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Bild und Geschichte ... mit Manni Schwabl

 

Mei, Niederlagen gehören im Sport einfach dazu. Der Abstieg 93/94 mit dem 1. FC Nürnberg war aber schon extrem bitter. Erst am letzten Spieltag verdrängte uns der SC Freiburg noch vom Nichtabstiegsplatz. An die direkten Vergleiche mit Freiburg kann ich mich aber nicht erinnern; auch nicht an das 2:2 in Nürnberg, aus dem das Foto mit mir rechts im roten FCN-Trikot stammt.

 

Der Anfang vom Ende war damals die Partie am viertletzten Spieltag bei Bayern München mit dem kuriosen Phantomtor von Thomas Helmer: Nach einer Ecke für Bayern stolperte Helmer den Ball am zweiten Pfosten des FCN-Tores vorbei ins Toraus. Ich stand am anderen Pfosten, hatte also beste Sicht. Dass die Szene als Tor gewertet wurde, war in meinen 13 Profijahren was Einzigartiges: Wenn keiner im Stadion jubelt, sondern alles raunt, weil der Ball vorbeigeht, und der Schiri entscheidet „Tor", dann war das - ich sag' a'mal - schon sehr unüblich.

 

Ich kann nicht beurteilen, ob Helmer damals gesehen hat, dass der Ball nicht drin war, und dem Schiri das hätte sagen müssen. Auch dem Schieds- und Linienrichter mache ich keinen Vorwurf. Irren ist menschlich, und keiner macht doch Fehler mit Fleiß. So verloren wir 2:1, aber es war klar, dass es auf FCN-Protest ein Wiederholungsspiel geben würde.

 

Das hätte ich verhindern können, wenn ich kurz vor Schluss einen Elfer zum 2:2 verwandelt hätte. Mit einem Punkt aus München hätte der FCN dann ja nie Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt. Unser Elfmeterschütze Sergio Zárate war ausgewechselt, ich hatte im Training alle Elfer reingemacht, scheiterte nun aber an Bayernkeeper Raimund Aumann (kleines Foto). Nach Abpfiff hörten wir dann vom überraschenden 4:0-Sieg der Freiburger beim VfB Stuttgart und wussten: Jetzt wird's noch mal richtig eng.

 

Unser Wiederholungsspiel endete 5:0 für Bayern, und so gab's am 34. Spieltag das Fernduell mit Freiburg um den Klassenerhalt. In den Tagen herrschte für mich dabei doppelte Hochspannung: Statt beim Training war ich donnerstags im Krankenhaus, wo meine Frau unsere Tochter Caroline zur Welt brachte. Am Samstag verloren wir dann mit dem FCN bei Borussia Dortmund und stiegen aufgrund des schlechteren Torverhältnisses ab, weil Freiburg zeitgleich in Duisburg gewann. Privates Glück und berufliche Tristesse - das waren sehr gegensätzliche Gefühlswelten. Zumal ja klar war: Ohne Phantomtor, oder wenn ich den Elfer versenkt hätte, hätten wir in München Unentschieden gespielt und nicht wir, sondern Freiburg wäre abgestiegen. Das ist mir noch lange nachgehangen.

 

Nach der Spielvereinigung Unterhaching ist der SC Freiburg heute dennoch ein Lieblingsclub der Familie Schwabl, besonders auch von meiner 79-jährigen Mama. Die bodenständige Arbeit beim SC hat für uns bei Haching außerdem echten Vorbildcharakter.

 

 

Aufgezeichnet von Timo Tabery


Manfred Schwabl (52), Präsident SpVgg Unterhaching, machte 1986 bis '89 und 1993/94 133 Erstligaspiele für den 1. FC Nürnberg (9 Tore), dazwischen mit Bayern München 3 Meistertitel, 1 Pokalsieg. Später noch 1860 München. 4 A-Länderspiele.