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„Die sollen auch kicken, wenn wir nicht da sind“

 

 

Den Straßenfußball und das freie Spiel auf dem Bolzplatz neu zu beleben, ist Ziel sowohl des SC als auch der step stiftung. Mit dem kick mobil verfolgen sie es gemeinsam. Louisa Ramsaier, Bildungsreferentin bei der step stiftung, und Nicolas Krotzinger, Projektmanager der step stiftung, sprechen im Interview über ihre Arbeit.

 

 

Wie kam es zum kick mobil?

Nico Kritzinger: Unsere Stiftung bekam 2018 als Gewinn des DFB-Integrationspreises einen Mercedes-Van. Den wollten wir sinnvoll einsetzen und auf Bolzplätzen ein Sportangebot für Kinder und Jugendliche in die Wege leiten. Den letzten kick gab dann Corona: Als Reaktion auf die bewegungsarme Zeit im Frühjahr war uns eine unkomplizierte Möglichkeit zum Sporttreiben für die Kids wichtig.

 

Und wie zur Unterstützung durch den SC?

Kritzinger: Mit dem SC sind wir schon lange über das gemeinsame Projekt „Willkommen im Fußball“ in Kontakt, dabei kam auch das kick mobil zur Sprache. Da ergab sich die Kooperation beinahe von selbst, denn auch dem SC sind Bolzplätze sehr wichtig. Dass Kinder sich dort außerhalb von Vereinsstrukturen treffen können, dass sie viel Gestaltungsraum für eigene Spielideen haben, dass man den Straßenfußball wieder aufleben lässt: In diesen Zielen waren wir uns absolut einig.

 

Was passiert, wenn das kick mobil auftaucht?

Kritzinger: In den letzten Monaten sind wir die Bolzplätze an der Krozinger Straße (Weingarten) und der Langemarckstraße (Wiehre) regelmäßig angefahren und waren dabei jeweils zu viert: Ein*e Projektleiter*in, die von unserer Stiftung kam, ein*e Jugendtrainer*in vom SC und zwei kick teamer*innen, die wir so nennen, weil wir die Begleitung und Betreuung der Kinder in den Vordergrund stellen – nicht nur das Anleiten von Übungen.

 

Wie drückt sich das dann auf dem Platz aus?

Ramsaier: Wir verschieben beim kick mobil den Fokus, nehmen uns fußballspezifische Übungen, die wir modifizieren. Es gibt im Fußball viele Übungen, bei denen die Reaktionszeit auf gerufene oder angezeigte Farben eine Rolle spielt. Wir ersetzen die Farben mit Begriffen zu verschiedenen Themenbereichen und rufen anstelle von „rot oder blau“ einfach „Petersen oder Schwolow“ oder, in Anlehnung an aktuelle Themen, „Homeschooling oder Schule in Präsenz“. Das kann man beliebig mit Torabschlüssen kombinieren. Der kognitive Prozess des Ursprungsspiels – schnell wahrnehmen und entscheiden, wohin ich laufe – bleibt dabei erhalten.

 

Und was hat man davon?

Ramsaier: Dass sich Gespräche ergeben. Die Kinder erzählen, welchen Spieler sie interessanter finden, welche Art des Lernens ihnen besser gefällt, welche Werte sie vertreten. Sie lernen sich so auch untereinander besser kennen. Ziel ist, dass Verbindungen entstehen und die Kinder sich auch dann zum Kicken auf dem Bolzplatz treffen, wenn wir nicht da sind.

 

Kommt es auch mal vor, dass Kinder auf dem Platz sind, die keine Lust auf das kick mobil  haben?

Ramsaier: Wir hätten kein Problem damit, wenn es einmal so wäre. Wir möchten nichts aufzwingen, sondern nur Prozesse anstoßen. In guter, alter Bolzplatz-Tradition könnte man sich ja auch einigen: Wer möchte, geht mit uns auf das eine Tor – die anderen auf das andere.

 

Kritzinger: Bislang ist das aber noch nie vorgekommen. Es hat halt auch eine gehörige Magnetwirkung, wenn da noch ein Trainer vom SC dabei ist. In den fünf Monaten, die Corona uns dieses Jahr ließ, haben wir an 27 kick mobil-Terminen knapp 500 Kinder erreicht. Eine ordentliche Zahl, die Nachfrage ist groß. Deshalb werden wir ab nächstem Jahr zwei Termine pro Woche anbieten, um mehr Bolzplätze abdecken zu können. Sobald Corona es erlaubt, legen wir wieder los.

 

Interview: Mathias Heybrock, erschienen im Heimspiel-Magazin 07, 20.12.2020.