Jetzt den Newsletter abonnieren!

Bleiben Sie auf dem Laufenden:

Wir geben Ihre Daten selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Abmelden jederzeit möglich.

  1. Newsletter
  2. Facebook
  3. Instagram
  4. Twitter

Birgit Bauer im Interview

 

„An einen Einbruch glaube ich nicht!“

Pünktlich zum Trainingsauftakt im Jahr 2018 blickt SC-Managerin Birgit Bauer im Gespräch mit scfreiburg.com noch einmal auf ein für die Frauen- und Mädchenabteilung des Sport-Clubs erfolgreiches Jahr 2017 zurück.

 

Vor einem Jahr äußerten Sie den Wunsch, auch im Jahr 2017 einen Schritt nach dem anderen nach vorne zu machen. Ist das gelungen?

Wenn man die Entwicklung sieht, die die Mannschaft nimmt, dann ist das mehr als gelungen. Wir haben bereits letztes Jahr tollen Fußball gespielt. Dennoch erkennt man immer besser die Handschrift des Trainers, was natürlich auch daran liegt, dass der Kader immer mehr seinen Vorstellungen entspricht und die Spielerinnen seine Ideen immer besser umsetzen. Eine Weiterentwicklung erkennt man auch daran, dass die Mannschaft immer konstanter und stabiler auftritt. Ich sage es immer wieder gerne, es macht mir großen Spaß, diese Entwicklung mitzuerleben.

 

Die Frauen- und Mädchenabteilung blickt erneut auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Welcher Erfolg ist Ihnen der wichtigste?

Da will ich überhaupt keine Rangfolge festlegen oder etwas hervorheben. Mir geht es vielmehr um die Gesamtentwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs beim Sport-Club. Die ist rundum positiv. Das geht bei der U15 los, die sich unter wirklich schwierigen Bedingungen großartig schlägt gegen die Jungs in der C-Junioren-Kreisliga. Weiter geht es mit der U17, die nach der Hinrunde Tabellenführer ist. Die Zweite Mannschaft spielt in der Zweiten Bundesliga, in der Bundesliga spielen wir oben mit. Wir stellen mittlerweile sechs Spielerinnen in der deutschen Nationalmannschaft. Wir schaffen es, Spielerinnen einen Tick besser zu machen und sie weiter zu entwickeln. Das ist für mich der größte Erfolg!

 

Überwiegt dabei die Freude, dass die Spielerinnen sich hier zu Nationalspielerinnen entwickeln können oder doch eher die Angst, dass sie noch mehr im Fokus stehen und größere Vereine aufmerksam werden?

Das ist natürlich Fluch und Segen zugleich. Ich freue mich für jede Einzelne, die in der Nationalmannschaft spielen darf. Sie präsentieren dadurch ja auch den Sport-Club, werben für uns und unseren Weg. Das ist durchweg positiv. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Vereine, die uns finanziell überlegen sind. Wenn diese auf unsere Spielerinnen aufmerksam werden, kann es passieren, dass die eine oder andere sich verändern will. Allerdings wissen die Mädels schon gut, was sie hier bei uns haben.

 

Was wäre das?

Heimat! Man kann sich in Freiburg in einem familiären Umfeld rundum wohlfühlen und unter guten und immer professionelleren Bedingungen in Ruhe entwickeln. Wir haben einen tollen Trainer, eine tolle Mannschaft, gute Strukturen. Wie wir hier arbeiten ist schon besonders, das familiäre ist keine Floskel. Das geht beim Busfahrer los und hört beim Trainer auf. Wie viele Menschen hier mit Herzblut und großem Engagement dabei sind, ohne dabei große Summen zu verdienen, das ist außergewöhlich. Und dafür bin ich allen wirklich dankbar. Anders wäre unser momentaner Erfolg überhaupt nicht möglich.

 

Welchen Weg können Spielerinnen in Freiburg gehen?

Nehmen wir Laura Benkarth. Ihren Weg und ihre Entwicklung sehe ich als beispielhaft an für das, was eine Spielerin beim Sport-Club erreichen kann. Mit Klara Bühl wächst gerade die nächste Spielerin heran, die den Weg von Laura gehen kann. Ein anderes Beispiel ist Lina Magull. Als sie zu uns kam, war sie bereits ein großes Talent, steckte aber ein wenig in der Sackgasse und hatte beim VfL Wolfsburg kaum Einsatzzeiten. Schauen Sie sich an, wo sie heute steht. Sie ist eine Stütze unserer Mannschaft und mit ihrer Entwicklung noch lange nicht am Ende angekommen. Auch dieser Weg kann beispielhaft sein für andere.

 

Selbst bei Abgängen müsste einem mit Blick auf die Tabelle der U17-Junorinnen-Bundesliga aber nicht bange sein, oder?

Mittlerweile haben wir ja einiges an Erfahrungen mit Abgängen unserer vermeintlich besten Spielerinnen. Den Schritt zurück kennen wir zu Genüge. Ich bin da heute viel entspannter als früher, weil ich weiß, dass wir das auffangen können. Früher war ich beinahe persönlich beleidigt, wenn ein anderer Verein eine unserer Spielerinnen angesprochen hat. Heute weiß ich, was wir als SC Freiburg zu bieten haben, was die Spielerinnen an uns haben. Wenn sich jemand bewusst dagegen entscheidet, dann ist das so.

 

Ist die Teilnahme der U17 an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft das Ziel für die Rückrunde? Oder sogar der Titel?

Nein. Wichtig ist, dass unsere Jugendmannschaften Spielerinnen entwickeln, die irgendwann den Schritt in die Zweite Liga oder sogar die Bundesliga schaffen können. Natürlich tun mir die Mädels der U15 leid, wenn sie Spiele verlieren, aber das Ergebnis ist nicht entscheidend. Die Mädels könnten in ihrer Mädchenstaffel spielen und da jeden Gegner abschießen. Was haben wir davon? Nichts. Wir lassen sie gegen Jungs antreten, das bringt ihnen viel mehr. Es geht uns darum, sie zu fordern, um sie zu fördern. Wenn unsere Jugendmannschaften es schaffen, jedes Jahr eine, vielleicht zwei Spielerinnen zu bringen, die den Sprung in die Bundesliga oder zumindest die Zweite Bundesliga schaffen, dann haben wir als Verein viel mehr davon. Wobei man fairerweise sagen muss, dass unser aktueller Erfolg es für junge Spielerinnen noch einmal deutlich erschwert, in unser ohnehin schon junges Team zu kommen.

 

Sie haben den Erfolg angesprochen. 18 Spiele in Folge, von Februar bis November, war die Mannschaft in der Allianz-Frauen-Bundesliga ungeschlagen. Hätten Sie eine solche Serie für möglich gehalten?

Nein. Wenn man sieht, wen wir in dieser Zeit alles geschlagen haben. Turbine Potsdam, den FC Bayern, den VfL Wolfsburg sogar zweimal. Das war bisher nicht unbedingt unser Standard. Wie es in Zukunft aussieht, weiß ich natürlich nicht. Dass die Serie jetzt beendet ist, ist schade. Aber davon geht die Welt nicht unter. Ich bin nach wie vor absolut entspannt und wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir erst im November unser erstes Spiel verlieren, dann wären wir alle begeistert gewesen.

 

Als Folge dieser Serie stand nach dem Sieg gegen Wolfsburg die erstmalige Tabellenführung in der Geschichte der Frauen- und Mädchenabteilung des Sport-Clubs. Wie war das für Sie?

Ein wenig unwirklich. Plötzlich wird man von allen Seiten angesprochen, muss über Meisterschaft und Champions-League sprechen, ist noch mehr im Fokus. Das war schon außergewöhnlich. Ich habe das durchaus auch ein wenig genossen. Dennoch kann ich es absolut einordnen, deshalb hat mich die Niederlage gegen Frankfurt und der Verlust der Tabellenführung auch nicht so sehr getroffen, wie man vielleicht meinen sollte. Wobei die Niederlage eigentlich schon absolut unnötig war, wenn ich darüber nachdenke.

 

Wenn man einmal dort oben war, will man immer wieder hin?

Seit ich beim SC Freiburg bin, habe ich immer nach unten geschaut, meistens nach unten schauen müssen, um den Abstand zu den Abstiegsrängen im Blick zu behalten. Jetzt mache ich es wieder, es hat sich also nicht viel geändert (lacht). Der Blick von der Tabellenspitze ist natürlich um einiges entspannter, dennoch wird man auf eine andere Art nervös, weil man schon auch oben bleiben will. Aber nochmal, ich bin da völlig entspannt und weiß das alles richtig einzuordnen.

 

In der Vorsaison war Turbine Potsdam in der Hinserie lange unbezwingbar. In der Rückrunde kam dann ein kleiner Einbruch. Fürchten Sie eine ähnliche Entwicklung?

Potsdam hat die Saison auf Platz drei abgeschlossen, es gibt also nichts, wovor man sich fürchten müsste. Ich weiß, dass alles passen muss, um überhaupt in eine solche Position zu kommen. Manchmal sind es Zentimeter. Wir haben es gegen Frankfurt gerade erst erlebt, das Spiel kann auch anders ausgehen. Genauso hatten wir davor in einigen Spielen das Glück auf unserer Seite. An einen Einbruch glaube ich aber definitiv nicht!

 

Was muss passieren, um auch im Jahr 2018 weiterhin erfolgreich zu sein?

Zunächst einmal müssen unsere Spielerinnen fit bleiben, das ist Voraussetzung. Gegen Frankfurt haben wir gesehen, wie schwer uns Ausfälle von gleich mehreren Topspielerinnen treffen. Wir können einen solchen Aderlass dann einfach nicht mehr auffangen. Das haben uns Vereine wie der VfL Wolfsburg oder Bayern München noch voraus, die dann die eine Nationalspielerin durch die andere ersetzen. Wenn aber alle gesund bleiben glaube ich, dass wir uns mit oben halten können.

 

Sind aufgrund der Verletzungen im Winter Änderungen am Kader geplant?

Geplant ist nichts. Aber man weiß im Fußball nie, was passiert. Manchmal gibt es Möglichkeiten oder Chancen, auf die man reagieren muss.

 

Vor der Saison fand die EM in den Niederlanden statt. Wie überrascht waren Sie vom Abschneiden des deutschen Teams?

Ich war entsetzt. Weniger vom Ausscheiden an sich, das kann immer mal passieren. Vielmehr hat mich die gesamte Außendarstellung entsetzt. Da wirkte vieles seltsam uninspiriert. Woran das liegt kann ich von außen nicht beurteilen.

 

Auch nach der EM wurde es nicht besser, im Gegenteil. Was muss passieren, damit es wieder aufwärts geht?

Es steht mir nicht zu, hier Tipps zu geben. Ich kann nur noch einmal wiederholen, dass mich einige Aussagen und Handlungen der Verantwortlichen des DFB mehr als überrascht haben.

 

Bleibt die Frage, was sich die Managerin einer erfolgreichen Abteilung für 2018 überhaupt noch wünschen kann?

Dass alles so bleibt, wie es ist (lacht). Wir wollen die Mannschaft im Idealfall erneut zusammenhalten und punktuell ergänzen. Davon abgesehen wünsche ich mir ganz allgemein, dass alle gesund bleiben und es keine schweren Verletzungen gibt. Wenn die Saison dann im Juni zu Ende ist, werden wir sehen, wo wir stehen und ob wir einen expliziten Grund zum feiern haben oder einfach eine tolle Saison feiern dürfen. Von unseren Zuschauerinnen und Zuschauern wünsche ich mir auch im kommenden Jahr eine so tolle Unterstützung wie im letzten Jahr. Die Mädels haben es sich mit ihren Leistungen absolut verdient.

 

Interview: Felix Scharte