"Auf einmal stoßen Menschen aufeinander"

"Bildung für alle e.V." ist ein Preisträger des FAIR ways Förderpreises 2016/2017. Der Verein ist aus der Erfahrung entstanden, dass es zu viel Interesse und zu wenige Deutschkurse für Geflüchtete gab. Für erwachsene Flüchtlinge und Migranten bietet der Verein kostenfreie Kurse an und hilft bei der Ausbildungssuche. Die ersten Unterrichtsstunden haben Freunde übernommen. Aktuell bringen 65 ehrenamtliche Lehrer die neue Sprache ihren Schülern bei - für einige wenige ist das sogar eine ganz neue Herausforderung. Um die Qualität zu sichern und den Ehrenamtlichen zur Seite zu stehen, wurde zudem ein internes Weiterbildungssystem entwickelt. Kurs-Koordinatorin Leonie Bozenhardt stellt das Projekt im Interview vor.

 


Frau Bozenhardt, ist die Nachfrage an Deutschkursen bei Geflüchteten groß?

 

Leonie Bozenhardt: Sie ist riesig. Wir haben momentan 140 Schüler. Und auf der Warteliste stehen 130 Interessierte.

 

 

Wie sind Ihre Kurse aufgebaut?

 

Es gibt Alphabetisierungskurse und Deutschkurse. In einer Klasse sind zwanzig Schüler. Diese wird von drei sich abwechselnden Tandems aus Ehrenamtlichen unterrichtet. Das ist auch das Besondere: Die Ehrenamtlichen haben mit einem Termin in der Woche wenig Belastung und können dadurch die Qualität und Begeisterung für den Unterricht sichern. Dieser ist locker und interaktiv mit Spielcharakter
aufgebaut.

 

 

Wie profitieren dabei die Geflüchteten?

 

Unser Augenmerk liegt auf dem freien Sprechen: Für die Flüchtlinge ist es wichtig, im Alltag zurecht zu kommen. Auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen wir und unterstützen mit Kursen. Geflüchtete treffen sich mit Freiburgern - dabei entstehen Freundschaften und Kontakte. So stoßen auf einmal Menschen aufeinander, die sonst nie etwas miteinander zu tun hätten.

 


Für die Ehrenamtlichen haben Sie ein Weiterbildungssystem entwickelt.

 

Genau. Dadurch wird die Unterrichtsqualität gesichert und eine professionelle Vorbereitung ermöglicht. Die Weiterbildung besteht aus Schulungen für die Lehrer, bei denen sie lernen, wie sie den Schülern Unterrichtsstoff beibringen können. Zudem gibt es einen „Deutsch als Fremdsprache"-Ausbilder, der bei Bedarf zur Seite steht. Das ist uns wichtig, damit die Lehrer mit ihrer Arbeit nicht alleine sind.

 


Wie wird dieses System weiterentwickelt?

 

Das Konzept wird umgebaut, da die Weiterbildungen bisher immer am Wochenende stattfanden. Diese sollen jetzt anders organisiert werden, damit die Lehrer mindestens so viel Schulungsinhalt bekommen wie bisher und dabei weniger Aufwand haben.

 

 

Interview: Niklas Batsch

 

 

Seit der Saison 2011/2012 versammelt der SC Freiburg mit seinem Vermarktungspartner Infront unter der Dachmarke „FAIR ways" Partner, die sich wie der Sport-Club in den Bereichen Bildung, Bewegung, Umwelt und Solidarität nachhaltig engagieren. Mit dem FAIR ways Förderpreis fördern die FAIR ways-Partner SCHLEITH GmbH, Streck Transportges. mbH, J. Schneider Elektrotechnik GmbH, Kleenoil Panolin AG, NEOPERL GmbH, Natur-Energie, Zitzelsberger Gebäudereinigung GmbH, DAS HANDWERK, Franz Morat Group, Girsberger GmbH, itp Ingenieur GmbH, der SC und Infront zusammen gemeinnützige Institutionen und Projekte in der Region, die sich in oben genannten Bereichen engagieren. Der FAIR ways Förderpreis hat sich seit der ersten Vergabe im August 2012 zu einem der bedeutendsten Sozialpreise Südbadens entwickelt. Bisher konnte insgesamt eine Fördersumme von 235.000 Euro ausgeschüttet werden, wobei 62 Prozent dieser Summe im Sinne der Nachhaltigkeit an gemeinnützige Institutionen und Projekte gingen, die in den vergangenen Jahren mehrmals gefördert wurden. 2016/17 wurden Fördergelder von 55.000 Euro ausgeschüttet.