Jetzt den Newsletter abonnieren!

Bleiben Sie auf dem Laufenden:

Wir geben Ihre Daten selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Abmelden jederzeit möglich.

  1. Newsletter
  2. Facebook
  3. Instagram
  4. Twitter

SC schlägt RB Leipzig mit 2:1

Erneute Energieleistung im Schneegestöber

Der SC Freiburg hat das Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga gegen Tabellenführer RB Leipzig mit 2:1 (1:0) für sich entschieden. Überraschender Schneefall hatte am Montagabend für unerwartete und schwierige Rahmenbedingungen gesorgt. Dennoch gelang Vincenzo Grifo (10.) der frühe Führungstreffer für die Gastgeber. Nach der Pause traf zunächst Dominik Kaiser (56.) zum Ausgleich, doch Florian Niederlechner (68.) erzielte auf Zuspiel des gerade eingewechselten Nils Petersen den Siegtreffer für den mit viel Leidenschaft kämpfenden Sport-Club.

Zweiter gegen Erster, beste Heimmannschaft gegen bestes Auswärtsteam, stärkster Angriff gegen stärkste Defensive, das waren neben jeder Menge fußballlerischer Qualität auf beiden Seiten Attribute, die das Spitzenspiel im Vorfeld begleiteten. Erwartungsgemäß waren nur im Gästeblock des Schwarzwald-Stadions Plätze frei geblieben, aber eine dicke Überraschung bot das Wetter. Einige Zeit vor dem Spiel hatte dichter Schneefall eingesetzt und zunehmend auch den Rasen bedeckt, sodass die weißen Linien vor dem Anpfiff noch einmal per Schneeschaufeln freigelegt werden mussten und ein neon-orangener Spielball zum Einsatz kam.

 

Nach unerwartetem Wintereinbruch gelingt Grifo die Führung

 

Das SC-Trainerteam um Christian Streich, das zuletzt zweimal auf die gleiche Startformation gebaut hatte, musste vor dem Anpfiff die Frage beantworten, wer gegen RB Leipzig Marc Torrejón ersetzen würde. Der Spanier hatte sich am vergangenen Mittwoch in der Partie bei Arminia Bielefeld einen Außenbandriss im Sprunggelenk zugezogen. Für ihn rückte wie schon beim 4:1 in der Schüco-Arena Immanuel Höhn in die Innenverteidigung. Es war gegenüber dem zweiten Spiel der Englischen Woche die einzige Änderung in der Anfangsformation. Gästetrainer Ralf Rangnick besetzte seine Startelf nach dem 3:1-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim unter der Woche mit Außenverteidiger Lukas Klostermann und Rani Khedira im defensiven Mittelfeld auf zwei Positionen neu. Die Torschützen beim 1:1 im Hinspiel, Nils Petersen und Davie Selke, saßen zunächst auf der Bank.

 

Das Rückspiel begann schließlich unter völlig unerwarteten Rahmenbedingungen, wodurch zunächst vor allem Standfestigkeit und eine schnelle Orientierung auf dem rutschigen Untergrund gefragt waren. Dem Sport-Club gelang dies gut, auch wenn Marcel Halstenberg für die Gäste den ersten Torschuss abgab. Dass lange Bälle an diesem Abend ein adäquates Mittel sein würden, zeigten beide Teams von Beginn an. Wobei die Gastgeber dabei effektiver zu Werke gingen und sich erneut mit einen frühen Führungstor belohnten. Einen Abschlag von Alexander Schwolow leitete Florian Niederlechner zu Mike Frantz weiter, der wiederum den in den Strafraum gestarteten Vincenzo Grifo (10.) bediente, welcher mit einem platzierten Flachschuss in die lange Ecke traf.

 

Schwierige Bedingungen und Ausgleich durch Kaiser

 

Viele Torchancen sollten im ersten Durchgang nicht mehr folgen, in dem der Sport-Club auch mit leidenschaftlichem Einsatz und aufmerksamer Defensivarbeit seinen Vorsprung verteidigte. Die Gäste versuchten vor allem ihre schnelle Sturmspitze Yussuf Poulsen in Szene zu setzten, gefährlich wurde die Leipziger Offensive aber nur selten. Ein Schuss von Emil Forsberg (31.) wurde eine sichere Beute von Schwolow. Ebenso wie ein Versuch von Marcel Sabitzer kurz vor der Pause. Obwohl beide Teams auch immer wieder versuchten, ein Stück weit Kombinationsfußball zu zeigen, wurden sie dabei regelmäßig nicht nur vom Gegner, sondern auch vom Schnee auf dem Platz ausgebremst. Nach einer guten halben Stunde unterbrach Schiedsrichter Manuel Gräfe außerdem die Partie, um die Linien auf dem Platz noch einmal von zahlreichen Helfern mit Schneeschaufeln freilegen zu lassen. Was beiden Trainern auch die Gelegenheit zu einem kurzen Zwischencoaching an der Seitenlinie bot. Trotz der widrigen Bedingungen schienen die Gastgeber bislang besser mit diesen zurecht zu kommen, auch wenn ein Freistoß von Grifo, den Torwart Peter Gulacsi parierte, die einzige weitere Möglichkeit blieb.

 

Die zweite Halbzeit begann der Sport-Club mit Maximilian Philipp anstelle von Karim Guédé. Die Gäste schienen eine Portion mehr Entschlossenheit mit aus der Kabine gebracht zu haben. Nach einem ersten Freistoß von Sabitzer über das Tor attackierte der Tabellenführer jetzt früher. Zwar war die exakte Ballkontrolle und das Fußballspielen bei dem weiterhin beharrlichen Schneefall nur bedingt möglich, doch der Tabellenführer erhöhte den Druck und kam zehn Minuten nach dem Wiederbeginn zum Ausgleich. Nach einem schnellen Vorstoß gelangte der Ball im Strafraum zu Poulsen, der mit einem überlegten Rückpass Dominik Kaiser (56.) an der Strafraumgrenze bediente, und der Kapitän der Leipziger traf mit einem Direktschuss in die linke Ecke. Trotzdem hielt der Sport-Club weiter mit viel Leidenschaft und großem kämpferischen Einsatz dagegen. Der stark verteidigende Marc-Oliver Kempf verfehlte mit einem Kopfball zunächst noch das Tor der Gäste.

 

Niederlechner trifft weiter und zur Entscheidung im Spitzenspiel

 

Dann wechselte der SC zum zweiten Mal, Nils Petersen kam für Frantz in die Partie. Und mit seiner ersten Aktion leitete der Stürmer die erneute Führung ein. Sein genau getimtes Zuspiel fand im Strafraum Florian Niederlechner (68.) und der SC-Winterneuzugang überwand Gulacsi mit Ruhe und mit einem Flachschuss. Für Niederlechner, der in Bielefeld doppelt getroffen hatte, war es das vierte Tor im dritten Spiel der Englischen Woche. Der Treffer gab dem Sport-Club noch einmal neuen Auftrieb und setzte frische Kräfte frei. Niederlechner (72.) bot sich wenig später die Möglichkeit zur Vorentscheidung, doch Halstenberg blockte seinen Torschuss noch ab. Auf der Gegenseite zielte Poulsen (74.) aus der Drehung gefährlich knapp am Tor von Alexander Schwolow vorbei. Das Spitzenspiel hatte sich längst zu einer packenden, weil enorm spannenden, umkämpften und ein Stück weit weiter unberechenbaren Begegnung entwickelt.

 

Es ging trotz des tiefen, seifigen Untergrundes mit Tempo hin und her, wobei sich der Ball oft mehr durch die Luft als über den Boden bewegte. Grifo (81.) bot sich nach einem abgewehrten Ball die nächste Chance, doch sein Schuss strich über die Latte. „Die Mannschaft hat gefightet und alles gegeben, am Ende waren wir sicher auch die Glücklicheren", sagte SC-Trainer Christian Streich nach dem umjubelten Schlusspfiff im Schwarzwald-Stadion. „Das Thema war, die Bedingungen anzunehmen, das haben wir gut gemacht." Das Glück bezog der  der Coach auf eine Szene in der Nachspielzeit. Nach einem Flankenball in den Freiburger Strafraum kam Sabitzer aus schrägem Winkel und kurzer Distanz frei zum Schuss, doch Alexander Schwolow (92.) rettete mit einer klasse Abwehr den Sieg im Zweitliga-Gipfeltreffen. Unter Bedingungen, die Ralf Rangnick hinterher mehr an eine „Schneeballschlacht" und ein „Zufallspiel" erinnerten, als an die Art Spitzenspiel, so der Leipziger Trainer und Sportdirektor, wie es unter normalen Verhältnisse zu erwarten gewesen wäre.

 

Der Sport-Club verteidigte mit seinem vierten Sieg in Folge den zweiten Tabellenplatz und den Drei-Punkte-Vorsprung auf den Dritten 1. FC Nürnberg und verkürzte den Abstand zum Spitzenreiter RB Leipzig gleichzeitig auf drei Zähler. Abstände, die als nächstes wieder am kommenden Wochenende auf dem Prüfstand stehen, wenn der SC zum nächsten Auswärtsspiel beim FSV Frankfurt (Sonntag, 13. März, 13.30 Uhr) zu Gast ist. Aller Voraussicht nach auf so grünem Rasen, wie man ihn eigentlich auch für diesen Abend vorgesehen hatte.

 

Dirk Rohde