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"Wir wollen beweisen, dass wir mehr können"

 

Verena Wieder im Interview

Verena Wieder (18) debütierte bereits mit 16 in der Champions League. Im Interview erklärt die Junioren-Nationalspielerin, wie es dazu kam, erzählt, wie es sich anfühlt, das erste Bundesligator zu schießen und spricht über schwierige Situationen, aus denen man gestärkt hervorgeht.

 

scfreiburg.com: Was fällt Dir zum FK Rossijanka ein?

 

Verena Wieder: Mein erstes Spiel für den FC Bayern und gleichzeitig mein erstes Spiel in der Champions League durfte ich gegen Rossijanka, eine Mannschaft aus der Nähe von Moskau absolvieren.

 

Mit 16 Jahren das Debüt in der Champions League.

 

Ein cooles Gefühl. Als so junge Spielerin direkt in der Champions League spielen zu dürfen ist natürlich toll.

 

Wie überrascht warst Du über den Einsatz?

 

Völlig überrascht, das ging alles extrem schnell. Ich kam damals von der U17-Weltmeisterschaft zurück, wurde in den Kader der ersten Mannschaft hochgezogen. Das alleine war schon eine super Sache. Noch viel überraschender war dann die Einwechslung gegen Rossijanka. Ein wahnsinnig tolles Gefühl.

 

Du hast mit dem FC Bayern in der Champions League gespielt, bist im DFB-Pokal ins Finale eingezogen. Wieso der Wechsel nach Freiburg?

 

Als junge Spielerin habe ich hier die beste Möglichkeit mich zu entwickeln. Man hat in den letzten Jahren gesehen, wie gut hier mit jungen Spielerinnen gearbeitet wird. Bei Bayern ist das so in diesem Maße nicht möglich, die Kaderdichte ist dort eine ganz andere. Zudem sind die finanziellen Mittel viel größer, das macht es für junge Spielerinnen extrem schwer, zu Einsätzen zu kommen. Gegen Rossijanka war das eher eine Ausnahme, der Gegner ist natürlich viel schwächer einzuschätzen als andere Bundesligisten.

 

Ist der Sport-Club für Dich als junge Spielerin genau der richtige Verein?

 

Absolut. Nach drei Monaten im Verein kann ich das nur bestätigen. Man hat hier ideale Möglichkeiten. Der Trainer vertraut uns jungen Spielerinnen, die Mannschaft ebenso. Die Bedingungen sind perfekt um sich auf hohem Niveau weiterentwickeln zu können. Ich durfte in allen Spielen auf dem Platz stehen. Das hatte ich mir natürlich erhofft, damit gerechnet aber nicht wirklich. Zumal der Konkurrenzkampf auch hier sehr hoch ist und der Kader eine große Leistungsdichte aufweist. Es freut mich, bereits so viel spielen zu dürfen und bin über jede Minute froh.

 

Was zeichnet den Sport-Club aus?

 

Die familiären Verhältnisse. Im Vergleich zu den Bayern ist hier alles persönlicher und privater. Und natürlich steht der Sport-Club für eine junge, hungrige Mannschaft, die sich entwickeln will und bereit ist, viel dafür zu arbeiten.

 

Vor der Saison sind mit Laura Benkarth und Lina Magull zwei Spielerinnen den umgekehrten Weg gegangen und nach München gewechselt. Was fehlt in Freiburg noch, um in der Zukunft auch Nationalspielerinnen halten zu können?

 

Die finanziellen Möglichkeiten sind in München einfach nochmal ganz andere. Der Campus in München ist vielleicht auch etwas, dass für Bayern spricht. Die Bedingungen dort, in Wolfsburg oder Lyon sind nochmal andere, als in Freiburg. Aber ich sehe ja, wie professionell hier gearbeitet wird. Wenn man bedenkt, was für eine herausragende Saison der Sport-Club letztes Jahr gespielt hat, dann sehe ich wenige Gründe den Verein zu verlassen. Die Entscheidung muss aber am Ende natürlich jede Spielerin selbst treffen.

 

Egal wie lange Du in Freiburg spielen wirst, mit dem Sport-Club wirst Du wohl immer Dein erstes Bundesligator gegen Gladbach verbinden. Was ging Dir in dem Moment durch den Kopf?

 

Ich habe in zwei Jahren für die Bayern kein Pflichtspieltor für die erste Mannschaft erzielt, war nie die große Torjägerin. Seit ich in Freiburg bin scheint der Knoten geplatzt zu sein (lacht). Bei meinem ersten Tor kam der Pass von Lena Lotzen. Ich weiß noch, wie ausgelassen wir gejubelt haben, obwohl es ja nur der Treffer zum 3:0 war. Wir hatten beide in dem Moment wohl den selben Gedanken. Dieses Gefühl zu wissen, es geht doch. Ich hoffe, mich zeitnah revanchieren und ihr ihren ersten Treffer auflegen zu können. Vielleicht klappt es ja schon gegen Frankfurt. Insgesamt war es einfach ein unglaubliches Gefühl, ein Bundesligator zu schießen. Ich hoffe es kommen noch einige dazu.

 

Du hast mit sechs Jahren angefangen Fußball zu spielen. Wie kam es dazu?

 

Meine Brüder haben bereits vor mir angefangen zu kicken. Zudem war mein Vater Trainer beim FC Thalhofen. Mich hat das Fieber so richtig anlässlich der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 gepackt. Ab da wollte ich auch unbedingt Fußball spielen. Meine Mutter war anfangs noch dagegen, die konnte ich aber auch irgendwann überzeugen (lacht). Bis 2013 habe ich dann in Thalhofen gespielt, danach jeweils ein Jahr beim FC Kempten und dem FC Memmingen.

 

Wie schafft man es mit 16 Jahren in die Champions League?

 

Ich habe lange bei den Jungs gespielt, das hat mir sehr geholfen. Man wird dort ganz anders gefördert als bei den Mädchen. Das Spieltempo und die Zweikampfhärte sind größer. Der Sprung zu den Frauen fällt einem dann einfach leichter. Natürlich gehört auch ein wenig Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man braucht Trainer, die einem vertrauen. Ohne jemanden, der sich traut, junge Spielerinnen zu bringen und auch das damit vorhandene Risiko einzugehen, geht es nicht.

 

In Deinen bisherigen Spielen kamst Du stets auf der offensiven Außenbahn zum Einsatz.

 

Ich habe früher eher zentral gespielt, bin aber dann aufgrund meiner Schnelligkeit immer weiter nach außen gerückt. 

 

Die Schnelligkeit gehört eindeutig zu Deinen größten Stärken, woran willst Du noch arbeiten?

 

Trotz der Tore, die mir schon gelungen sind, muss ich weiter an meinem Abschluss arbeiten. Die richtige Entscheidung treffen, wann ich selbst den Abschluss suche oder lieber nochmal abspiele, insgesamt cleverer spielen.

 

Du hast für die U-Nationalmannschaften des DFB bereits 33 Spiele absolviert, hast Bundesliga und Champions League gespielt. Welche Ziele hast Du noch?

 

Kurzfristig ist es natürlich mein erstes Ziel, beim Sport-Club Stammspielerin zu werden. Jedes Spiel zu machen, am liebsten über 90 Minuten. Langfristig gesehen ist der Sprung in die A-Nationalmannschaft ein Ziel. Und jede Spielerin träumt natürlich davon, Titel zu gewinnen. Wir wollen uns als Mannschaft weiterentwickeln um irgendwann dort hin zu kommen.

 

Aktuell ist die Ligaspitze mit zehn Punkte aus sieben Spielen ein Stück entfernt.

 

Keiner bei uns ist zufrieden mit der bisherigen Punktausbeute. Wir hatten uns mehr erhofft, das ist klar. Aber wir hatten und haben mit einigen schwerwiegenden Ausfällen zu kämpfen. Sharon Beck, Kim Fellhauer, Hasret Kayikci, Hikaru Naomoto, Clara Schöne. Das sind Ausfälle, die wir nicht so einfach kompensieren können. Zudem war der Umbruch vor der Saison natürlich sehr groß, viele Spielerinnen sind gegangen, viele neu dazugekommen. Wir brauchen einfach noch ein wenig Zeit, wollen uns aber weiterentwickeln und glauben daran, in den kommenden Wochen und in der Rückrunde weiter oben dranbleiben zu können. Man muss aber natürlich auch sehen, dass es in dieser Saison hinter Wolfsburg nochmal deutlich enger geworden ist. Da wollen wir versuchen, eine gute Rolle zu spielen.

 

Woran hapert es noch?

 

Aufgrund des Umbruchs und der Verletzungen sind wir noch nicht so eingespielt, wie wir es sein könnten. Zudem sind wir eine sehr junge Mannschaft, die mitten in der Entwicklung steckt. Da gehören Tiefen dazu. Diese können aber auch zu einer positiven Entwicklung beitragen. Wenn wir in der einen oder anderen Situation das nötige Glück haben können wir auch schnell einen Lauf kriegen.

 

Gehört zur Entwicklung auch ein Spiel wie in Potsdam letzte Woche dazu?

 

Wir haben dort gerade in der ersten Halbzeit viel zu viel von dem vermissen lassen, was uns auszeichnet. Es gab zu viele individuelle Ausfälle, die Absprachen haben nicht so funktioniert, wie wir es wollten. Wir haben das analysiert und wissen, was wir besser machen müssen. Aber wie gesagt, auch aus solchen Situationen lernt man, das sollte uns nicht mehr passieren.

 

Mit dem 1. FFC Frankfurt kommt der Rekordmeister ins Möslestadion, der mit sieben Punkten eher schwach gestartet ist. Was für einen Gegner erwartest Du?

 

Wir lassen uns von der Punktzahl nicht täuschen, wissen, was für eine schwere Aufgabe uns erwartet. Frankfurt hat sich vor der Saison gut verstärkt, mit Verena Aschauer und Laura Feiersinger unter anderem zwei gestandene Nationalspielerinnen aus Österreich verpflichtet. Sie hatten ähnlich wie wir ihre Startschwierigkeiten, davon lassen wir uns aber nicht irritieren. Es wird ein enges Spiel, in dem Details entscheiden.

 

Welche Details müssen für uns sprechen, damit der vierte Saisonsieg gelingt?

 

Wir müssen die Zweikämpfe besser annehmen als zuletzt, müssen aggressiver auftreten. Damit wollen wir dann auch in unser Ballbesitzspiel kommen, Frankfurt am besten nicht ins Spiel kommen lassen. Wir alle wollen eine Reaktion auf den Auftritt in Potsdam zeigen und uns selbst und der Liga beweisen, dass wir mehr können!

 

Interview: Felix Scharte