Stanko: "Ich bin sehr dankbar"

Wer auf der Instagram-Seite von Caleb Stanko (24) vorbeischaut, findet dort einen Verweis auf ein Bibelzitat. „Alles, was Ihr tut, das tut von Herzen und für Gott", heißt es sinngemäß. Was es damit auf sich hat? Darüber und über einiges mehr spricht der US-Amerikaner zehn Tage nach seinem Startelf-Debüt in der Bundesliga gegen den FC Schalke 04 im Interview der Woche.  

 

Caleb, was bedeutet Dir dieser Vers 3,23 im Buch der Kolosser?

 

Ich bin sehr gläubig und davon überzeugt, dass ich in erster Linie nicht für mich alleine arbeite, sondern für Gott. Und dass ich gerade deshalb jeden Tag aufs Neue mein Bestes geben will.

 

Sportlich hattest Du in den vergangenen Jahren immer wieder Rückschläge zu verkraften. Wie oft hast Du in dieser Zeit an dem Satz gezweifelt?

 

Natürlich gab es diese Momente. Als ich mich im Jahr 2014 schwer verletzt habe, war ich ungefähr drei Tage lang richtig schlecht gelaunt und sehr traurig. Danach habe ich den Blick aber sofort darauf gerichtet, wieder völlig fit zu werden und immer daran geglaubt, dass ich das auch schaffe. Wirklich gehadert habe ich nie. Ich habe das Glück, Profi-Fußballer zu sein. Dafür war und bin ich sehr dankbar. Und wenn man Woche für Woche und Jahr um Jahr hart arbeitet, erreicht man seine Träume auch. Das hat mein Debüt ja gezeigt.

 

Nach sechseinhalb Jahren im Verein hast Du im Heimspiel gegen Schalke Deine Bundesliga-Premiere über 90 Minuten gehabt. Wie hat sich das für Dich angefühlt?

 

Ganz ehrlich? An dem Tag selbst habe ich mich nur auf das Spiel fokussiert. Ich wollte einfach eine gute Leistung abliefern, ohne mir großen Druck zu machen. Mit ein, zwei Tagen Abstand hatte ich dann aber schon diesen Wow-Moment, in dem ich dachte: 'Du hast Dein großes Ziel erreicht.' Wobei es für mich damit nicht vorbei ist. Ich habe mir gleich nach der Partie neue Ziele gesteckt, ich möchte beim SC weiter eine Rolle spielen, die der Mannschaft hilft.

 

Dass Dir der SC sehr am Herzen liegt, merkt man auch daran, dass Du Dir mit Ryan Kent sehr viel Mühe gibst, für ihn oft übersetzt und ihm das Ankommen im Sommer leicht gemacht hast.

 

Die Situation von Ryan konnte ich sehr gut nachvollziehen. Als ich nach Deutschland und zum SC gekommen bin, war ich 17, konnte auch kein Wort Deutsch. Weil ich weiß, dass es nicht immer ganz einfach ist, sich zurechtzufinden, wollte ich ihn unterstützen. Alleine Kleinigkeiten wie 'Wo gibt es Essen?' und 'Wann findet das nächste Training statt?' sind in den ersten Tagen nicht selbstverständlich. 

 

Und wie würdest Du Deine Position auf dem Platz nennen?

 

Da würde ich mich als Allrounder beschreiben. Ich kann auf der Sechs, in der Innenverteidigung und rechts spielen. Außerdem kann ich ein Leader sein. Und ich motiviere gerne die anderen Spieler. Das sind meine Stärken, würde ich sagen.

 

Am Samstag (ab 15:30 Uhr, im Liveticker auf www.scfreiburg.com und auf Sky) wartet der VfL Wolfsburg. Was braucht es da, damit der erste Auswärtssieg gelingt?

 

Wir wissen, dass wir bisher auswärts oft nicht so gut gespielt haben, aber wir kennen auch die Lage in Wolfsburg. Der VfL hat eindeutig mehr Druck als wir - und das könnte unser Vorteil sein. Ich bin sicher, dass wir dort punkten können.

 

Çağlar Söyüncü wird nach abgesessener Rotsperre wieder spielberechtigt sein. Wie siehst Du Deine Chancen, nochmal von Beginn an auf dem Platz zu stehen?

 

Das ist schwierig abzuschätzen. Wir haben gegen Schalke gut gespielt, uns viele Chancen erarbeitet und wenig zugelassen. Nur: Wir haben eben auch verloren. Ich kann es nicht sagen, aber ich sage mir jede Woche: 'Heute spiele ich.'

 

Zu den Highlights Deiner Karriere zählt das WM-Qualifikationsspiel gegen Trinidad und Tobago vor rund einem Jahr, bei dem Dich der damalige US-Trainer Jürgen Klinsmann eingesetzt hat. Wie sehr bist Du noch mit den USA verbunden?

 

Sehr. Das ist immer noch meine Heimat. Das US-Team befindet sich nach der verpassten WM-Qualifikation im Umbruch. Ja, es stimmt, ich habe meine Chance damals bekommen und ich habe sie genutzt. Und ich glaube fest daran, dass ich wieder meine Chance kriegen werde.

 

Dein Deutsch ist fast perfekt, man hört kaum mehr einen Akzent. Wie deutsch bist Du mittlerweile?

 

Die guten deutschen Dinge habe ich zu hundert Prozent und gerne angenommen. Nehmen wir nur mal das Essen. In den USA kannst Du nicht einfach in ein Restaurant gehen und erwarten, dass Du für wenig Geld gesund isst. Das ist in Deuschland besser. In Freiburg ganz besonders. Dass Freiburg grün ist, finde ich cool.  

 

Gibt es trotzdem etwas, woran Du Dich in Deutschland noch heute nicht gewöhnt hast?

 

Wir haben in den USA natürlich viele Probleme, aber schon auch einige gute Sachen. Ich komme eigentlich vom Land und diese Freiheit, die wir dort haben, die vermisse ich schon ein bisschen. Wir können fast alles machen, was wir wollen. Bei uns in Michigan gibt es zum Beispiel viele Seen und wir gehen öfter mal angeln. Hier ist das nicht so leicht. Hier braucht man für alles eine Lizenz (grinst)

 

Interview: Sina Ojo