Bild und Geschichte: Hermann Büchele

Freiburgs erster Fußball-Historiker war ein SCler: Hermann Büchele, hier schick mit Hut und Pelzkragen porträtiert, hat 1927 mit seinem Büchlein „30 Jahre Fußballsport in Freiburg 1897-1927" ein wichtiges, heute aber so gut wie vergessenes Grundlagenwerk veröffentlicht. Wenn man sich die Entwicklungsgeschichte des Fußballs in Freiburg genauer ansehen möchte, ist es immer noch sehr nützlich.

 

Wie viele Spieler und Mitglieder des SC stammte der 1888 geborene Hermann Büchele aus dem Stadtteil Stühlinger, wo er in der Klarastraße wohnte. Für den SC war er in mehreren Funktionen tätig. Er gehörte als Schriftführer dem Gesamtvorstand des Vereins an und fungierte zudem seit Oktober 1924 als verantwortlicher Schriftleiter der Vereinszeitschrift „Rundschau", für die er zahlreiche Leitartikel beisteuerte. Im April 1925 wurde er schließlich als allererster hauptamtlicher Geschäftsführer des SC angestellt. Weil er bei den Vereinsmitgliedern geschätzt und beliebt war, galt Büchele als der richtige Mann dafür. Seiner Arbeit ging er in der SC-Geschäftsstelle in der Bertoldstraße, später in der Breisacher Straße nach. Zuvor war Büchele im städtischen Ver-waltungsdienst beschäftigt. Als Kanzleiassistent arbeitete er bei den Städtischen Sammlungen im damals gerade neu entstehenden Augustinermuseum. Womöglich inspirierte ihn diese Tätigkeit dazu, auch die Geschichte des Fußballs zu dokumentieren und eigene Sammlungen dazu anzulegen.

 

Im zeitlichen Umfeld seines Buches über den Freiburger Fußballsport wird für ihn als Beruf „Sportredakteur" beziehungsweise „Sportkorrespondent" angegeben. Büchele bestritt seinen Le-bensunterhalt nun mit seiner Leidenschaft für den Fußball. Mit seinem Buch wollte er vor allem daran erinnern, mit welch großen Schwierigkeiten die Anfänge des Fußballs in seiner Heimatstadt verbunden waren und wie viel Idealismus damals im Spiel war. Zudem appellierte er an den Zusammenhalt aller Freiburger Fußballvereine zum Wohl des Fußballsports. Alles in allem kann Hermann Büchele somit als Vorläufer für mehrere Tätigkeitsfelder rund um den SC bezeichnet werden: Als Geschäftsführer für die interne Vereinsorganisation, als Redakteur für die Öffentlichkeitsarbeit und als Historiker für die Traditionspflege. Auf diese Weise hat er die Geschicke des SC in den erfolgreichen 1920er Jahren maßgeblich mitgeprägt.

 

Schon bald nach dem Erscheinen seines Buches ist Büchele am letzten Tag des Jahres 1928 mit erst 40 Jahren verstorben. Auch aus diesem Grund wissen wir heute kaum etwas über ihn. Hermann Büchele gehört zu den vielen inzwischen in Vergessenheit geratenen Persönlichkeiten der SC-Geschichte. Ihr Wirken in Erinnerung zu rufen, ist eine lohnende Aufgabe.

 

 

Text: Uwe Schellinger. Schellinger ist ehrenamtlicher Archivar des SC Freiburg und freut sich über Fotos und Hinweise auf bisher unbekannte Materialien aus der SC-Geschichte: archiv@scfreiburg.com