Die Serie reißt in Niedersachsen

Erste Niederlage im zehnten Spiel

Der SC Freiburg hat am 22. Bundesliga-Spieltag erstmals nach neun Partien verloren. Bei Hannover 96 musste sich der Sport-Club mit 1:2 (0:1) geschlagen geben. Nach Treffern von Waldemar Anton (28.) und Felix Klaus (54.) gelang Manuel Gulde (88.) kurz vor dem Ende noch der Anschluss.

 

„Wir können nicht die Qualität erzeugen, nicht in Rückstand zu geraten. Wir müssen die Effizienz haben, mal in Führung zu gehen", resümierte SC-Trainer Christian Streich auf der Pressekonferenz. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison." Sein Amtskollege André Breitenreiter sagte: „Jeder hat gesehen, warum Freiburg seit neun Spielen nicht verloren hat. Das haben sie auch heute gezeigt. Wir haben uns heute - im Gegensatz zu den letzten Wochen - belohnt."

 

Start mit Fünferkette und Kempf

 

„Immer scheint halt nicht die Sonne im Leben", sagte Christian Streich vor wenigen Tagen, als er auf das anstehende Gastspiel in Hannover und die Rückkehr an jenen Ort angesprochen wurde, an dem im Mai 2015 der Abstieg des Sport-Club aus der Ersten Liga besiegelt worden war. „Da war es eher verhangen", fügte der SC-Trainer noch an.

 

Ein ganz ähnliches Fazit mussten die mehr als 600 mitgereisten Freiburger Anhänger wohl am frühen Samstagabend auch ziehen - und das nicht nur wegen des trüben Wetters. Sondern weil das Team, das in weißen Trikots, weißer Hose und roten Stutzen auflief, nach zuvor neun Spielen ohne Niederlage erstmals wieder mit leeren Händen vom Feld ging.

 

Anders als beim 0:0 vor einer Woche gegen Bayer Leverkusen entschied sich das Freiburger Trainerteam wieder für eine Dreier- bzw. Fünferkette. Marc Oliver Kempf verstärkte anstelle des gelbgesperrten Offensivmanns Janik Haberer die hintere Defensivreihe.

 

Auch bei den Gastgebern gab es im Vergleich zum 1:1-Remis beim Hamburger SV lediglich eine personelle Änderung. Für Pirmin Schwegler, der nach Klubangaben unter der Woche mit leichten Rückenproblemen zu kämpfen gehabt hatte, rückte der frühere SC-Spieler Oliver Sorg in die Startelf.

 

Rückstand nach verpasster Doppelmöglichkeit

 

Große Torchancen waren zunächst auf beiden Seiten rar. Nach zwölf gespielten Minuten musste und konnte sich Alexander Schwolow erstmals auszeichnen, als er nach einem inkonsequenten Klärungsversuch seiner Vordermänner den Abschluss von Hannovers Niclas Füllkrug aus 16 Metern Entfernung entschärfte und so das 0:0 beibehielt. Ein anschließender Eckball (15.) und ein Schuss aufs lange Eck (20.) stellten den SC-Keeper ebenfalls nicht vor Probleme.

 

Wenig später hatte dann die SC-Offensive gleich zweifach die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Es sollte ihre beste in Halbzeit eins werden: Erst zielte Tim Kleindienst allein vor Philipp Tschauner stehend Richtung Tor, danach verwertete Lucas Höler (23.) den Nachschuss. Doch 96-Schlussmann Tschauner klärte diese Versuche ebenso wie in Zusammenarbeit mit seiner Defensivabteilung eine weitere Koproduktion der Sturmkollegen Kleindienst/Höler (26.).

 

Doch die Freiburger agierten nun zunehmend frecher - und wurden ausgerechnet in dieser Phase ausgebremst: Weil Freiburgs Robin Koch eine Flanke von Sorg unglücklich mit dem Kopf abwehrte und vor die Füße von Waldemar Anton platzierte, versenkte dieser mit einem satten Rechtsschuss den Ball im SC-Tor (28.).


Mit Kath für Kempf in Hälfte zwei

 

Ein bitterer Rückschlag für die Gäste, aber auch keine ausweglose Situation: Schon 13 Punkte holte der Sport-Club in dieser Saison immerhin nach zwischenzeitlichem Rückstand. Doch diesmal änderte sich bis zum Pausenpfiff trotz vereinzelter Halbaktionen nach vorne (33., 42., 44.) nichts mehr an dem Spielstand.

 

Mit einem personellen und taktischen Wechsel schickte das SC-Trainerteam seine Schützlinge in den zweiten Durchgang. Kempf verließ für Offensivmann Florian Kath den Platz, was eine Umstellung auf ein 4-4-2 mit Nils Petersen und Kleindienst im Sturm bedeutete. Die Zielsetzung für die Akteure auf dem Platz blieb dabei die gleiche: Das Ergebnis hin zum Positiven verändern.

 

Tatsächlich brachten die Freiburger Schwung und mit einem Angriff von Höler und Kath (52.) die Hoffnung auf die Wende aus der Kabine mit. Aber beinahe wie ein Abbild von Durchgang eins hielt der Aufwind nur kurz, weil die Niedersachsen erneut etwas überraschend ein Tor entgegensetzen konnten: Ihlas Bebou bediente gedankenschnell den ehemaligen Freiburger Felix Klaus, der an Schwolow vorbei zum 2:0 einnetzte (54.). „In der ersten Halbzeit war Hannover besser, in der zweiten Halbzeit wir, kriegen aber genau dann das Tor", sagte Christian Streich.

 

Anschlusstreffer durch Gulde

 

Im weiteren Verlauf kämpfte der Sport-Club aufopferungsvoll um den Anschluss, den Bemühungen von Kath (68.), Höler (72.), Amir Abrashi (80.) und Petersen (84.) fehlte jedoch jeweils das Quäntchen Glück, auch weil sich die Hannoveraner immer mehr in die eigene Hälfte zurückzogen.

 

Dass es schließlich SC-Innenverteidiger Manuel Gulde gelang, einen von Tschauner geblockten Ball aus nächster Nähe zum 2:1 zwischen den Pfosten unterzubringen (88.), fiel nicht mehr groß ins Gewicht. Mit 25 Punkten ist der SC weiterhin fünf Zähler vom Relegationsrang entfernt. Am kommenden Samstag ab 15.30 Uhr geht es im heimischen Schwarzwald-Stadion gegen Werder Bremen.

 

Sina Ojo