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Felix Klaus im Interview

 

"Wollen die positiven Dinge bewahren"

Sein Tor zum 3:2 gegen Bayer 04 Leverkusen verzückte am vergangenen Samstag den Großteil der 22.100 Zuschauer im MAGE SOLAR Stadion. Doch SC-Mittelfeldspieler Felix Klaus weiß auch, dass man im Erfolg nicht zu hoch fliegen sollte und hat sich mit seinen Kollegen gleich wieder in die Vorbereitung auf den nächsten Gegner gestürzt. Damit am kommenden Wochenende beim 1.FSV Mainz wieder ein SC Freiburg auf dem Platz steht, der guten Fußball spielt, und - wenn es sein muss - ihn auch arbeitet.

 

scfreiburg.com: Glückwunsch, Herr Klaus! Es sieht so aus, als ob wegen Ihnen bald eine neue Drei-Punkte-Regel eingeführt wird.

Felix Klaus: Wie meinen Sie das?

 

scfreiburg.com: Nach Ihrem Wechsel im vergangenen Sommer von der SpVgg Greuther Fürth zum SC Freiburg spielen Sie Ihre zweite Saison in der Ersten Bundesliga.

Klaus: Richtig, und was hat das Ganze mit einer Drei-Punkte-Regel zu tun?


scfreiburg.com: Sie haben bislang in 40 Erstligaspielen vier Treffer erzielt. Immer wenn Sie getroffen haben, hat Ihre Mannschaft gewonnen, also drei Punkte geholt - zwei Mal die SpVgg Greuther Fürth in der vergangenen Saison und der Sport-Club beim 3:0 in der Hinrunde beim 1. FC Nürnberg und am vergangenen Samstag, als Sie in der 90. Minute das 3:2 gegen Bayer 04 Leverkusen erzielten.

Klaus: Ich sollte wohl häufiger Tore schießen ...

 

scfreiburg.com: Im Ernst: Ihr Siegtreffer gegen den Tabellenzweiten sorgte für Jubelstürme und ausgelassene Feierlichkeiten auf den Rängen und auf dem Rasen des MAGE SOLAR Stadions.

Felix Klaus: Ach, im Fußball geht vieles ziemlich schnell. Nach dem Sieg gegen Leverkusen wurden wir abgefeiert, klar. Das haben wir uns, aber vor allem auch unsere Fans, die uns in der schwierigen Hinrunde so fantastisch unterstützt haben, auch verdient. Trotzdem sollten wir jetzt auf dem Boden bleiben, dieses Spiel richtig einordnen und weiter an uns arbeiten. Wenn wir jede Woche mit so viel Herz und Leidenschaft spielen, dann stehen unsere Chancen gut, dass wir uns weiterentwickeln und unsere Saisonziele erreichen.

 

scfreiburg.com: Ein Sieg gegen den Tabellenzweiten der Ersten Bundesliga heißt also nicht, dass ab sofort vieles leichter wird?

Klaus: Natürlich nehmen wir die drei Punkte und das Selbstvertrauen, das wir uns erarbeitet haben, gerne mit. Doch jetzt richten wir schon wieder alles auf den nächsten Samstag aus, dann spielen wir in Mainz. Das wird wieder ein neues, ein ganz anderes Spiel. Wir wollen uns die positiven Dinge aus dem Leverkusen-Spiel bewahren, diese Woche weiter konzentriert im Training arbeiten und auch in Mainz wieder eine gute Leistung auf den Platz bringen.

 

scfreiburg.com: Was nimmt die Mannschaft konkret aus dem Leverkusen-Spiel mit?

Klaus: Vor allem, dass die Bundesliga auch diese Saison wieder sehr ausgeglichen ist und wir an einem guten Tag, an dem wir uns alle reinhauen, auf dem Platz alles abarbeiten und viele Dinge richtig machen, eigentlich gegen jeden Gegner unsere Chancen bekommen.

 

scfreiburg.com: Auf der einen Seite hat die Mannschaft gegen Leverkusen - vor allem in der zweiten Halbzeit - wieder mit sehr viel Mut und Überzeugung nach vorne gespielt, auf der anderen Seite hat das in der Schlussphase zu der ein oder anderen brenzligen Situation in der eigenen Hälfte und vor dem eigenen Tor geführt?

Klaus: Klar, manchmal haben wir auch ein bisschen zu viel riskiert und sind ab und zu Gefahr gelaufen, ausgekontert zu werden. Das hätte in der einen oder anderen Situation auch nach hinten losgehen können. Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen, deshalb haben wir - vor allem nach dem 2:2-Ausgleich - immer wieder mutig den Weg nach vorne gesucht. Die Fans haben es auch registriert, dass wir diesen Siegeswillen hatten und haben uns nach vorne gepeitscht und noch ein paar Prozent mehr aus uns herausgekitzelt.

scfreiburg.com: Ihrem Treffer zum 3:2 ging ein vorzüglicher Spielzug voraus: Admir Mehmedi ließ sich ins Mittelfeld fallen, Jonathan Schmid wetzte die rechte Außenbahn hoch, bekam den Ball in den Lauf serviert, zog in Richtung Grundlinie und legte auf Sie zurück, nachdem Sie von der linken Seite in den Strafraum gezogen waren, anschließend trafen Sie zum 3:2. Ein Tor aus dem Fußball-Lehrbuch?

Klaus: Das war ganz gut herausgespielt von uns, ein richtig guter Spielzug, finde ich. So ein Tor schaut man sich gerne nochmal an. Dass es der Siegtreffer in der letzten Minute war, macht die ganze Sache natürlich noch ein bisschen interessanter.

 

scfreiburg.com: Gegen Leverkusen haben Sie als Rechtsfuß zum zweiten Mal in dieser Saison auf der linken Außenbahn gespielt. Werden Sie beim SC zum linken Mittelfeldspieler umgeschult, nachdem Sie in Fürth jahrelang eigentlich immer auf der rechten Seite gespielt haben?

Klaus: Ich kann auf beiden Seiten spielen und habe das beim SC - sowohl bei den Profis als auch in der zweiten Mannschaft - häufiger getan. Ich trainiere mittlerweile oft auf der linken Seite und fühle mich da auch ganz wohl. Es ist ja heutzutage nicht so verkehrt, wenn man variabel ist und auf mehreren Positionen eingesetzt werden kann. Ich spiele auf beiden Seiten gerne, aber ...

 

scfreiburg.com: ... am liebsten spielen Sie da, wo Trainer Christian Streich Sie hinstellt?

Klaus: Natürlich. (lacht)

 

scfreiburg.com: Im Vorfeld des Leverkusen-Spiels wurde in den Medien häufig die 0:5-Niederlage gegen den Zweitligisten Union Berlin im letzten Testspiel der Wintervorbereitung thematisiert. Hat dieses Spiel die Mannschaft und das Trainerteam noch lange beschäftigt?

Klaus: Es war schon ein Thema innerhalb der Mannschaft. Wir haben nach dem Spiel eine lange Videoanalyse gemacht, die Fehler wurden offen angesprochen und wir waren uns alle einig: „So geht es nicht." Es war vielleicht nicht so verkehrt, dass wir zum Abschluss des sehr guten und harmonischen Trainingslagers nochmal einen auf den Deckel bekommen haben und aufgewacht sind. Aber nach der Analyse war es kein großes Thema mehr, dann haben wir den Blick nach vorne gerichtet.

 

scfreiburg.com: Das konnte die Mannschaft ja auch guten Gewissens tun, immerhin soll die Stimmung in Rota sehr gut und die Trainingsarbeit sehr akribisch und intensiv gewesen sein?

Klaus: Das Trainingslager war in menschlicher und fußballerischer Hinsicht sehr gut. Wir haben taktisch sehr viel gemacht, haben viel für die Offensive getan und uns weiterentwickelt. Auch neben dem Platz haben wir uns besser gefunden und haben uns besser kennengelernt. Nach einem halben Jahr habe ich mich hier jetzt richtig gut eingelebt.

 

scfreiburg.com: Im Sommer schienen Sie im Trainingslager in Schruns bereits auf einem sehr guten Weg zu sein, ...

Klaus: ... dann kam mitten im Trainingslager der Muskelfaserriss dazwischen. Damals waren es ganz andere Voraussetzungen. Der Verein hatte viele Abgänge und dementsprechend viele Neuzugänge, die sich erstmal an ein neues Umfeld und eine neue, eine andere Art Fußball zu spielen, gewöhnen mussten. Die Wintervorbereitung war richtig gut für uns alle. Ich habe schon in meinem Urlaub Sonderschichten gemacht und im Trainingslager haben alle sehr gut mitgezogen und wir haben uns gegenseitig gepusht.

 

scfreiburg.com: Die Stimmung in der Mannschaft war und ist trotz des erhöhten Konkurrenzdrucks noch gut?

Klaus: Man merkt, dass das Verständnis untereinander und füreinander gewachsen ist. Wir haben im vergangenen halben Jahr so viel gemeinsam erlebt, auf und neben dem Platz, so dass wir enger zusammengerückt sind. Ich fühle mich mittlerweile richtig heimisch hier.

scfreiburg.com: Apropos Heimat: Ihr alter Verein, die SpVgg Greuther Fürth, weist doch gewisse Parallelen zum Sport-Club auf?

Klaus: Die beiden Klubs kann man gut vergleichen. Fürth ist zwar noch ein bisschen kleiner, aber grundsätzlich sind die beiden Vereine sich ziemlich ähnlich, was Ihr Umfeld und was die Philosophie betrifft. Beide Vereine fordern und fördern ihren Nachwuchs auf hohem Niveau in ihren Leistungszentren und bauen häufig Spieler aus der eigenen Jugend bei den Profis ein. Dort schenken die Trainer den jungen Spielern viel Vertrauen. Das hat mir in Fürth sehr gut getan und das tut es auch hier in Freiburg, wo ich mich als 21-Jähriger eher noch zu den jungen Spielern zähle. Man weiß, dass einem Fehler verziehen werden, wenn man die richtige Haltung im Training und im Spiel hat. Es tut gut, zu wissen, dass die Trainer hinter einem stehen, auch wenn es mal nicht so gut laufen sollte.

 

scfreiburg.com: Am kommenden Samstag geht es für den SC gegen einen Gegner, an den Sie sehr gute Erinnerungen haben dürften?

Klaus: Klar, in Mainz habe ich vergangene Saison mein erstes Bundesligator gemacht und wir haben mit Fürth 1:0 gewonnen und damals unseren ersten Bundesligasieg geholt. Das war natürlich ein überragender Abend. Ich freue mich noch aus einem ganz anderen Grund auf dieses Spiel.

 

scfreiburg.com: Warum?

Klaus: Seit dieser Saison spielt mein bester Kumpel, Johannes Geis, dort. Mit ihm hatte ich fünf Jahre in Fürth eine richtig geile Zeit, da freut man sich riesig, wenn man sich wiedersieht - und sich am besten noch auf dem Platz gegenübersteht.

 

scfreiburg.com: Was erwartet den Sport-Club in Mainz?

Klaus: Ein verdammt gefährlicher Gegner, der sich gut entwickelt hat und mit dem 2:1-Sieg beim VfB Stuttgart ebenfalls gut in die Rückrunde gestartet ist. Die Spiele zwischen Freiburg und Mainz waren, glaube ich, in den vergangenen Jahren immer ziemlich knappe und intensive Angelegenheiten.

 

scfreiburg.com: Das dürfte es auch diesen Samstag wieder werden?

Klaus: Da gehe ich auch von aus. Die Mainzer laufen sehr viel und beackern jeden Meter auf dem Platz. Auch wir werden alles geben, dagegenhalten und dabei nicht vergessen, zu versuchen, guten Fußball zu spielen.

 

scfreiburg.com: Herr Klaus, vergangenen November, nach dem 3:0-Sieg des SC in Nürnberg konnten es einige Medien kaum fassen, dass „ausgerechnet" Sie als „waschechter Franke und Ex-Fürther" dem SC mit Ihrem 1:0-Führungstreffer den Weg zum Sieg geebnet hatten. Dabei sind Sie doch gar kein Franke?

Klaus: Wie kommen Sie darauf?

 

scfreiburg.com: Weil Sie in Osnabrück geboren sind.

Klaus: Das stimmt, aber als ich fünf Jahre alt war, sind wir zurück ins Frankenland gezogen. Meine Heimat ist das Frankenland. Wenn wir mal spielfrei haben, dann fahre ich gerne nach Hause zu meiner Familie oder meinen Freunden ...

 

scfreiburg.com: ... oder Ihre Familie besucht Sie in Freiburg?

Klaus: Meine Mutter war gegen Leverkusen gerade erst wieder im Stadion.

 

scfreiburg.com: Und Ihr Vater, der Ex-Bundesligaspieler Fred Klaus, gibt Ihnen nach den Spielen Tipps übers Telefon?

Klaus: Nein, mein Vater hält sich da zurück. Klar, wenn ich ihn nach seiner Meinung frage, dann versucht er schon, mich zu unterstützen und mir Ratschläge zu geben. Aber er hat ja mit seiner Arbeit als U19-Trainer beim FC Augsburg am Wochenende auch genug zu tun. Wenn er mal Zeit hat, kommt er natürlich auch gerne nach Freiburg. Schließlich kann er hier auch guten Fußball schauen.

 

Interview: Niklas Ziegler