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"Da wurde tolle Arbeit geleistet"

 

Jeder Klub hat seine Kultfiguren. Vor dem Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim kommt eine dieser Legenden des kommenden SC-Gegners zu Wort: Marvin Compper

 

Herr Compper, Sie kommen aus Tübingen. Keine große Fußballstadt, da schielt man eher ins nahe Stuttgart, wo Sie Ihre Karriere begannen?

 

Marvin Compper: Stimmt. Tübingen ist eine Universitäts- und Akademikerstadt, auf jeden Fall keine Fußballhochburg. Aber ich habe in Auswahlmannschaften gespielt und bin dann in die C-Jugend des VfB gewechselt.

 

Sie gingen aber noch in der A-Jugend zu Borussia Mönchengladbach.

 

Die boten mir gute Perspektiven und ich spielte auch relativ bald in der Bundesliga.

 

Aber dann hakte es und Sie wechselten nach Hoffenheim, auch weil Ralf Rangnick Sie überzeugte?

 

Ich war 22 Jahre alt, wollte unbedingt spielen und zeigen, was ich kann. Und ja, die Tatsa­che, dass Ralf Rangnick dort federführend war, war natürlich ein Argument.

 

Das Projekt Hoffenheim war da schon ziem­lich ambitioniert. Glaubten Sie, dass man die hohen Ansprüche verwirklichen könnte?

 

Dass es so schnell gehen würde, war natür­lich nicht abzusehen. Aber man hat zu der Zeit in Hoffenheim wirklich tolle Arbeit geleis­tet. Vieles hat sehr schnell und gut geklappt.

 

Sie kamen in der Winterpause 2007 /2008, da lag die TSG in der Zweiten Liga auf dem achten Platz, neun Punkte hinter einem direkten Aufstiegsplatz, und wurde ziemlich souverän Zweiter.

 

2008 haben wir saisonübergreifend mit Hoffenheim 76 Punkte geholt. Das war Wahnsinn.

 

Sie sind als Aufsteiger auch gleich an die Tabellenspitze der Bundesliga gestürmt. Es kam dann Anfang Dezember zum großen Duell mit den Bayern. Zum ersten Mal wurden dem Verein, der ja sonst sehr kritisch gesehen wurde, zumindest in dem Spiel bundesweit die Daumen gedrückt.

 

Es war auf jeden Fall medial für uns ein Mega-Ereignis. Obwohl wir schon die ganze Zeit gut spielten, lief alles auf dieses Spiel hinaus. Leider nahm es dann kein gutes Ende für uns.

 

Bayern gewann in der letzten Minute 2:1. Was denken Sie rück­blickend: Wäre Hoffen heim bei einem Sieg Meister geworden?

 

Ich bin kein Freund von Hätte, Wenn und Aber. Fakt ist: Wir sind in der Hinrunde von einer unheimlichen Euphorie getragen worden und es gab mehrere Gründe, warum es nach der Winterpause nicht mehr so lief. Da gab es einfach einen kleinen Bruch und wir waren noch zu jung, um uns da mental so schnell wieder herauszuarbeiten.

 

2008 wurden Sie auch zum ersten National­spieler der TSG. 

 

Ich hätte gerne mehr Spiele gemacht, aber für sein Land aufzulaufen ist auch bei einem Mal eine große Sache und ein tolles Gefühl.

 

Hoffenheim hatte in den nächsten Jahren dann eher durchwachsene Spielzeiten. Ging das Ganze vielleicht doch zu schnell? 

 

Ich glaube, man hatte die Ausrichtung etwas verloren, als Ralf Rang nick ging. Außerdem ge­hören solche Höhen und Tiefen auch zu einem Verein und seiner Geschichte dazu. 

 

2013 gab es dann eine schlechte Vorrunde, in der Sie ein bisschen zum Sündenbock ge­macht wurden. Waren Sie da vielleicht einen Hauch zu ehrlich, als Sie sagten, dass Sie sich schwer mit Ihrer Rolle als Ersatzspieler täten? Man warf Ihnen deshalb mangelnden Einsatz im Abstiegskampf vor. 

 

Da wurde einiges falsch interpretiert. Fakt ist, dass mir von Trainer und Manager gesagt wur­de, dass man nicht mehr auf mich setzt. Der eine war einen Monat und der andere drei Mo­nate da, ich glaube nicht, dass sie mich richtig einschätzten. Die Menschen, die fünf Jahre in Hoffenheim mit mir verbracht haben, kennen mich und wissen, dass ich mich immer für das Team eingesetzt habe.

 

Sie haben später mit RB Leipzig eine Art Deja-Vu gehabt und sind wieder in die Bundesliga aufgestiegen. In Hoffenheim zählten Sie zu den jungen Wilden, in Leipzig waren Sie einer der erfahrenen Anführer. 

 

Das war tatsächlich ein purer Genuss, den jungen Spielern in Leipzig zu helfen, den Weg zu gehen, den ich Jahre zuvor selbst in Hoffenheim auch gegangen bin.

 

Und jetzt mit 34 Jahren wollen Sie mit dem MSV Duisburg ein weiteres Mal aufsteigen? 

 

Wir hatten einen guten Saisonstart und jetzt schauen wir, dass wir das beibehalten können.

 

Interview: Carmelo Policicchio 

 

Marvin Compper (34) bestritt zwi­schen 2008 und 2013 in fünf Jahren 157 Spiele für die TSG 1899 Hoffen­heim. Der Verteidiger war der erste Nationalspieler der Kraichgauer, seit dieser Saison spielt er beim Drittligisten MSV Duisburg.