Entweder Profi oder Landwirt

Jeder Klub hat seine Kultfiguren. Vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln kommt eine dieser Legenden des kommenden SC-Gegners zu Wort: Stephan Engels. Der heute 57-Jährige spielte in der Jugend und von 1978 bis 1989 als Profi beim 1. FC Köln, mit dem er 1983 DFB-Pokalsieger und zweimal Vizemeister wurde. Später war er für den Verein auch als Trainer, Funktionär und Scout tätig und ist heute unter anderem Spielerberater.

 

 

Herr Engels, Sie kommen aus Mondorf, einem Ort knapp 25 Kilometer von Köln entfernt. Wie kamen Sie zum Fußball?

 

Stephan Engels: Gekickt haben wir auf den Wiesen meines elterlichen Bauernhofs. Mit sechs ging ich in den heimischen Fußballverein. Später spielte ich in der Kreisauswahl, in der westdeutschen Auswahl und der Schülernationalmannschaft. 1976 bin ich dann mit 16 Jahren zum 1. FC Köln gewechselt.

 


War Ihnen klar, dass Fußballer Ihr Beruf werden würde?

 

Für mich stand das fest. Entweder Profi oder ich würde den Hof der Eltern übernehmen. Die Landwirtschaft hat mir auch Spaß gemacht.

 

 

Zum Glück für die Kölner Fans haben Sie sich für den Fußball entschieden und wurden schon mit 18 Jahren Profi in Köln.

 

Bis vor wenigen Jahren war ich der jüngste Spieler, der beim FC als Profi begann. Dann hat mich „Mitch" Weiser abgelöst. Der war noch ein paar Monate jünger als er anfing.

 


Wie kamen Sie als blutjunger Spieler mit der Trainerlegende Hennes Weisweiler zurecht, der damals Ihr Coach war?

 

Er war der prägendste Trainer in meiner Karriere. Nicht nur, weil er mein erster im Profifußball war, sondern weil er immer viel mit uns jungen Spielern geredet hat.

 


Und die ganzen Haudegen im Kader? Also Spieler wie Tony Woodcock, Bernd Cullmann, Toni Schumacher oder Rainer Bonhof - beeindruckten die einen jungen Kerl nicht zu arg?

 

Im Gegenteil, du konntest in jedem Training etwas lernen. Ich habe immer versucht, mir von den Älteren etwas abzuschauen.

 

 

Sie kamen in dem Jahr als der FC das Double geholt hatte, Meister und Pokalsieger geworden war. Hatten Sie keine Sorge, dass die Erwartungen an die Mannschaft zu hoch wurden?

 

Nein, denn der FC war in der Zeit eigentlich immer unten den ersten fünf Teams der Liga. Von daher war mir klar, dass ich einem Verein spielte, der eher oben in der Tabelle rangieren würde.

 

 

Trotz der Konkurrenz wurden Sie auf Anhieb Stammspieler?

 

Das ging tatsächlich schnell. Ich kann mich an ein Spiel in Bielefeld erinnern, da saßen mit Tony Woodcock, Klaus Fischer, Bernd Cullmann und dem Schweizer René Botteron vier gestandene Spieler auf der Bank und wir Jungen spielten. Das war aber auch für die okay, denn sie wussten, dass sie in jedem Training die Chance hatten, sich wieder aufzudrängen. Wir hatten viel kleinere Kader damals, da kam jeder zu seinen Einsätzen.

 

 

Was war Ihre Position?

 

Ich habe im offensiven Mittelfeld begonnen und später immer im Wechsel, je nach taktischer Vorgabe, auch defensiv gespielt. Und da ich beidfüßig bin, konnte ich links und rechts auf der Seite spielen.

 


Ihr erstes Pokalfinale gegen Düsseldorf haben Sie verletzt verpasst, gegen den Rivalen Fortuna Köln waren Sie dabei. Als haushoher Favorit gewannen Sie nur mühsam?

 

Mit 1:0, ja. Wir hatten eine schlechte Form bei diesem Endspiel und haben wirklich nur mit Ach und Krach gewonnen. Aber letztendlich steht halt jetzt „Pokalsieger 1983 1. FC Köln" auf dem Pokal. Am Ende zählt nur das.

 

 

Das Finale fand auch noch in Köln statt.

 

Im alten Müngersdorfer Stadion. Das hatte es vorher noch nie gegeben, dass zwei Ortsrivalen im Endspiel gegeneinander antraten.

 

 

Ihre Leistungen waren so ansprechend, dass Sie in den Kreis der Nationalmannschaft rutschten.

 

Ich bestritt acht Länderspiele nacheinander, riss mir dann aber in der Vorbereitung auf die neue Saison das Kreuzband.

 

 

Was damals ungleich schwerer auszukurieren war als heute?

 

Definitiv. Ich hatte dann noch einmal dieselbe Verletzung, habe es aber trotz aller Zweifel geschafft, zurückzukommen. Ich wurde unter Christoph Daum sogar FC-Kapitän. Insgesamt bin ich trotz meiner Verletzungen ungefähr 350 Mal für Köln aufgelaufen.

 


Und Sie sind seit nunmehr 40 Jahren als Spieler, Trainer, Funktionär oder Scout mit dem Klub verbunden?

 

Ich spielte auch noch ein halbes Jahr bei Fortuna, aber es gibt zwei Vereine in meinem Leben: Den TuS Mondorf, dessen Präsident ich bin und den 1. FC Köln.

 


Interview: Carmelo Policicchio