkt als positiv Fußballverrückter. „Dieses Engagement hat den SC aus der Mittelmäßigkeit herausgeführt, ohne Achim Stocker würde es den Sport-Club in seiner heutigen Form nicht geben.“ Neben der aufrichtigen Fürsorge für junge Spieler habe Stocker stets das Wohl des Vereins und nie das des Präsidenten in den Vordergrund gestellt. Achim Stocker war „ein großer Mann mit einem großen Herz, dessen kritischen Geist und rustikalen Charme wir vermissen werden.“

 

Im Namen der Deutsche Fußball-Liga und des Deutschen Fußball-Bundes sprach der Liga-Vorsitzende und DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball der Familie von Achim Stocker sein tief empfundenes Mitgefühl aus. Auch Rauball würdigte Stockers menschliche Qualitäten. „Er führte den SC Freiburg mit viel Herz und kühlem Verstand, seine persönliche Bescheidenheit dabei war beispielhaft.“ Es sei der Verdient von Achim Stocker, dass der SC immer als bodenständig, fannah und fanfreundlich wahrgenommen worden sei. „Er hat als Persönlichkeit nicht nur den SC Freiburg, sondern den gesamten deutschen Profifußball bereichert.“ Die imponierenden Erfolge des SC, so Rauball, seien Achim Stockers Lebenswerk. „Ich versichere Ihnen, die Bundesliga wird Achim Stocker stets ein ehrendes Andenken bewahren.“

 

Für den SC Freiburg sprach abschließend der Vorsitzende des Wahlausschusses, Gundolf Fleischer, zu den Angehörigen und den Trauergästen. „Die Sport-Club-Familie“, sagte Fleischer, „nimmt in großer Trauer, aber auch mit großer Dankbarkeit Abschied.“ Achim Stocker sei der „etwas andere Präsident eines etwas anderen Vereins“ gewesen. So habe Achim Stocker in der Saison 1960/61 bereits als Aktiver beim SC das Mittelfeld mit Teamgeist zu führen versucht. Fleischer war 1970 selbst kurze Zeit Vereinsvorsitzender, zwei Jahre später habe mit der Wahl Achim Stockers zum Ersten Vorsitzenden „eine im deutschen Profifußball einmalige Karriere“ ihren Anfang genommen. Dabei habe Achim Stocker ein „außerordentliches Lebenswerk mit menschlichen Zügen“ geschaffen.

 

Bevor der Sarg mit Achim Stocker zur anschließenden Beisetzung im engsten Familienkreis auf dem Bergäckerfriedhof  gebracht wurde, ertönte noch ein ungewöhnlicher Trauermarsch: Das Badnerlied in einem speziellen Arrangement. Dennoch dürfte es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass diese Hymne ans Ohr des verstorbenen Präsidenten drang. Er sei sicher, hatte zuvor Dompfarrer Claudius Stoffel gesagt, dass diese letzte Ruhestätte von Achim Stocker nah genug am Stadion liege, um auch künftigen Torjubel zu vernehmen. Und das Badnerlied  vor dem Anpfiff sicher auch.

 

Dirk Rohde