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SC schafft Remis gegen FC Bayern

 

Ein denkwürdiger Punktgewinn

Mit einer großen Energieleistung hat der SC Freiburg am Dienstagabend im ausverkauften MAGE SOLAR Stadion für eine Überraschung gesorgt und sich beim 1:1 (0:1) gegen den FC Bayern München einen Punkt erkämpft. Die Gäste gingen in der vorgezogenen Begegnung vom vierten Bundesliga-Spieltag vor der Pause durch Xherdan Shaqiri (33.) in Führung. Den Ausgleichstreffer für die unermüdlichen Gastgeber erzielte in der Schlussphase der eingewechselte Nicolas Höfler (86.).

 

„Andere Mütter haben auch schöne Töchter", singt die Münchner Band Sportfreunde Stiller in ihrem Song „Andere Mütter". Und andere Vereine auch gute Trainer könnte man ergänzen, wenn man zu Grunde legt, dass der Wechsel von Pep Guardiola als neuem Chefcoach zum FC Bayern München in dieser Sommerpause das beherrschende Thema rund um die bevorstehende 51. Bundesliga-Saison war. Ein Jahr Auszeit hatte sich Guardiola nach seinen vier Jahren als Chefcoach beim FC Barcelona, in denen er mit den Katalanen 14 Titel gewann, genommen, und sich in dieser Zeit intensiv auf die deutsche Bundesliga vorbereitet.

 

Streich überrascht, Guardiola lässt rotieren

 

Vor der vom vierten Spieltag vorgezogenen Partie des Triple-Gewinners beim SC Freiburg, hatte sich der neue Coach der Münchner, die erneut mit drei Siegen in die Saison gestartet waren, auch anerkennend über den heutigen Gegner und seinen Trainer Christian Streich geäußert. „Seine Mannschaft ist sehr, sehr gut. Sie warten nicht ab, spielen immer nach vorne und sind darin unglaublich, und sie haben ein sehr gutes Aufbauspiel." Diese Erkenntnisse hatte Guardiola dem Videostudium der beiden Begegnungen zwischen dem Sport-Club und den Bayern in der vergangenen Saison entnommen. Und hinzugefügt: „Sie haben im letzten Jahr Unglaubliches geleistet. Ich weiß, wie schwer es ist, in Freibug zu spielen."

 

Genauso wie sein Freiburger Kollege Christian Streich weiß, wie schwer Spiele gegen den FC Bayern München sind. Vielleicht auch deshalb zauberte der SC-Coach, was die Startelf betraf, einmal mehr eine echte Überraschung aus dem Hut. Sie hieß Charles-Elie Laprevotte aus der Zweiten Mannschaft des SC Freiburg. Der 20-jährige Franzose begann für den gesperrten Francis Coquelin auf der linken Mittelfeldseite. Den Angriff besetzten erneut Sebastian Freis und Karim Guédé, da Mike Hanke nach seiner Knieverletzung zunächst noch auf der Bank saß. Neu im Team war außerdem Christian Günter als Linksverteidiger, da Mensur Mujdza kurzfristig ausgefallen war. Für ihn rückte Oliver Sorg auf die rechte Abwehrseite. Bei den Gästen fehlten die verletzten Javi Martinez und Thiago. Insgesamt  hatte Pep Guardiola gegenüber dem letzen Bundesligaspiel sieben Veränderungen in seiner Anfangsformation vorgenommen. Unten anderen saßen Franck Ribéry, Arjen Robben, Mario Mandzukic und Philipp Lahm zu Spielbeginn nur auf der Bank.

 

Shaqiri erzielt die Pausenführung

 

Extra bewässert werden musste das Spielfeld heute Abend nicht. Das übernahm der vor der Begegnung einsetzende Regen. Eine Defensivtaktik gegen den Deutschen Meister, DFB-Pokalsieger und Champions League-Gewinner hatte Christian Streich vorab ausgeschlossen. Dementsprechend versuchte der Sport-Club dem Münchner Ballbesitzspiel von Beginn an mutig und mit großem läuferischen Engagement entgegenzutreten. Eine halbe Stunde lang funktionierte dies ebenso konsequent wie eindrucksvoll. Es dauerte eine Viertelstunde, bis die Gäste durch Toni Kroos (14.) den ersten gefährlichen Torschuss abgaben. Oliver Baumann wehrte den Ball mit beiden Fäusten ab. Gleich danach prüfte Xherdan Shaqiri den SC-Torhüter erneut, wieder parierte Baumann. In der Anfangsphase hatten aber auch die Gastgeber erste Akzente gesetzt. Ein Schuss von Sebastian Freis wurde ins Aus geblockt, Kapitän Julian Schuster verfehlte das Tor von Nationaltorwart Manuel Neuer aus dem Rückraum. Die erste echte SC-Chance besaß Oliver Sorg, der nach einem abgewehrten Freistoß Neuer mit einem Distanzschuss zu einer Glanzparade zwang.

 

Der SC bot vor der Pause über eine halbe Stunde lang eine taktisch sehr disziplinierte und kämpferisch unermüdliche Vorstellung. Die Bayern hatten Probleme, sich gegen die stabil agierende Freiburger Defensive Chancen herauszuspielen. Auch im Mittelfeld besetzte der SC die Räume mit seinem kompakten Gesamtverbund effektiv und gestaltete das Spiel ausgeglichen. Nach einer guten halben Stunde war dem FC Bayern dann aber doch der Führungstreffer gelungen. Nach einer Spielverlagerung von Dante und einer Flanke von Thomas Müller, erwischte Sorg den Ball nicht mehr mit dem Kopf, Nutznießer war der hinter ihm lauernde Shaqiri (33.), der aus spitzem Winkel und mit Hilfe des Innenpfostens einschoss. Bis zur Pause kämpfte der SC trotz des Rückstandes beharrlich weiter. Beide Teams kamen noch zu jeweils einer Chance. Für Bayern verzog Mario Götze (37.) aus spitzem Winkel, Oliver Sorg traf bei einem letzten Vorstoß vor der Halbzeit nur das Außennetz.

 

Höfler trifft kurz vor Schluss zum Ausgleich

 

Beide Teams gingen unverändert in den zweiten Durchgang, in dem die Gäste jetzt zunächst zu mehr Ballbesitz und Spielkontrolle kamen. Der Sport-Club behielt sein Pressingspiel bei, der Spielrhythmus war jetzt ruhiger und wurde bisweilen auch von Abspielfehlern auf beiden Seiten gestört. Die nächsten Chancen eröffneten sich den Gästen. Zweimal kam Shaqiri (56./59.) zum Schuss, zweimal konnte Oliver Baumann abwehren. Nach einer Stunde setzte auch der SC wieder ein dickes offensives Ausrufezeichen. Ein Schuss von Laprevotte strich nach einem schön ausgespielten Freiburger Angriff nur um Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Für den Bundesligadebütanten kam anschließend Sebastian Kerk ins Spiel. Ihm folgte nur eine Minute später Nicolas Höfler. Damit standen beim Sport-Club im Duell mit dem internationalen Starensemble der Münchner jetzt sieben Spieler auf dem Platz, die aus der eigenen Ausbildung kommen. Nach einer Stunde gestalteten die Gastgeber das Spiel zudem wieder ausgeglichen. Eine Begegnung, die mit zunehmender Spieldauer wieder an Intensität, Tempo und Klasse zulegte.

 

Dass der Sport-Club am Ende einen nicht unbedingt eingerechneten, aber gleichwohl absolut verdienten Punkt gegen den FC Bayern München holte, war vor allem auch Torwart Oliver Baumann zu verdanken. Denn die Gäste besaßen mehrfach die Möglichkeit, ihren Vorsprung auszubauen. Genau genommen gleich dreimal in einer einzigen Minute. Denn als 74 Minuten absolviert waren, tauchte nach einem Steilpass zunächst Toni Kroos frei vor dem SC-Tor auf, doch Baumann wehrte seinen Schuss ebenso ab, wie den anschließenden zweiten Versuch von Thomas Müller. Und mit dem nächsten Spielzug der Gäste kam erneut Müller aus guter Position zum Schuss, doch der SC-Keeper hielt seine Mannschaft mit der dritten Großtat in unmittelbarer Folge im Spiel. Dies bestritt der Sport-Club weiter mit unermüdlichem läuferischen Einsatz, mit frühem Attackieren der Münchner und mit riesigem Kampfgeist.

 

Mit verdientem Lohn in die Länderspielpause

 

Der wurde, außer durch die Unterstützung des eigenen Publikums im ausverkauften MAGE SOALR Stadion auch durch weitere eigene Gelegenheiten gespeist. Kerk (75.) kam nach einem Freistoß aus kurzer Distanz zum Kopfball, doch Neuer wehrte ab. Neben Philipp Lahm hatte Pep Guardiola mittlerweile auch Franck Ribéry eingewechselt. Der Franzose kam aber nur noch zu einer Gelegenheit und schoss aus spitzem Winkel über das Tor. Der Sport-Club, der bis zur letzten Minute sein Pressingspiel praktizierte und, wie Trainer Christian Streich nach dem Spiel sagte, „nie aufgehört hat zu arbeiten", schaffte es in der Schlussphase schließlich noch, sich für eine ganz starke Leistung mit einem Punktgewinn zu belohnen. Nach einer Flanke von Sebastian Freis von der rechten Seite schoss der am langen Pfosten postierte Nicolas Höfler (86.) per Direktabnahme ein. Für den 23-Jährigen war es bei seinem erst zweiten Bundesligaeinsatz sein erstes Tor in der Ersten Liga. Den Punkt verteidigte das SC-Team auch bis ans Ende der dreiminütigen Nachspielzeit und stibitzte Pep Guardiola damit zugleich die ersten Bundesligapunkte.

 

„Ich glaube, es war ein gutes Spiel, auch für die Zuschauer", sagte der nicht unzufriedene Bayern-Coach. „Wir haben sehr gut gespielt, ich weiß wie gefährlich es ist, nach Freiburg zu kommen. In den letzten Minuten kann immer viel passieren. Oliver Baumann hat zwischendurch unglaublich gehalten. Was unsere Spielweise betrifft, haben wir heute einen Schritt nach vorne gemacht. Jetzt müssen wir schnell regenerieren, um am Freitag ein gutes Supercup-Finale gegen den FC Chelsea zu spielen." Dieser internationale Auftritt des FC Bayern war auch der Grund für die Vorverlegung des heutigen Spiels. „Der entscheidende Punkt dafür, dass wir heute überhaupt so etwas erleben dürfen, ist", sagte Christian Streich, „dass die Spieler mit der Frustration des Hinterherlaufens umgehen konnten. Und wenn es in der 80. Minute noch 0:1 steht, hast du immer noch die Hoffnung auf ein besseres Ergebnis. Insgesamt freuen wir uns natürlich sehr."

 

Zeit zum Genießen des heutigen Erlebnisses bleibt zunächst reichlich. Erst in zweieinhalb Wochen - nach dem kommenden Wochenende folgt eine Länderspielpause - tritt der Sport-Club zu seinem nächsten Bundesligaspiel beim FC Augsburg an. Zwar müssen die SC-Profis bis dahin schon wieder jede Menge Trainingsarbeit absolvieren. Für die Fans bleibt jedoch ausreichend Zeit, die Erinnerung an einen denkwürdigen Punktgewinn zu konservieren.

 

Dirk Rohde

 

Stenogramm:

SC Freiburg: Baumann - Sorg, Diagne, Ginter, Günter - Schuster (62. Höfler), Fernandes - Schmid, Laprevotte (61. Kerk) - Freis, Guédé (75. Hanke)

FC Bayern München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Dante, Contento - Schweinsteiger (78. Ribéry) - Müller, Götze (62. Lahm), Kroos, Shaqiri - Pizarro (88. Mandzukic)

Tore: 0:1 Xherdan Shaqiri (33. Minute), 1:1 Nicolas Höfler (86.)

Gelbe Karten: Höfler, Günter / van Buyten

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)