Sport-Club trifft daheim auf Königsblau

Gut organisiert die Lücken finden

Am elften Spieltag kämpft der SC Freiburg wieder im Schwarzwald-Stadion um Punkte. Zu Gast ist am Samstag (15.30 Uhr, live bei Sky und im SC-Live-Ticker auf scfreiburg.com) der FC Schalke 04.

 

So gut es ging, galt es auch für SC-Trainer Christian Streich, nach dem letzten Sonntag das vergangene Spiel beim VfB Stuttgart schnellstmöglich abzuhaken. Zum einen die 0:3-Niederlage in der Mercedes-Benz-Arena, nachdem der Sport-Club dort 78 Minuten lang hatte in Unterzahl spielen müssen. Zum anderen die Szene und das Zustandekommen der Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Stieler, Çağlar Söyüncü früh im Spiel die Rote Karte zu zeigen.

Abstand gewinnen nach dem Derby

 

Der Unparteiische hatte den SC-Innenverteidiger wegen der angeblichen Vereitelung einer klaren Torchance durch Handspiel auf Intervention des Video-Assistenten des Feldes verwiesen, nachdem die Partie zunächst rund 50 Sekunden lang weitergelaufen war. Am Montag wurde Söyüncü vom DFB-Sportgericht wegen „eines unsportlichen Verhaltens" für ein Spiel gesperrt und fehlt nun gegen den FC Schalke 04. Auch am Tag danach, so der Freiburger Trainer, habe es nur dieses eine Thema gegeben, egal, mit wem man gesprochen habe. „In der Summe ist das nicht hilfreich, denn die Situation ist ja im Nachhinein nicht mehr zu verändern." Zumal es gegolten habe, den Fokus schnell wieder auf das nächste Heimspiel am Samstag zu legen.

 

Deshalb, erklärte der Coach, habe er mittels des trainingsfreien Dienstags und Champions-League-freier Abende „probiert, Abstand dazu zu schaffen." Grundsätzlich gebe es aktuell, was den Einsatz des Videobeweises betreffe, eine gewisse Diskrepanz zu der Praxis, wie sie den Vereinen, den Spielern und Verantwortlichen vor der Saison vermittelt worden sei: „Uns wurde gesagt, dass der Video-Schiedsrichter nur bei gravierenden Fehlentscheidungen eingreift. Das wird derzeit so nicht umgesetzt, was auch insofern schade ist, weil durch die häufigen Unterbrechungen der Fluss des Spiels leidet."

 

Ersatz für gesperrten Söyüncü gesucht

 

Mit der Mannschaft besprochen, sagte Christian Streich, hat das Trainerteam nach dem Derby allerdings auch, „was im Spiel zehn gegen elf nicht gut war und welche Fehler wir bei den Gegentoren gemacht haben." Wer in der nächsten Partie gegen den Tabellenfünften Schalke 04 Çağlar Söyüncü ersetzten wird, wollte der Trainer noch nicht mitteilen: „Ich habe verschiedene Dinge im Kopf, aber ich möchte mich nicht dazu äußern." Neben dem 21-jährigen türkischen Nationalspieler fehlen gegen die Königsblauen auch die Innenverteidiger Philipp Lienhart (Knieverletzung), Manuel Gulde und Georg Niedermeier (beide Aufbautraining).

 

Für Lienhart war erstmals im DFB-Pokalspiel gegen Dynamo Dresden und in Stuttgart erstmals auch in der Bundesliga Robin Koch in die Anfangsformation gerückt. Ob Marc Oliver Kempf gegen Schalke wieder eine Option sein kann, war noch offen. Der U21-Europameister kehrte nach seinem Muskelfaserriss wieder ins Mannschaftstraining zurück, hat dort aber erst wenige Einheiten absolviert. „Sein Einsatz wäre mit einem erheblichen Risiko und ein paar Fragezeichen verbunden", sagte Christian Streich. Deshalb könne diese Frage erst nach genauer Abwägung verschiedener Aspekte beantwortet werden. Alternative Optionen hält der Kader freilich auch weitere bereit. Für das Mittelfeld steht zumindest Amir Abrashi wieder zur Verfügung, Vincent Sierro (Aufbautraining) dagegen noch nicht. Auch Karim Guédé (doppelter Bänderriss) und Jonas Meffert (Reha) befinden sich noch im Aufbau (Update: Florian Niederlechner fällt aufgrund seiner am Donnerstag erlittenen Knieverletzung länger aus.).

 

Schalker Stabilität unter Tedesco

 

Der FC Schalke 04 trennte sich am vergangenen Samstag zuhause 1:1 vom VfL Wolfsburg. Fünf Siege, zwei Remis und drei Niederlagen holte der Revierklub bislang unter seinem neuen Trainer Domenico Tedesco und steht damit nach der durchwachsenen letzten Spielzeit zunächst wieder im vorderen Tabellendrittel. Wie der Sport-Club agierten auch die Königsblauen zuletzt defensiv mit einer Dreierkette. Schalke 04, so Christian Streich, sei „sehr gut organisiert, flexibel und eingespielt". Sie spielten „sehr diszipliniert" und verteidigten „alle zusammen, um dann umzuschalten und mit ihren guten Fußballern Akzente zu setzen."

 

Der Tatsache, dass Nationalspieler Leon Goretzka den Gästen wohl auch am Samstag verletzt fehlt, wollte Christian Streich keine größere Bedeutung beimessen: „Dann spielt für ihn jemand anderes, der zuletzt nicht so viel gespielt hat." Schalke habe keine Probleme damit, solche Spieler „durch andere Spieler mit großer Qualität zu ersetzen". Alle bisherigen zehn Punktspiele fast komplett absolviert hat mit Daniel Caligiuri, der im Januar vom VfL Wolfsburg kam, ein früherer Freiburger. Ebenfalls bei den Knappen unter Vertrag stehe weiterhin Sascha Riether.

 

Für weiteren starken Heimauftritt arbeiten

 

Besonders aufzupassen gilt es für den Sport-Club am Samstag auch bei Standardsituationen. Mit neun Standard-Toren hält der FC Schalke in dieser Saison bislang den Bestwert. „Wir müssen der guten Organisation des Gegners selbst gut organisiert entgegentreten", betonte Christian Streich. „Die Arbeit und die Abläufe gegen den Ball sollten sehr gut funktionieren, damit Schalke nicht die Räume bekommt." Darüber hinaus, sagte der Freiburger Trainer, „müssen wir wieder an uns glauben und uns Torchancen erarbeiten."

 

Dass dies zuletzt vor allem im Schwarzwald-Stadion recht erfolgreich funktionierte, zeigt die Tatsache, dass der Sport-Club saisonübergreifend seit neun Bundesligabegegnungen ungeschlagen ist. „Jetzt gilt es einfach wieder ein gutes Heimspiel zu machen", sagte deshalb auch Außenverteidiger Pascal Stenzel. „Das ist unser nächstes Ziel und darauf arbeiten wir die ganze Woche hin."

 

Dirk Rohde