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"Unser Fokus liegt auf der Entwicklung"

 

2018 hatte einiges zu bieten für die Frauen des Sport-Club. Im Interview spricht Managerin Birgit Bauer über das zu Ende gehende Jahr, fasst die aktuellen Entwicklungen zusammen und blickt voraus auf 2019.

 

scfreiburg.com: Mit 18 Punkten aus 13 Spielen geht es in die Winterpause. Wie sehr überrascht Sie dieses Zwischenergebnis?


Birgit Bauer: Wir sind natürlich nicht zufrieden mit der Punktzahl. Nicht, weil wir deutlich weniger Punkte haben als in der vergangenen Saison. Ein Vergleich wäre auch nicht fair. Unzufrieden sind wir, weil wir wissen, dass unsere aktuelle Mannschaft besser ist, als es der Punkte- und Tabellenstand aussagen. In der vergangenen Saison lief vieles für uns, wir haben einige Spiele in den Schlussminuten noch gewonnen. Dieses Jahr fehlt uns etwas das Spielglück. Die Heimspiele gegen Frankfurt, München oder Sand sind da nur drei Beispiele. Wir hätten in diesen Spielen mehr verdient gehabt. Einzig gegen Hoffenheim hatten wir das nötige Glück und haben den verdienten Sieg eingefahren.

 

Welche weiteren Gründe sehen Sie?

 

Wir hatten im Sommer zahlreiche schwerwiegende Abgänge. Vielleicht ist die Mannschaft auch deshalb in einigen Aspekten noch nicht so stabil, wie sie es schon sein könnte. Hinzu kamen die Verletzungen wichtiger Spielerinnen wie Kim Fellhauer, Hasret Kayikci oder Clara Schöne. Solche Ausfälle tun weh und sind über einen längeren Zeitraum nur schwer zu kompensieren. Man darf aber trotzdem nicht den Fehler machen und alles zu negativ sehen. Die Mannschaft ist auf einem guten Weg, das hat sie gerade in den letzten Spielen gezeigt.

 

War Ihnen vor der Saison klar, dass es schwerer werden könnte, als in den Vorjahren?

 

Es war eine spannende Gemengelage. Zahlreiche Abgänge, viele neue Spielerinnen. Zudem die Tatsache, dass wir eigentlich nicht viel gewinnen konnten. Wir hatten vergangene Saison 48 Punkte, haben beinahe eine perfekte Saison gespielt. Dass es schwer werden würde, das Ergebnis zu toppen oder es auch nur zu bestätigen war allen Beteiligten vor der Saison klar.

 

Ganz unabhängig von Punkten oder Tabellenständen. Wie weit ist der Umbruch fortgeschritten?

 

Ich habe es ja bereits gesagt, wir sind auf einem guten Weg. Wir wissen, was die Mannschaft kann und sie bestätigt es mittlerweile regelmäßig auf dem Platz. Die Leistung stimmt, da machen wir uns keine Sorgen. Uns fehlt einfach das nötige Glück. Gegen Bayern gehen wir 2:1 in Führung, der Treffer wird aber nicht gegeben. Stattdessen fangen wir uns in den Schlusssekunden das Tor zum 1:2 und stehen trotz einer wirklich sehr guten Leistung ohne Punkte da. Uns fehlen einfach sechs, sieben, oder acht Punkte, die wir problemlos hätten holen können. Damit wären wir sogar nahe dran an unserer Ausbeute aus dem Vorjahr. Nochmal, die Mannschaft hat unser absolutes Vertrauen und wird uns im neuen Jahr noch viel Freude bereiten.

 

Wenn man sich die Reaktionen der Zuschauer nach der Niederlage gegen München in Erinnerung ruft, scheinen diese schon jetzt von den Leistungen der Mannschaft begeistert zu sein.

 

Was unsere Zuschauer leisten ist überragend. Im Schnitt besuchen über 1000 Menschen unsere Heimspiele. Damit liegen wir über dem Ligaschnitt und gerade im Vergleich mit anderen Größen der Liga sind unsere Zahlen einfach herausragend. Zudem beweisen unsere Fans immer wieder ihren Sachverstand. Die Reaktion nach dem Bayern-Spiel steht für sich. Die Mannschaft wurde für ihre starke Leistung zurecht gefeiert, die Fans haben gespürt, dass die Mannschaft die Unterstützung verdient und auch braucht.

 

Beim genauen Blick auf die Statistiken fallen die im Vergleich zu den Vorjahren ungewöhnlich vielen Gegentore ins Auge.

 

Wir machen als Mannschaft im Defensivverhalten zu viele Fehler, viele davon werden unmittelbar mit Gegentoren bestraft. Das ist einer der Punkte, an denen wir intensiv weiterarbeiten müssen. In den letzten Spielen waren bereits Fortschritte erkennbar.

 

Verstärkung erhält die Offensive. Welche Rolle wird Stefanie Sanders ab Januar einnehmen?

 

Stefanie Sanders ist eine körperlich robuste Angreiferin, die zudem sehr schnell ist und dadurch jeden Gegner vor Probleme stellen kann. Eine gewisse Robustheit geht uns im Angriff ab, da kann Stefanie helfen. Wir müssen aber erstmal abwarten, in welcher körperlichen Verfassung sie aus den USA zurückkommt und dürfen nicht den Fehler machen, ihr einen Rucksack aufzusetzen, sondern müssen Geduld haben und ihr Zeit geben.

Sind darüber hinaus Veränderungen am Kader geplant?

 

Geplant ist nichts, aber im Fußball weiß man ja nie.

 

Nicht geplant war auch der Abschied von Trainer Jens Scheuer im Sommer.

 

Wir hätten gerne mit Jens weitergearbeitet, seine Pläne sind andere. Das ist zu akzeptieren. Jens ist ein wirklich guter Trainer, dem wir für seine Arbeit für den Sport-Club danken. Sein neuer Verein kann sich auf einen echten Fachmann freuen.

 

Wie sehr schmerzt es, Spielerinnen und Trainer immer wieder an die Konkurrenz abgeben zu müssen?

 

Natürlich tut das weh, keine Frage. Wir alle wünschen uns Kontinuität, versuchen alles, um unsere Spielerinnen zu halten. Am Ende entscheiden wir aber nicht alleine und viele Faktoren spielen eine Rolle. Wir können nur das bieten, was wir haben. Wenn das einer Spielerin oder einem Trainer nicht reicht, ist das zu akzeptieren. Dabei geht es nicht nur ums Geld. Mancher hat vielleicht das Gefühl, etwas Neues kennenlernen zu wollen, sich sportlich zu verändern. Daran ist nichts verwerflich, das kann man niemandem verdenken. Fakt ist, dass wir auch in der Zukunft alles tun werden, um unsere Spielerinnen zu halten. Wir werden ihnen aufzeigen, welche Perspektive sie in Freiburg haben, wie ihr Weg hier aussehen kann. Wenn das am Ende nicht reicht, dann müssen wir das so akzeptieren.

 

Im Sommer kommt Daniel Kraus als neuer Cheftrainer. Wieso passt er ideal zum Sport-Club?

 

Daniel ist ein ambitionierter junger Trainer, der auf seinen bisherigen Stationen bewiesen hat, dass er mit jungen Spielerinnen arbeiten kann. Das passt zu unserer Philosophie. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm und sind uns sicher, auf der Trainerposition auch in der Zukunft sehr gut aufgestellt zu sein. Bis dahin liegt unser Fokus aber voll auf der aktuellen Saison, in der wir gemeinsam erfolgreich sein wollen.

 

Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in das neue Jahr?

 

Wir wollen in den neun Spielen so viele Punkte holen wie möglich. Zudem haben wir alle weiter den Traum, einmal den DFB-Pokal zu gewinnen. Da hoffen wir auf ein wenig Losglück und wollen es gemeinsam bis ins Finale nach Köln schaffen.

 

Was muss passieren, damit Sie am Ende der Saison von einer gelungenen Spielzeit sprechen?

 

Wir sind aus den Vorjahren natürlich verwöhnt. Die Punktzahlen, die wir dort erreicht haben, sind schon nicht mehr möglich. Wir legen unseren Fokus auf jedes einzelne Spiel und darüber hinaus auf die Entwicklung der Mannschaft. Wenn die stimmt bin ich zufrieden. Absolut gelungen wäre die Spielzeit ohne Zweifel, wenn wir es nach Köln schaffen.

 

In der Allianz-Frauen-Bundesliga zog der VfL Wolfsburg lange einsam seine Kreise. War dieser Verein noch nie so gut wie jetzt?

 

Es scheint so. Der VfL hat eine außergewöhnlich gute Mannschaft, die Meisterschaft schien lange Zeit schon entschieden. Und auch trotz aktuell nur drei Punkten Vorsprung weiß ich nicht, wer Wolfsburg noch einholen soll. Man sieht einfach, was mit einer kontinuierlichen Entwicklung und punktuellen Verstärkungen möglich ist. Und das auf einem finanziellen Niveau, mit dem fast niemand in Deutschland mithalten kann.

 

Schadet Wolfsburgs Stärke der Liga oder nützt sie ihr?

 

Der Rest kämpft dann eben um Platz zwei (lacht). Wieso sollte es der Liga schaden? Der VfL ist außergewöhnlich gut, es wird aber niemand davon abgehalten, den Ehrgeiz zu entwickeln, den VfL schlagen zu wollen.

 

Hinter den großen Zwei scheinen noch viele Verschiebungen möglich. Wo sehen Sie den Sport-Club?

 

Wir schauen weniger auf die Tabelle sondern konzentrieren uns darauf, noch möglichst viele Punkte zu holen. Welcher Platz am Ende dabei herausspringt, werden wir sehen. Unsere Rolle aus der letzten Saison hat ein wenig die SGS Essen eingenommen, die auf einem starken dritten Platz liegt. Die Champions-League-Teilnahme wird sich aber wohl zwischen München und Potsdam entscheiden.

 

Ganz vorne Wolfsburg, ganz am Ende Gladbach. Der Aufsteiger ist abgeschlagen Tabellenletzter. Wieso ist es für einen Aufsteiger so schwer in der Bundesliga mitzuhalten?

 

Es ist schade, wenn ein so großer Verein wie Borussia Mönchengladbach mit einem Punkt am Tabellenende hängt. Es steht mir aber nicht zu, zu beurteilen, welche Gründe es dafür gibt.

 

Was wird Ihnen aus dem zu Ende gehenden Jahr am meisten in Erinnerung bleiben?

 

Es war ein besonderer Moment, im Juni 48 Punkte feiern zu dürfen. Einer der positivsten Momente, der Heimsieg gegen den FC Bayern im Februar, wird vom negativsten, der Auswärtsniederlage in Duisburg eine Woche zuvor, überstrahlt. Da haben wir uns vieles kaputt gemacht, das war einfach schade.

 

Was wünschen Sie sich für 2019?

 

Abgesehen von sportlichem Erfolg, den wir uns alle wünschen, ist die Gesundheit das wichtigste. Bevor ich an 2019 denke möchte ich aber noch die Möglichkeit nutzen, unseren Fans und allen, die den Frauen- und Mädchenfußball beim Sport-Club begleiten, für ihre Unterstützung im Jahr 2018 zu danken. Ihnen allen wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für 2019!

 

Interview: Felix Scharte