Spielend angekommen

Beim vom SC Freiburg mitinitiierten „Freunde-statt-Fremde“-Training lernten sich der Student Fridolin Wernick, 27, und der syrische Flüchtling Yazan Hoshmi, 25, kennen. Heute spielen sie gemeinsam in der Zweiten Mannschaft des FC Freiburg-St. Georgen – und sind sogar WG-Kumpels geworden.   

 

 

Herr Wernick, Sie waren einer der Trainer beim „Freunde-statt-Fremde“-Programm. Welche Idee steckt dahinter?

 

Fridolin Wernick: Am Anfang geht es gar nicht so sehr darum, den Leuten etwas beizubringen. Sport ist einfach eine sehr gute Möglichkeit, um anzukommen. Die soziale Komponente spielt eine große Rolle, es wird nicht nur einmal wöchentlich trainiert, auch Ausflüge oder Grillabende gibt es mal. Die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, sehen, wie ein Fußballtraining in Deutschland abläuft und lernen ein paar neue Begriffe. Wenn sie dann mal in einer richtigen Vereinsmannschaft kicken wollen, fällt ihnen die Integration hoffentlich leichter.

 

In diesem Rahmen haben Sie beide sich dann kennengelernt?

 

Wernick: Genau. Yazan ist mir dabei sofort aufgefallen, weil er durch seine fußballerischen Fähigkeiten herausstach.

 

Yazan Hoshmi: Im Sozialbüro des Flüchtlingswohnheims hatte ich vom „Freunde-statt-Fremde“-Training erfahren, aber davor ungefähr fünf Jahre lang nicht mehr wirklich Fußball gespielt. Also dachte ich mir, dass das genau das Richtige sein könnte, um wieder anzufangen. Und weil auch ältere und jüngere Spieler dabei waren, war es auch nicht ganz so anstrengend, wie ich es von meinem Verein in Syrien gewohnt war (grinst).

 

Deutlich anstrengender dürfte es dann wieder geworden sein, als Sie den Schritt zurück in den Vereinsfußball gemacht haben.

 

Hoshmi: Natürlich, aber nach vier Monaten im Training, habe ich mich gut genug in Form gefühlt, um mich dem SV Solvay Freiburg anzuschließen.

 

Wernick: Ins „Freunde-statt-Fremde“-Training ist er zunächst trotzdem noch gekommen. Was mich sehr gefreut hat, weil es nicht selbstverständlich ist, wenn die Saison im Verein schon begonnen hat und man auch dort viel trainieren muss.

 

Hoshmi: Ich habe das Training einfach als sehr hilfreich empfunden, um Kontakte aufzubauen und neue Leute kennen zu lernen. Für mich war es der erste Schritt, um einen Einblick in die deutsche Gesellschaft zu erhalten und mich für all das Neue hier offener zu machen. Außerdem war es eine Möglichkeit, meine sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern. Viele der Jungs von damals spielen heute bei verschiedenen Vereinen in und um Freiburg.

 

Ist das Programm also tatsächlich eine Möglichkeit, über den Fußball leichter in der deutschen Gesellschaft anzukommen?

 

Hoshmi: Ich bin mir sicher, dass es Leuten, die aus dem Krieg kommen, hilft, Stress abzubauen. Viele tun sich auch schwer, weil sie alleine hier sind. Da können die sozialen Kontakte durch den Sport helfen.

 

Wernick: Sport kann in diesen Dingen sogar eine wirklich wichtige Rolle spielen – und das nicht nur für Menschen aus dem Ausland. Ich selbst bin da ein gutes Beispiel. Als ich nach meinem Bachelor aus Passau nach Freiburg kam, habe ich sofort versucht, über einen Sportverein Anschluss zu finden. In meiner Mannschaft beim FC Freiburg-St. Georgen spielen beispielsweise Kfz-Mechaniker, Rettungssanitäter und Feuerwehrmänner zusammen mit Studenten wie mir. Das sind ganz verschiedene Hintergründe und das hilft einem auch, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

 

Hoshmi: Ich sehe das genauso. Beim SV Solvay habe ich auch mit Spielern aus vielen verschiedenen Ländern zusammengespielt. Es gab nicht nur Deutsche, sondern unter anderem auch Franzosen, Afrikaner, Bosnier oder Serben. Ich fand das großartig.

Heute sind Sie beide fußballerisch wiedervereint.

 

Wernick: Zum Glück (lacht). Ich bin momentan in St. Georgen Spielertrainer bei der Zweiten Mannschaft. Mein allererster Anruf als Trainer ging gleich an Yazan. Ganz einfach, weil ich weiß, was für ein guter Spieler und cooler Typ er ist. Wir wohnen inzwischen sogar gemeinsam in einer WG. Es läuft ganz gut: Yazan hat bei uns derzeit eine Quote von einem Tor pro Spiel.

 

Nun ist seine Geschichte ein Idealfall, der so wahrscheinlich nicht allzu oft vorkommt?

 

Wernick: Das stimmt. Die Eigenmotivation spielt meiner Meinung nach grundsätzlich eine sehr große Rolle. Von Yazan ist sehr viel selbst ausgegangen. Wir als Trainer und alle, die sich für Flüchtlinge engagieren, können nur Hilfe anbieten und für jeden dieselben Möglichkeiten schaffen. Aber am Ende kann man auch nicht von jedem erwarten, dass er das im gleichen Maße annimmt. Bei Yazan hat mich das sehr beeindruckt. Er hat beispielsweise in nur eineinhalb Jahren die höchste Deutschprüfung bestanden – so etwas geht nur mit großem Fleiß.

 

Hoshmi: Ich versuche jetzt auch Landsleuten und anderen Flüchtlingen beim Deutsch lernen zu helfen. Meinen zwei kleinen Brüdern habe ich geraten, ebenfalls Fußball oder Basketball in einem Verein zu spielen, um die deutsche Sprache schneller zu lernen. Die Sprache ist meiner Meinung nach der wichtigste Schlüssel, um anzukommen.

 

Haben Sie das Gefühl, dass genug getan wird, um Flüchtlingen dieses Ankommen zu erleichtern? Hoshmi: Ich kann natürlich nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Aber ich finde, dass es viele Veranstaltungen gibt, die uns helfen sollen. Auch die Menschen in Freiburg habe ich gleich von Beginn an als sehr hilfsbereit empfunden. Deshalb möchte ich diese Möglichkeit nutzen, um danke zu sagen an Frido und alle anderen, die sich engagieren. Ich spüre ja, wieviel Mühe die Leute sich geben und wieviel Zeit sie opfern. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Fridolin Wernick 27, studiert in Freiburg im Master Politik. Bis vor kur-zem war er einer der „Freunde-statt-Fremde“-Trainer, aktuell ist er Spielertrainer beim FC Freiburg-St. Georgen II.

 

Yazan Hoshmi 25, kam 2015 aus Syrien nach Deutschland. Er hofft, im Sommer -semester ein Grundschullehr-amts-Studium an der Pädagogischen Hochschule beginnen zu können.

 

Interview: Jawin Schell

 

Freunde statt Fremde…

... ist das Motto, unter dem der SC Freiburg seit 2009 Aktionen versammelt und Projekte unterstützt, die sich für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen und sich gegen Diskriminierung wen-den. Im Rahmen dieses gesellschaftlichen Engagements unter dem Motto „SC Freiburg – mehr als Fußball“ bietet der SC Freiburg mit dem Polizei-Sportverein Freiburg und der Stadt Freiburg seit November 2015 ein wöchentliches Fußballtraining für Geflüchtete in Freiburg an. Dieses „Freunde statt Fremde“-Training ist Teil des „Willkommen im Fußball"-Bündnisses Freiburg, dem die Step-Stiftung, der SC Freiburg, die Stadt Freiburg und der Polizei-Sportverein Freiburg angehören. Die Step-Stiftung bietet das wöchentliche „kick for refugees"-Fußballtraining für Mädchen und Jungs mit Fluchthintergrund unter 16 Jahren im Freiburger Stadtteil Stühlinger an. Ziel beider Trainingsgruppen ist es, den Teilnehmern über den Spaß am Fußball spielerisch die deutsche Sprache näherzubringen und ihnen so die Integration in die deutsche Gesellschaft zu erleichtern. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Fußball-übungen immer wieder mit Spracheinheiten verknüpft. Geleitet und vorbereitet wird das „Freunde-statt-Fremde“-Training vom SC Freiburg.