Schnellzug auf dem Außengleis

Verein
25.01.2024

In der kleinen Taktikschule erklärt Martin Schweizer, Sportdirektor der Freiburger Fußballschule, dieses Mal, die Aufgabe und Position eines Schienenspielers und welche überraschenden Varianten sie ermöglichen.

Herr Schweizer, sind so genannte Schienenspieler die Außenbahnflitzer vor einer Dreierkette?

Martin Schweizer: Ein Schienenspieler ist für mich zunächst mal klar am Flügel beheimatet, den er über die komplette Länge des Platzes bedient. Er hat Angriffs- und Verteidigungsaufgaben, die er – bestenfalls mit einer gewissen Unterstützung durch seine Mitspieler auf den Nachbarpositionen – aber dennoch oft relativ alleine bewältigen muss. Theoretisch können auch die Außenverteidiger einer Viererkette als Schienenspieler agieren, etwa im 4:4:2 mit Raute, bei dem die vier Mittelfeldspieler eher zentral bleiben. Aber die klassischen Grundordnungen für‘s Spiel mit Schienenspieler sind sicher die mit Dreier-Fünferkette, bei der die Außenspieler je allein die Außenbahnen besetzen…

… und hier mächtig Dampf nach vorn machen.

Schweizer: Man kann die Position unterschiedlich interpretieren: tendenziell als Angreifer vor einer breit stehenden Dreierkette oder auch eher als Außenverteidiger in einer Fünferkette. Werden Offensivaußen zum Schienenspieler umfunktioniert, müssen sie sich dafür defensive Stabilität aneignen. Das gelingt oft leichter, als dass rein defensiv ausgerichtete Außenverteidiger fürs Schienenspiel noch große Offensivqualitäten entwickeln.

Muss ein Schienenspieler sich quasi selbst defensiv absichern und somit ständig abwägen: Bin ich zu weit vorn? Kann ich offensiv voll mitgehen, oder fehlt mir danach die Kraft, wieder rechtzeitig hinten zu sein?

Schweizer: Er hätte besser keinen ständigen Gedankenstress: Soll ich, soll ich nicht? Besser wäre er physisch so stark, dass er sich darauf verlassen kann, ohne Probleme immer wieder die weiten Wege auf der Außenbahn vor- und zurücksprinten zu können. Neben Ausdauer und Tempo sollte ein Schienenspieler Offensivdrang haben, dribbeln und flanken können, zudem auch defensiv wach und zweikampfstark sein – ein forderndes Gesamtprofil.

Aber seien die Schienenspieler noch so fit und fix: Muss man mit nur einfach besetzten Flügeln nicht unweigerlich kompensieren, dass hier auf den Außenbahnen ab und zu Raum offen ist?

Schweizer: Das angedeutete Problem kann eigentlich nur in defensiven Umschaltmomenten entstehen. Aber selbst wenn bei Ballverlust beide Schienenspieler vorne sind, hast du immer noch eine – dann hoffentlich nicht auf einer Höhe stehende, sondern klug im Dreieck gestaffelte – Dreierkette als Kontersicherung hinten. Stehen wir bei gegnerischem Ballbesitz geordnet, etwa im 3:4:3, bekommen wir die Räume ohnehin gut zu. Die Schienenspieler rücken dann etwas zurück. Eine Fünferkette entsteht, die die Breite in letzter Linie bestens abdeckt. Wandert der Ball zur Seite, schiebt die Fünferkette einfach ums Eck: Der ballnahe Schienenspieler kann ohne Bedenken nach vorne raustreten, denn hinter ihm bleibt eine Viererkette, die seitwärts zu ihm rüberpendelt.

Das erinnert insgesamt sehr an den SC Freiburg der 90er-Jahre, als etwa Ralf Kohl und Jörg Heinrich wie Schnellzüge auf den äußeren Schienen unterwegs waren. Warum erlebt die taktische Ausrichtung mit nur einfach besetzten Flügeln gerade in den letzten Jahren ein Revival?

Schweizer: Etwa 2000 bis 2012 agierte man europaweit quasi nur mit Viererkette. Dann kam nach und nach die Dreier-Fünfer-Kette wieder mehr in Mode. Willst du dann nicht im extrem defensiven 5:4:1 spielen, kannst du die Flügel eigentlich nur noch einfach besetzen. Ein Vorteil dabei: Mit dann vielen zentralen Spielern, hast du gute Chancen, mit dem Zentrum auch das Spiel zu kontrollieren. Aktuell gibt es zudem tolle Modelle, aus der Dreierkette heraus Offensivkraft zu entfalten, etwa durch schnelle, die Schienenspieler hinterlaufende äußere Innenverteidiger.

Warum gibt es aktuell so wenige überragende Schienenspieler in der Bundesliga?

Schweizer: Ist das wirklich so? Mir fallen da etwa Jeremie Frimpong von Bayer Leverkusen oder Benjamin Henrichs von RB Leipzig ein. Es gibt auch einige SC-Profis mit richtig gutem Schienenspieler-Profil, zum Beispiel Christian Günter oder mittlerweile auch Noah Weißhaupt.       

 

Interview: Timo Tabery und Uli Fuchs

Foto: Imago Images

 

 

 

 

 
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