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Holocaust-Überlebender trifft Fußballschüler

 

Nach dem Vortrag herrscht erst einmal Stille. Was Leon Weintraub in den vergangenen 90 Minuten aus seinem Leben erzählt hat, ist schwer verdaulich. Der heute 93-Jährige hat den Holocaust überlebt. Viele Fußballschüler sowie einige Profis, Trainer und SC-Mitarbeiter sind am Dienstagabend in der vitra.Lounge zusammengekommen, um die Geschichte des Zeitzeugen zu hören.

 

Die Geschichte eines Überlebenden

 

Leon Weintraub kommt 1926 im polnischen Lodz auf die Welt. Nach dem Überfall der Nationalsozialisten auf Polen 1939 werden er und seine Familie als Juden zunächst im Ghetto Litzmannstadt gefangen gehalten. 1944 folgt die Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Leon wird von seiner Familie getrennt. Seine Mutter sieht er nie wieder. Wie er später erfährt, wird sie kurz nach der Ankunft im Lager vergast. Er selbst kann dem sicheren Tod in Auschwitz entgehen, indem er sich unbeobachtet einem Gefangenentransport anschließt. Nach Stationen in weiteren Lagern gelingt Leon Weintraub bei Donaueschingen kurz vor Kriegsende die Flucht aus einem bombardierten Häftlingszug.

 

90 Minuten lang erzählt Weintraub, der in wenigen Wochen 94 Jahre alt wird, aufrecht stehend seine leidvolle Geschichte. Doch er lässt sie nicht mit Leid und Tod enden. „Das Wichtigste ist, ein Ziel zu haben“, sagt er den Fußballschülern. Sein Ziel war es, nach dem Krieg Arzt zu werden. Und diesen Traum gab er nicht auf: Allen sprachlichen und bürokratischen Widrigkeiten zum Trotz studierte er nach dem Krieg Medizin, promovierte 1966 und arbeitete als Frauenarzt und Geburtshelfer. Heute lebt er mit seiner Frau in Stockholm.

 

„Es gibt nur eine einzige Menschenrasse“

 

Der Abend ist Teil einer Reihe von Präventionsveranstaltungen der DFL für die Jugendlichen im Fußballnachwuchs. Mit den Fußballschülern werden dabei Themen wie Doping, Spielsucht oder Social Media behandelt. Am Dienstagabend geht es um Diskriminierung und Rassismus.

 

Vor seinem letzten Statement macht Zeitzeuge Weintraub eine kleine Pause, denn die Aussage ist ihm besonders wichtig. „Die moderne Wissenschaft hat die ganze Rassenlehre widerlegt. Es steht heute fest, dass es nur eine einzige Menschenrasse gibt“, sagt er. „Wir sind als Menschen geboren. Und ich möchte euch wünschen, dass ihr als Menschen lebt und dass ihr alles, was anders ist, als interessant anseht, nicht als furchteinflößend und feindlich.“

 

Julian Schuster: „Mehr als beeindruckend“

 

Marius Kaiser, Torhüter in der U17, sagt im Anschluss an den Vortrag des Holocaust-Überlebenden: „Das ist schon ganz anders als im Geschichtsunterricht, wenn jemand dann vor einem steht, der diese Dinge wirklich erlebt hat und das dann auch noch so aufrecht stehend erzählt.“ Für ihn ist die Botschaft klar: „Wir müssen alles dafür tun, dass solche Dinge nie wieder passieren.“

 

Auch Verbindungstrainer und Ex-SC-Kapitän Julian Schuster zeigt sich von den Worten Weintraubs beeindruckt: „Ich hoffe, dass jeder einzelne hier im Raum daheim nochmal darüber nachdenkt, was dieser Mann heute erzählt hat, was er uns rät: Nicht zu fragen, woher jemand kommt, sondern zu schauen, wer jemand ist. Das ist mehr als beeindruckend und ich bin glücklich, dass wir heute die Möglichkeit hatten, das erleben zu dürfen.“

 

Tobias Gayer