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Immanuel Höhn im Interview

 

"Das wird ein intensiver Kampf"

Immanuel Höhn zählt zu jenen jungen Spielern aus der Freiburger Fußballschule, die vom Trainerteam um Christian Streich zu Beginn des vergangenen Jahres in den Profikader befördert wurden. Nach einer längeren Verletzungspause in der Hinrunde war der 21-Jährige auch am vergangenen Samstag bei Bayern München wieder mit von der Partie. Gegen den FC Augsburg am Sonntag erwartet der Innenverteidiger das nächste enge Spiel im Saisonendspurt.

 

scfreiburg.com: Herr Höhn, das war gar nicht so schlimm am Samstag bei den Bayern, oder?

Immanuel Höhn: Was heißt nicht so schlimm, wir haben uns sicherlich gut verkauft und ein gutes Spiel abgeliefert. Aber wir haben leider nichts Zählbares mitgenommen und das ist am Ende das, was einen nicht so glücklich macht.

 

scfreiburg.com: Mit welchen Gefühlen fährt man denn zu einem Gegner, der in den vier Bundesligaspielen zuvor 20 Tore erzielt hat?

Höhn: Zunächst wird einem ja von außen nicht viel zugetraut und vielleicht gesagt, das Spiel ist sowieso schon verloren. Aber man selbst genießt so ein Spiel ja auch. Man nimmt sich vor, sich nicht abschießen zu lassen und das Beste herauszuholen. Ich denke, das haben wir am Samstag versucht und es wäre uns fast gelungen, sogar etwas mitzunehmen.

 

scfreiburg.com: Worin liegt der Genussfaktor einer solchen Partie?

Höhn: Ich genieße jedes Bundesligaspiel. Das ist immer eine tolle Atmosphäre, ein schönes Gefühl, und Bayern München ist dann noch einmal eine spezielle Hausnummer.

 

scfreiburg.com: Theoretisch könnten Sie sich unter das SC-Wappen jetzt noch „Besser als Barcelona" auf das Trikot sticken lassen ...

Höhn: (lacht) ... Das könnten wir vielleicht, aber ich glaube das 0:4 des FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Bayern und unser Spiel kann man doch nicht so richtig miteinander vergleichen ...

 

scfreiburg.com: Trainer Christian Streich sagte nach der Begegnung: „Wir haben so defensiv gespielt wie noch nie, aber gegen Bayern geht das momentan nicht anders." Was haben Sie anders gemacht?

Höhn: Wir haben den Gegner tiefer aufgenommen, nicht unser übliches Pressing vorne gespielt und versucht, mehr zu verteidigen, um dann Konter zu setzen. Obwohl Bayern deutlich mehr Ballbesitz hatte, hatten wir vorne auch unsere gefährlichen Situationen.

 

scfreiburg.com: Im Hinspiel gegen die Münchner waren Sie verletzungsbedingt nicht dabei, dafür im Februar vor einem Jahr beim 0:0 in Freiburg. Was macht Bayern München in dieser Saison noch stärker, als jene Mannschaft aus der vergangenen Spielzeit?

Höhn: Das ist vor allem die wahnsinnige Qualität in der Breite. Sie haben 22 Spieler, die alle auf Weltklasseniveau sind und die dieses Niveau halten. Das macht sie so stark, und auch ihre Mentalität, die sie in diesem Jahr unter Beweis stellen. Dass sie wirklich alles dafür tun, um jedes Spiel zu gewinnen.

 

scfreiburg.com: Glauben Sie an ein deutsches Champions-League-Finale?

Höhn: Momentan sieht es ja gut aus. Natürlich drücke ich den beiden deutschen Mannschaften auch in den Rückspielen die Daumen. Wenn Bayern und Borussia Dortmund so spielen wie in den Hinspielen, steht einem rein deutschen Finale nicht viel entgegen.

 

scfreiburg.com: Und wer wäre dann Ihr Favorit?

Höhn: Das wäre mir eigentlich egal. Ich fände es schön, wenn eine deutsche Mannschaft mal wieder den Titel in der Champions League holt. Ob Bayern oder Dortmund: Die Mannschaft, die im Finale den besseren Fußball spielt, soll gewinnen.

 

scfreiburg.com: Für Sie persönlich war es am Samstag der zweite Startelf-Einsatz in dieser Spielzeit, nach dem allerersten Saisonspiel gegen den FSV Mainz. Anschließend hatten Sie eine langwierige Verletzung und waren erst zum Rückrundenauftakt in Mainz wieder am Ball. Waren das schwere Zeiten, nachdem Sie zur Rückrunde der letzen Saison in den Profikader befördert wurden?

Höhn: Natürlich war es nach dem Syndesmosebandriss, den ich in der Hinrunde hatte, nicht einfach, sich wieder alles zu erarbeiten und an die Mannschaft heranzukämpfen, die auch wahnsinnig erfolgreich war. Es ist nie leicht, mit solchen Situationen umzugehen, auch weil man wenige Einsätze hat. Aber die Arbeit, die ich investiert habe, hat sich letztlich ausgezahlt, indem ich jetzt wieder meine Spiele mache. Das gibt mir zusätzlich Kraft und freut mich sehr. Ich hoffe, dass es auf dem Weg weitergeht.

 

scfreiburg.com: In München haben Sie wie bei Ihren ersten Einsätzen auch eine starke Leistung gezeigt. Wie beurteilen Sie Ihre Entwicklung, seit Sie vor eineinviertel Jahren Bundesligaspieler wurden?

Höhn: Auch wenn ich noch nicht sehr viele Bundesligaspiele gemacht habe, finde ich trotzdem, dass ich eine Entwicklung genommen habe und einen Schritt weiter gekommen bin. Mein Ziel ist deshalb, dass sich diese Entwicklung auch in weiteren Einsätzen ausdrückt. Dafür arbeite ich in jedem Training. Grundsätzlich will ich natürlich so viele Spiele wie möglich machen und versuchen, mich in der Bundesliga zu etablieren.

 

scfreiburg.com: Vom Platz einmal an die Konsole: Der Hoffenheimer Stefan Thesker hat nach seiner ersten Bundesligapartie von Beginn an am vergangenen Samstag gesagt: „Ich habe das Spiel vorher fünfmal gespielt, bevor ich auf dem Platz stand." Haben Sie auch eine Playstation zu Hause, mit der Sie sich auf Spiele vorbereiten?

Höhn: (lacht) Also direkt auf Spiele vorbereitet habe ich mich so noch nicht. Aber wenn ich zuhause bin, spiele ich mit meinen Kumpels durchaus auch an der Playstation. Da wird natürlich mal der eine oder andere Spaß gemacht und natürlich spielt man dann auch mal mit sich selbst.

 

scfreiburg.com: Erkennen Sie sich in der virtuellen Bundesliga wieder?

Höhn: Am Anfang der Saison hatte ich immer so einen Tapestreifen am Arm, den habe ich dort tatsächlich auch. Sonst haben die Spieler bestimmte Fähigkeiten wie Schnelligkeit oder Zweikampfstärke, die der Realität nahe kommen sollen. Aber man kann das natürlich nicht mit dem richtigen Leben vergleichen.

 

scfreiburg.com: Sie sind einer von aktuell zehn Spielern im Profikader des Sport-Club, die aus der Freiburger Fußballschule stammen. Inwiefern prägt das auch die Atmosphäre im Team?

Höhn: Zur Entwicklung der ganzen Mannschaft hat es sicher einen großen Teil beigetragen, dass wir jungen Spieler dazu gekommen sind und vielleicht auch frischen Wind mitgebracht haben. Aber auch die Spieler, die von außerhalb kommen, tragen zu einem wahnsinnig tollen Mannschaftsklima bei. Wir haben viel Spaß zusammen, man arbeitet gemeinsam, tut viel für den Erfolg und das zahlt sich aus. Ich glaube, das sieht auch jeder, dass wir die Dinge gemeinsam und kompakt angehen und das ist sicher dieses Jahr mit das Erfolgsrezept.

 

scfreiburg.com: Bedauern Sie, dass mit Max Kruse, Jan Rosenthal, Daniel Caligiuri und Johannes Flum zum Ende der Saison vier Spieler dieser aktuell so erfolgreichen Mannschaft zu anderen Vereinen wechseln?

Höhn: Sicher, denn zum einen sind das wirklich vier Spieler mit einer wahnsinnigen Qualität, die uns dieses Jahr sehr geholfen haben. Zum anderen sind es allesamt auch menschlich super Typen, mit denen ich mich gut verstehe. Von daher ist es natürlich schade, dass sie gehen. Aber es will ihnen auch niemand Steine in den Weg legen und man wünscht ihnen auch weiter alles Gute und viel Erfolg mit ihren neuen Mannschaften. Das ist ja jedes Jahr in jeder Mannschaft ähnlich, dass Spieler gehen und Neue kommen. Von daher ist es letztlich auch ein ganz normaler Prozess, der abläuft.

 

scfreiburg.com: Und wie geht es in den verbleibenden drei Begegnungen für den SC weiter?

Höhn: So wie vorher auch: Wir haben drei schwere Spiele vor der Brust und wollen versuchen, so viele wie möglich erfolgreich zu gestalten. Und wir hoffen, dass wir die bestmögliche Platzierung rausholen können.

 

scfreiburg.com: Das Wort Europa ...

Höhn: ... hört sich schön an, aber Jeder sieht auch, dass es wahnsinnig eng da oben in der Tabelle ist. Bis zum elften Platz sind es momentan fünf Punkte, wenn du da ein oder zwei Spiele verlierst, bist du schon wieder weg. Von daher kann man nur von Spiel zu Spiel schauen und versuchen, die Punkte zu holen. Was am Ende rauskommt, werden wir dann sehen.

 

scfreiburg.com: Nicht nur Sie, auch Ihr kommender Gegner FC Augsburg liegt im Moment auf dem sechsten Platz ...

Höhn: ... Sie meinen, in der Rückrundentabelle? Das war ja in der letzten Saison auch schon so, dass Augsburg einen wahnsinnigen Höhenflug in der Rückrunde hatte. Man muss wirklich sagen, sie spielen momentan gut auf, sind auch stabil und tun einfach alles, um den Klassenerhalt wieder so sensationell zu schaffen, wie im letzten Jahr. Deshalb müssen wir am Sonntag mit unseren Mitteln dagegenhalten. Mit unseren fußballerischen Mitteln, aber wir müssen auch bis zum Ende kämpfen und hoffen, dass wir die drei Punkte holen. Ich erwarte deshalb vor allem einen intensiven Kampf.

 

scfreiburg.com: Kann man auch aus einer knappen Niederlage wie der in München etwas Positives für das nächste Spiel mitnehmen?

Höhn: Auf jeden Fall. Wir sind wirklich kompakt aufgetreten, haben wenige Chancen zugelassen - was in München in dieser Saison nicht so vielen Mannschaften gelungen ist. Deswegen können wir aus dem letzten Spiel auch viel Positives mitnehmen. Es gilt wie immer: Wir nehmen das Positive mit, setzen das am kommenden Wochenende wieder um - und dann geben wir Gas.

 

Interview: Dirk Rohde