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"Ich spiele da, wo ich gebraucht werde!"

 

Rebecca Knaak wechselte im Sommer von Bayer Leverkusen zum Sport-Club. Im Gespräch mit scfreiburg.com spricht die 21-jährige Defensivspielerin über ihre bevorzugte Position, ihre Ziele mit dem Sport-Club und über weniger gute Erinnerungen ans Möslestadion.

 

Du bist jetzt seit sechs Wochen beim Sport-Club. Wie sind deine ersten Eindrücke?

Rundum positiv. Ich habe mich vom ersten Tag an in der Mannschaft absolut wohlgefühlt, es herrscht eine tolle Atmosphäre. Mir wurde vorher von vielen gesagt, wie schön es in Freiburg ist, das hat sich bestätigt. Es ist wirklich alles super!

 

Mit 21 Jahren bist du noch sehr jung, kannst aber trotzdem bereits 68 Bundesligaspiele vorweisen, bist U20-Weltmeisterin und warst auch schon einmal für die A-Nationalmannschaft nominiert. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Verlauf deiner Karriere?

Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Es hat alles immer gut funktioniert und meine Entwicklung ist denke ich gut vorangeschritten. Jetzt bin ich mit meinem nächsten Schritt in Freiburg angelangt und hoffe, dass es hier so gut weiterläuft.

 

Du bist in Adenau in Rheinland-Pfalz geboren und hast deine Karriere beim SC Bad Neuenahr begonnen. Von dort bist du zu Bayer Leverkusen gewechselt. Nun der Schritt nach Freiburg. War das von Anfang an dein Karriereplan?

Einen Karriereplan gab es nicht wirklich. Ich habe anfangs beim SV Reifferscheid mit den Jungs gespielt, bin dann nach Bad Neuenahr. Natürlich hatte ich dort das Ziel, es in die Bundesligamannschaft zu schaffen, gerade weil man ja auch die Spielerinnen kannte und immer wieder vor Augen hatte. Als ich es dann geschafft hatte, wollte ich auch gerne in Bad Neunahr bleiben, was durch die Insolvenz des Vereins leider nicht möglich war. Also bin ich zu Bayer Leverkusen gewechselt und habe mich auch dort sehr wohlgefühlt. Dahinter steckte aber nie ein Plan, ich wusste nie schon lange vorher, wohin ich wann wechseln will. Ich habe einfach von Jahr zu Jahr geschaut. In der letzten Saison hat sich dann früh abgezeichnet, dass ich etwas Neues und einen anderen Verein kennenlernen will. Da kam das Angebot aus Freiburg genau richtig. Nach einigen Abstimmungen haben beide Seiten gemerkt, dass es gut passen könnte und wir haben den Wechsel relativ schnell finalisiert.

 

Warum war für dich klar, mit dem Schritt nach Freiburg das Richtige zu tun?

Gerade die letzte Saison mit dem erneuten vierten Platz war sehr gute Werbung für den Sport-Club. Zudem war ich vom Freiburger Spielstil begeistert und ich kannte auch schon einige der Spielerinnen. Mein Eindruck war der einer jungen Mannschaft, die aber bereits die nötige Erfahrung gesammelt hat und deren Entwicklung steil nach oben geht. Ich glaube, dass ich gut zu dieser Mannschaft passen kann und will diese Entwicklung mitgehen. Darüberhinaus bin ich eine Spielerin, die ein soziales Umfeld braucht. Dieses finde ich hier mit der familiären Atmosphäre vor. Darin hoffe ich mich bestmöglich weiterentwickeln zu können.

 

Du hast es angesprochen. Mit Lina Magull, Lena Petermann oder Carolin Simon kanntest du bereits einige Spielerinnen. Hat dir das den Einstieg erleichtert?

Es war eine gute Möglichkeit, sich bereits im Vorfeld ein Bild zu machen. Wie sind die Abläufe und Trainingszeiten, wie schwierig ist die Wohnungssuche. Für solche Fragen hatte ich Ansprechpartner, das macht es natürlich leichter. Zum Trainingsstart selbst waren die mir bekannten Gesichter dann nicht anwesend. Da es aber auch mit den Spielerinnen, die ich noch nicht kannte, von Anfang an überhaupt keine Probleme gab, hat der Einstieg trotzdem schnell und einfach funktioniert. Ich wurde super aufgenommen.

 

Haben sich deine Erwartungen an die Mannschaft und die Atmosphäre bestätigt?

Auf jeden Fall. Es herrschen ein sehr guter Zusammenhalt und ein hohes spielerisches Niveau.

 

Nach sechs Wochen Vorbereitung. Wie schätzt du deine neue Mannschaft ein?

Wir haben einen sehr guten Kader, in dem auf jeder Position ein gesunder Konkurrenzkampf herrscht, was genau so gewollt ist und zur Entwicklung jeder einzelnen Spielerin beiträgt. Genau darum ging es mir ja. Ich muss mich in jedem Training neu beweisen und den Konkurrenzkampf annehmen. Es geht nicht darum zu sagen, ich will jetzt unbedingt auf dieser Position spielen und bin beleidigt, wenn ich nicht auf dem Platz stehe. Im Vordegrund stehen immer das Team und der Zusammenhalt.

 

Welche Stärken kannst du in das Team einbringen?

Ich würde meine Übersicht und das Passspiel zu meinen Stärken zählen. Ich bevorzuge einen ruhigen Spielaufbau und denke, dass ich meine Mitspielerinnen dabei gut in Szene setzen kann. Zudem möchte ich gerne meine Kopballstärke einbringen.

 

Du kannst sowohl auf der Sechs als auch in der Innenverteidigung spielen. Welche Position bervozugst du?

Da lege ich mich nicht fest. Ich wurde schon oft gefragt, welche Position mir mehr Spaß macht. Früher habe ich die Sechs bevorzugt, mittlerweile hat es sich aber total ausgeglichen und es ist mir egal. Ich spiele auf der Position, auf der ich gebraucht werde.

 

Ist es vielleicht sogar ein Vorteil, zwei Positionen spielen zu können?

Wir haben im Kader einige Spielerinnen, die flexibel einsetzbar sind. Das ermöglicht es uns auch, verschiedene Systeme spielen zu können, was auf jeden Fall von Vorteil ist.

In welchen Bereichen siehst du bei dir noch Steigerungspotenzial?

Ich arbeite schon immer an meiner fehlenden Schnelligkeit, damit bin ich nicht gerade gesegnet (lacht). Verbessern will ich mich aber auch in meinem Zweikampfverhalten, um damit in manchen Situationen meine fehlende Schnelligkeit ein wenig auszugleichen. Generell erhoffe ich mir durch das höhere Trainingsniveau eine Steigerung in vielen Bereichen.

 

Daran arbeiten kannst du derzeit auch im Trainingslager. Wie bewertest du die Bedingungen in Elbigenalp?

Wir haben hier ideale Bedingungen. Das Training vor Alpenpanorama ist schon etwas Besonderes. Wir genießen es, in Ruhe intensiv arbeiten zu können. Zudem kommt uns der späte Zeitpunkt entgegen, da wir so alle Spielerinnen dabei haben und mit dem gesamten Kader im taktisch-technischen Bereich arbeiten können.

 

Die Ausdauerläufe könnt ihr euch auch sparen?

Auch diese Läufe haben ja ihre Berechtigung, die haben wir nur einfach schon hinter uns, das ist natürlich ein Vorteil (lacht). Aber wir arbeiten auch hier viel im athletischen Bereich.

 

Und der Besuch der Allianz-Frauen-Bundesliga-Clubtour ist dann eine willkommene Abwechslung zum Trainingsalltag?

Es ist auf jeden Fall mit viel Spaß verbunden, innerhalb der Mannschaft herrscht eine gute Stimmung. Natürlich ist es ein langer Tag, wenn im Anschluss noch eine Einheit auf dem Programm steht, aber insgesamt ist es eine spaßige Sache. 

 

Wie weit siehst du die Mannschaft in ihrer Entwicklung?

Ich sehe es als großen Vorteil, dass wir nur wenige Neuzugänge integrieren müssen, auf viele vorhandene Strukturen zurückgreifen und darauf aufbauen können. Wir sind auf einem guten Weg und wollen in der restlichen Zeit bis zum Saisonstart an den Feinheiten arbeiten.

 

Wie schwierig ist es für die Neuzugänge sich in die vorhandenen Strukturen einzufinden?

Nicht schwer. Wir bekommen von allen Seiten Unterstützung und es gibt auch keine Trennung zwischen den „Neuen" und den „Alten". Zudem sind wir alle sehr flexibel, auch das macht es einfacher, sich zu integrieren. Nicht zuletzt helfen uns natürlich die erfahrenen Spielerinnen sehr.

 

Mit welchen Zielen gehst du in die Saison?

Ich möchte mich so schnell es geht in der Mannschaft einfinden und möglichst viel Spielzeit sammeln. Wenn das funktioniert, erhoffe ich mir für mich persönlich einen weiteren Schritt nach vorne. Mit der Mannschaft wollen wir versuchen, die Leistung aus der vergangenen Saison zu bestätigen, mindestens genau so gut abzuschneiden. Wenn wir dann wieder 47 Punkte schaffen sollten, werden wir am Ende sehen, wozu es reicht.

 

Zum Saisonstart treffen wir auf den MSV Duisburg. Deine Einschätzung?

Duisburg ist auf jeden Fall ein sehr unangenehmer Gegner, der versucht, über Zweikämpfe ins Spiel zu kommen und auf ein schnelles Umschaltspiel setzt. Für uns sollte es ein Vorteil sein, zuhause im gewohnten Umfeld zu spielen.

 

Du selbst hast ans Möslestadion vermutlich eher weniger gute Erinnerungen?

Meine bisherigen Auswärtsspiele im Mösle waren meist tatsächlich wenig erfolgreich (lacht). Umso mehr freue ich mich, dass es nun mein Heimstadion ist und ich hier hoffentlich viele Erfolgserlebnisse feiern darf. Am Anfang wird es vermutlich noch ein wenig ungewohnt sein, aber ich freue mich total darauf, das erste Mal hier vor unseren Fans zu spielen.

 

Ein Jahr vor deinem Wechsel zum Sport-Club, ist Carolin Simon den Weg von Bayer nach Freiburg gegangen. Diesen Sommer hat sie die Europameisterschaft gespielt. Kann ihre Entwicklung ein Vorbild für dich sein?

Die Nationalmannschaft ist derzeit noch eher unrealistisch. Aber natürlich erhoffe ich mir durch das höhere Trainingsniveau auch eine persönliche Weiterentwicklung. Wohin der Weg dann führt, wird man sehen. Ich bin da aber entspannt und habe wie bereits gesagt keinen Karriereplan, auch, um nicht zu verkrampfen. Jetzt will ich erstmal beim Sport-Club Fuß fassen und Gas geben.

 

Interview: Felix Scharte