"Cool im Kopf bleiben"

Mit einem öffentlichen Training am Schwarzwald-Stadion hat der Sport-Club am Dienstagvormittag mit der Vorbereitung auf den 4. Spieltag begonnen. Vor dem Duell bei Bayer Leverkusen am Sonntag ab 15:30 Uhr blickt SC-Rückkehrer Tim Kleindienst (22) im Interview der Woche voraus - und zurück auf den Punktgewinn vom vergangenen Samstag.

 

Tim, wie bewertest Du mit etwas Abstand das 0:0 gegen Borussia Dortmund?  

 

Wir haben super angefangen und Dortmund wohl auch etwas damit überrascht, dass wir sie gleich unter Druck gesetzt haben. Mit der Roten Karte für Yoric Ravet nach einer halben Stunde mussten wir dann erstmal zurechtkommen. Insgesamt haben wir aber auch das gut gelöst und bis zur letzten Minute unser Tor verteidigt. Deshalb waren wir mit dem 0:0 alle zufrieden.

 

Du hattest in Hälfte eins die beste SC-Möglichkeit des Spiels. Wie sehr haderst Du noch?

 

Natürlich habe ich darüber noch etwas nachgedacht: Ich stand alleine vor dem BVB-Torhüter, auf so eine Riesenchance wartet doch jeder Stürmer. Die hätte ich machen müssen, ganz klar. Aber ich kann es nicht mehr ändern, Absicht war es auch keine - und am Ende des Tages haben wir das Spiel ja nicht verloren.  

 

Im ersten Spiel gegen Frankfurt warst Du in der Startelf, in Leipzig nicht im Kader und jetzt zuletzt durftest Du wieder von Beginn an spielen. Wie empfindest Du den Konkurrenzkampf?

 

Die Herausforderung, die man meistern muss, ist: Cool im Kopf bleiben. Am Ende des Tages darf mich das nicht zu sehr beschäftigen, sondern ich muss es akzeptieren. Schließlich wissen wir doch alle, dass die Trainer jedes Mal versuchen, die Aufstellung zu finden, mit der wir als Team erfolgreich sind.

 

Erhöht dieser interne Wettbewerb sogar die Motivation?

 

Klar. Man möchte zeigen, dass man im letzten Spiel zu Recht auf dem Platz stand und gibt im Training weiter Vollgas. Abgesehen davon, gehört es aber dazu, dass auch mal rotiert wird. Alleine schon, um Verletzungen zu vermeiden, ist das vielleicht gar nicht verkehrt. Das sieht man auch bei den größeren Klubs wie Bayern und Dortmund.

 

Du bist nach einer Saison bei Zweitligist Heidenheim im Sommer zum SC zurückgekehrt. Wie sehr musstest Du Dich wieder einleben?

 

Der einzig große Unterschied in Freiburg ist die Spielweise. Dieses Kurzpassspiel ist bei Heidenheim nicht so ausgeprägt. Dort haben wir öfter auch mal den Weg über den zweiten Ball genommen. Was das Umfeld anging, musste ich mich nicht groß umstellen. Die meisten Spieler und Trainer kannte ich noch. Das hat es mir brutal leicht gemacht, mich wieder hier einzuleben.

 

Mit dem Sport-Club erwartet Euch als nächstes Leverkusen. Welche Erkenntnisse aus dem BVB-Spiel könnt Ihr mitnehmen?

 

Auch wenn Leverkusen vermutlich nicht in dem gleichen System auftreten wird wie der BVB und auch andere Spielertypen hat: Für uns wird es wieder darum gehen, diesen unbedingten Willen, das Tor zu verteidigen, an den Tag zu legen. Vielleicht treffen wir dann auch einfach mal in den Situationen, in denen wir bisher nicht getroffen haben und gehen als Sieger vom Platz.

 

Leverkusen hat mit einem Remis und zwei Niederlagen keinen Saisonstart nach Maß erwischt. Mit welcher Einstellung geht Ihr nach Leverkusen?

 

Wir glauben sicher nicht, dass wir in Leverkusen Favorit sein werden. Jeder weiß, wie Leverkusen in den letzten Jahren Fußball gespielt hat, und auch wenn man die bisherigen Spiele dieses Jahr gesehen hat, war Bayer nicht immer die schlechtere Mannschaft. Sie hatten nur viel Pech, dass sie die Tore in den richtigen Momenten nicht geschossen und deshalb diese Nackenschläge bekommen haben. Wir müssen uns auf bestmögliche Leverkusener gefasst machen. Das ist keine Mannschaft, die gegen den Abstieg, sondern in Richtung Europa spielt. Genau das muss bei uns im Kopf sein.

 

Interview: Sina Ojo