SC siegt 4:1 bei Eintracht Frankfurt

Extrem effektiv und rundum glücklich

Dem SC Freiburg ist am Sonntag ein wichtiger Erfolg im Kampf um den Klassenerhalt gelungen. Der Sport-Club gewann sein Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt mit 4:1 (1:0) und rückte auf den 16. Tabellenplatz vor. Beim ersten Auswärtssieg in der Rückrunde trafen vor 45.400 Zuschauern in der Commerzbank-Arena Julian Schuster (34.), zweimal Karim Guédé (54./90.+3) und Felix Klaus (70.). Joselu (59.) war in der zweiten Halbzeit das zwischenzeitliche Anschlusstor für die bereits vor der Pause starken, aber glücklosen Gastgeber gelungen.

 

Allmählich nimmt er Abschied. Der Winter, der sich eigentlich in dieser Saison gar nicht richtig in die offensive Zone vorgedribbelt hatte, sah heute im allerdings noch nicht komplett frühlingshaft aufgestellten Frankfurt seine letzte SC-Partie in dieser Spielzeit. In der Commerzbank-Arena trafen zugleich die beiden einzigen Europa-League-Vertreter der Bundesliga in dieser Saison zum Rückspiel aufeinander. Beide jedoch mittlerweile von internationalen Zusatzbelastungen entbunden, während das 1:1 im Hinspiel im vergangenen Oktober noch von den Begegnungen der Europa-League-Gruppenphase flankiert gewesen war.

 

Ein Wechsel in der Startformation

 

Der damalige SC-Torschütze Nicolas Höfler (Wadenverhärtung) fehlte diesmal ebenso verletzt, wie Angreifer Sebastian Freis (Bachmuskelzerrung) und Mittelfeldspieler Vaclav Pilar (Außenbandriss im Sprunggelenk). Noch weiter zurückgeblickt hatte vor der abschließenden Begegnung des 25. Bundesliga-Spieltages Christian Streich. „Es hat sich gegenüber Juli nichts verändert. Unser großes Ziel ist der Klassenerhalt und wir befinden uns momentan mitten im Abstiegskampf", so der SC-Coach, auch bezogen darauf, dass mit dem Spiel bei Eintracht Frankfurt jetzt eine Serie von sechs Begegnungen gegen unmittelbare Konkurrenten begonnen hat. In Frankfurt startete der Sport-Club gegenüber dem letzten Heimspiel gegen Borussia Dortmund mit einer personellen Veränderung. Anstelle von Philipp Zulechner spielte wie im letzten Auswärtsspiel bei Hertha BSC Karim Guédé im Angriff.

 

Bei den Gastgebern hatte Trainer Armin Veh mit Johannes Flum nur einen der beiden ehemaligen SC-Spieler, die im letzen Sommer zu den Hessen gewechselt waren, in der Anfangsformation aufgeboten. Jan Rosenthal saß zunächst auf der Bank, für ihn spielte Joselu in der Offensive. Außerdem rücke Takashi Inui für Tranquillo Barnetta in die Eintracht-Startelf, den gesperrten Innenverteidiger Carlos Zambrano vertrat Marco Russ. Als „spielfreudige Mannschaft", die in der Lage sei, auch einen defensiver orientierten Gegner variabel zu bespielen, hatte Christian Streich die Mannschaft von Eintracht Frankfurt charakterisiert. Und das stellten die Gastgeber, ohne dass der Sport-Club heute eine forcierte Defensivtaktik gewählt hatte, vor allem in der ersten halben Stunde unter Beweis. Schon nach einer Spielminute hieß es Durchatmen auf Freiburger Seite. Inui hatte den völlig freistehenden Stefan Aigner im Strafraum bedient, doch dessen Schuss klärte Matthias Ginter noch vor der Torlinie.

 

Frankfurt drängt, Schuster trifft

 

Der SC versuchte wie zuletzt, aus einer stabilen Ordnung heraus zu agieren. Die Frankfurter präsentierten sich jedoch als das aggressivere und konsequenter attackierende Team, was weitere Möglichkeiten für die Hessen nach sich zog. Nach einer Flanke klärte Torwart Oliver Baumann mit einer Faustabwehr, der anschließende Flachschuss von Flum (10.) ging am Tor vorbei. Nach einer Viertelstunde schien sich der Sport-Club zunächst besser auf den Gegner eingestellt zu haben, sah sich dann aber doch wieder mit einigen klaren Möglichkeiten der Gastgeber konfrontiert. Nach einer Kopfballverlängerung von Alexander Meier blockte Christian Günter (19.) den Schuss von Aigner zur Ecke. Ebenso war der SC-Verteidiger nach einer Flanke von Flum vor Meier zur Stelle. Gleich darauf folgte eine Doppelchance für die Eintracht. Zunächst verpasste Alexander Madlung am langen Pfosten eine Hereingabe, die anschließenden Flanke köpfte Russ knapp am Tor vorbei (29.). Der Frankfurter Druck hatte sich sukzessive erhöht. Nach einem hohen Ball auf den erneut freien Aigner, bewahrte Oliver Baumann (30.) sein Team vor einem Rückstand und wehrte den Schuss aus kurzer Distanz ab.

 

Ein Treffer für de Gastgeber schien jetzt immer näher zu rücken. Wieder nur eine Minute später fälschte Gelson Fernandes einen gefährlichen Schlenzer von Pirmin Schwegler noch zur Ecke ab. Doch der Treffer, dem sich sicher auch die Frankfurter Fans nahe fühlten, fiel dann plötzlich auf der anderen Seite - vor der Eintracht-Kurve. Admir Mehmedi hatte mit einem Antritt den ersten Freiburger Eckball erzwungen, den Jonathan Schmid vor das Tor brachte. Den zunächst abgewehrten Ball köpfte Pavel Krmas zurück ins Zentrum, wo Kapitän Julian Schuster (34.) mit einem Fallrückzieher zur überraschenden SC-Führung traf. Es war zugleich das erste Auswärtstor des Sport-Club seit knapp vier Monaten, seit dem 1:0-Auswärtssieg bei Eintracht Braunschweig im November. Es sollte heute nicht das einzige bleiben. Gleich nach der Führung kam Felix Klaus für Schmid ins Spiel. Der gab nach einem Frankfurter Ballverlust und einem Pass von Guédé dann auch noch den zweiten Freiburger Torschuss vor der Pause ab, zielte aber über das Tor (37.).

 

Guédé erhöht, Klaus trifft nach Anschluss

 

Nach dem Wiederanpfiff drängte zunächst wieder das Team von Trainer Armin Veh. Doch der Sport-Club konterte heute mit einer nahezu perfekten Effizienz. Nach vergeblichen Versuchen von Aigner und Inui nutzte der SC seine nächste Chance zum zweiten Tor. Bedient durch einen Pass in die Tiefe von Mehmedi, zog Karim Guédé an Torwart Kevin Trapp vorbei und schoss zum zweiten Mal für die Gäste ein (54.). Wenig später kam mit Rosenthal der zweite Ex-Freiburger auf Frankfurter Seite in die Partie. Die Hessen versuchten auch nach dem erneuten Rückschlag weiter, selbst zum Torabschluss zu kommen. Und nur fünf Minuten nach Guédés Treffer gelang der Eintracht der Anschluss. Nach einem Pass in den Strafraum konnte Oliver Baumann zunächst den Schuss von Joselu abwehren, doch der Stürmer war im zweiten Versuch mit dem Kopf erfolgreich (59.). Die Begegnung wurde nun noch umkämpfter, vor allem die Gäste verteidigten ihre Führung gegen die unvermindert drängenden Frankfurter beherzt und mit allem Einsatz. „Wir haben uns heute mit Kampf und Leidenschaft den Sieg erarbeitet", sagte Admir Mehmedi nach der Partie.

 

Zu diesem trug der Schweizer, auch wenn er selbst ohne Treffer blieb, in der verbleibenden Spielzeit weiter maßgeblich bei. Denn nach seinem Steilpass tauchte zehn Minuten nach dem Anschlusstor Felix Klaus (70.) frei vor Keeper Kevin Trapp auf, und versenkte den Ball mit einem trockenen Schuss in den linken Winkel zum dritten Mal im Frankfurter Tor. Die Gastgeber wehrten sich jedoch weiter. Baumann wehrte einmal mehr stark gegen den eingewechselten Václav Kadlec ab (73.). Nach der anschließenden Ecke klärte Schuster auf der Torlinie. Der Kapitän musste dann vom Feld, für ihn kam Immanuel Höhn und Matthias Ginter rückte ins Mittelfeld vor. Mehmedi (77.) bot sich nach einer Balleroberung die Chance, den Vorsprung weiter auszubauen. Doch der allein auf Trapp zulaufende Angreifer schoss knapp am Tor vorbei. Wenig später scheiterte der Schweizer dann nach einem Pass von Klaus in ähnlich aussichtsreicher Position an Trapp (81.). „Ich hätte noch zwei Tore machen können. Aber wenn wir vier schießen, bin ich froh, dass ich zwei aufgelegt habe", sagte Mehmedi nach dem Schlusspfiff.

 

Letzter Torjubel in der Nachspielzeit

 

Denn der erfolgte unmittelbar nachdem wieder Karim Guédé (90.+3) im Freiburger Fanblock ein letztes Mal für Jubel gesorgt hatte. Diesmal hatte Valdimir Darida mit einem Zuspiel aus der Drehung Guédé die letzte Konterchance der Partie eröffnet. Auch diese nutzte der Sport-Club, indem Guédé unaufhaltsam erst an Flum und dann auch an Trapp vorbeizog und zum Endstand einschoss. Am Ende wies die Spielstatistik 26:7 Torschüsse zugunsten der Frankfurter aus. „So grausam kann Fußball sein", sagte Eintracht-Coach Armin Veh dazu. „Das waren ganz überlebenswichtige Punkte im Abstiegskampf", analysierte der erschöpfte und genauso glückliche Admir Mehmedi das heutige Geschehen in der Commerzbank-Arena. „Der SC gehört in die Erste Liga und wir haben heute beweisen, dass wir noch nicht tot sind."

 

Mit dem ersten Auswärtssieg in der Rückrunde rückte der Sport-Club in der Tabelle mit jetzt 22 Punkten wieder auf den 16. Tabellenplatz vor. Mit der Partie gegen den SV Werder Bremen am kommenden Freitag beginnt am 26. Spieltag eine englische Woche mit den weiteren Begegnungen beim Hamburger SV und gegen den 1. FC Nürnberg. „Soviel Glück hat man nicht oft", sagte Matthias Ginter nicht nur in Bezug auf die erste halbe Stunde der heutigen Partie. „Und das werden wir auch nicht mehr so oft bekommen", ergänzte der 20-Jährige. „Heute hat die glücklichere Mannschaft gewonnen, nicht die bessere", fand SC-Coach Christian Streich.

 

Ein bisschen Nachholbedarf an Glück hatte die Mannschaft allerdings zuletzt sicher angesammelt. Was die anstehenden Aufgaben betrifft, darf man trotzdem hoffen, dass der SC in der Commerzbank-Arena noch nicht alle Glücksreserven für diese Saison aufgebraucht hat.

 

Dirk Rohde

 

 

Stenogramm:

Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Madlung (74. Stendera), Russ, Djakpa - Schwegler, Flum - Aigner, Meier (52. Kadlec), Inui (58. Rosenthal) - Joselu

SC Freiburg: Baumann - Sorg, Krmas, Ginter, Günter - Schuster (75. Höhn), Fernandes - Schmid (35. Klaus), Darida - Guédé, Mehmedi (87. Kerk)

Tore: 0:1 Julian Schuster (34.), 0:2 Karim Guédé (54.), 1:2 Joselu (59.), 1:3 Felix Klaus (70.), 1:4 Karim Guédé (90.+3)

Gelbe Karten: Schwegler, Joselu / Schmid, Mehmedi, Schuster, Fernandes, Krmas

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)

Zuschauer: 45.400

 

 

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