Sport-Club siegt 2:0 in Leverkusen
La Ola für den SC am Rhein
Den Sieg eingeleitet: SC-Kapitän Julian Schuster (rechts) nach dem ersten SC-Tor. (Foto: M. Heuberger)
Der SC Freiburg hat am Samstag mit einer weiteren tollen Vorstellung auch die Hürde Bayer Leverkusen übersprungen. Das Team von Trainer Christian Streich gewann vor 28.342 Zuschauern in der Bay-Arena mit 2:0 (1:0). Kapitän Julian Schuster (8.) sorgte mit einem Kopfball für die frühe Führung. Nach der Pause erhöhte Daniel Caligiuri (60.) mit einem klasse Treffer aus der Distanz. Für den Sport-Club war es der vierte Sieg aus den letzen fünf ungeschlagenen Spielen.
Es gibt Flüsse entlang der Bundesligastadien, die sind noch kleiner als die Dreisam in Freiburg. In Leverkusen gibt es einen davon neben der Bay-Arena, der passenderweise auch den Namen Dhünn trägt. Schmal war zuletzt auch die Ausbeute von Bayer Leverkusen in der Bundesliga. Die Mannschaft von Trainer Robin Dutt, bis zum vergangenen Sommer noch Trainer des SC Freiburg, verlor zuletzt dreimal in Folge. Dennoch dürfte jener Dialog zwischen einem Kunden und der Mitarbeiterin im Bayer-Fanshop in der Innenstadt vor dem Spiel nicht unbedingt repräsentativ für die Befindlichkeit der Leverkusener Fanseele gewesen sein: „Wo war das noch mal mit den Jahreskarten?" „Hier, was möchten Sie denn?" „Kündigen."
SC beginnt bei Bayer unverändert
Trotz der zuletzt tollen SC-Serie von zehn Punkten aus vier ungeschlagenen Spielen verdeutlichte nicht nur das mit Nationalspielern gespickte Bayer-Aufgebot die Schwere der heutigen Aufgabe für das Team von Trainer Christian Streich. Auch eine Frage beim Stadionquiz vor dem Anpfiff wies in diese Richtung. „Acht Jahre" hatte Kandidat Manuel richtig geantwortet, als es hieß: „Wie lange hat der SC Freiburg nicht mehr gegen Bayer 04 gewonnen?" Kein großes Rätsel machte Christian Streich aus seiner heutigen Startaufstellung. Sie entsprach exakt der Anfangself beim zurückliegenden 2:0-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Oliver Barth, Immanuel Höhn, Anton Putsila, Simon Brandstetter, Beg Ferati, Garra Dembélé und Jan Rosenthal fehlten weiter verletzt. Dafür saß Johannes Flum in Leverkusen wieder auf der Bank. Bei den Gastgebern fehlten die verletzten da Costa und Daniel Schwaab, mit Eren Derdiyok hatte Dutt diesmal einen weiteren Stürmer nominiert.
„Dieses Spiel ist so wichtig, wie ein Spiel gegen Bayern München", hatte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler vorab den Stellenwert der Begegnung aus Sicht der Rheinländer, die derzeit um ihren Europa-League-Platz kämpfen müssen, definiert. „Wir wollen Leverkusen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Stirn bieten", so Christian Streich vor dem Spiel, in das der in der Winterpause neu gewählte Kapitän Julian Schuster die SC-Elf erstmals in der Rückrunde mit der dazugehörigen Binde am Arm führte. Dass die Gastgeber zur Pause mit einem Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet wurden, lag dann zu einem nicht unwesentlichen Teil auch am Freiburger Kapitän, der den SC bereits nach acht Spielminuten in Führung köpfte. Dabei nutzte der Sport-Club nach einem ersten Torschuss von Daniel Caligiuri gleich zu Beginn die erste echte Chance. Nach einem schnell vorgetragenen Angriff zog Mensur Mujdza den Ball von der rechten Seite flach vor das Tor, Gonzalo Castro klärte mit der Hacke, übersah jedoch den hinter ihm postierten SC-Kapitän, der postwendend einköpfte.
Schuster trifft zur Pausenführung
Der Gegentreffer zeigte beim diesjährigen Champions-League-Teilnehmer aus Leverkusen unübersehbar Wirkung, in einem Spiel, in dem die Torszenen lange Zeit rar blieben. Die Angriffsversuche der Gastgeber, oft mit langen Bällen und zu langsam initiiert, blieben zunächst harmlos. Der Sport-Club verdichtete geschickt und mit unermüdlichem Engagement die Räume im Mittelfeld, arbeitete defensiv konzentriert und dazu auch effektiv gegen den Ball. Die eigenen Möglichkeiten, die nach jeder Balleroberung konsequent gesucht wurden, blieben aber ebenfalls noch überschaubar. Ein Kopfball von Derdiyok (21.) war dann die erste Chance für Bayer - und die zweite im gesamten Spiel. Erst in der Schlussphase der ersten Hälfte konnten sich die Leverkusener besser in Szene setzen. Nachdem sich zunächst noch Torhüter Bernd Leno nach einer scharfen Hereingabe den Ball knapp vor Cedrick Makiadi geschnappt hatte, lenkte auf der Gegenseite Oliver Baumann (33.) einen gefährlichen Schuss von Simon Rolfes reaktionsschnell zur Ecke. Derdiyok erneut per Kopf und zweimal Stefan Kießling boten sich weitere Möglichkeiten zum Ausgleich, doch es blieb unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw, der die Leverkusener Nationalspieler beobachten wollte, bei der Freiburger Pausenführung.
Natürlich war zu erwarten, dass die früh auf den Rasen zurückgekehrten Leverkusener in der zweiten Hälfte mehr Druck entwickeln würden. Und die Gastgeber starteten auch recht schwungvoll, der SC knüpfte jedoch dort an, wo er nach 45 Minuten aufgehört hatte. Das Team von Christian Streich präsentierte sich weiter gut organisiert, arbeitete viel, betrieb nach wie vor einen großen läuferischen und kämpferischen Aufwand und schaffte es, das Spiel der Bayer-Elf auch weiter effektiv zu stören. Ein Fernschuss von Castro (56.) über das Tor blieb nach dem Wiederanpfiff der gefährlichste Moment für den SC, der seinerseits die erste Möglichkeit nach der Pause dazu nutzte, die Führung auszubauen. Die Leverkusener Fans hatten mittlerweile auf den Zynismus-Modus umgeschaltet und ließen gerade die La-Ola-Welle durch die Arena kreisen, als nach einem Gegenzug Daniel Caligiuri (60.) an der Strafraumgrenze an zwei Leverkusenern vorbeizog und den Ball mit einem sensationellen Abschluss in den rechten Winkel jagte. Neben der La Ola inszenierten die Bayer-Fans nun auch „Gegen Freiburg kann man mal verlieren"-Sprechchöre, was auf das eigene Team, ebenso wie das zweite Gegentor, natürlich nicht aufbauend wirkte.
Caligiuri erhöht mit Traumtor
Dennoch wurde das Spiel jetzt noch einmal offener. Baumann (67.) wehrte aus kurzer Distanz gegen Kießling ab. Beim unmittelbaren Gegenzug verpasste Sebastian Freis eine Flanke von Guédé buchstäblich um Haaresbreite. Guédé schoss später selbst noch einmal knapp am langen Eck vorbei, zuvor hatte André Schürrle frei vor Baumann verstolpert. Der SC verteidigte bis zum Ende sehr konsequent, blieb zum dritten Mal in den letzen fünf Spielen ohne Gegentor, kontrollierte die Schlussphase und hatte weitere Möglichkeiten. So als der gerade eingewechselte Johannes Flum (75.) nach einem Freistoß von Schuster mit einem Kopfball aus sechs Metern an Leno scheiterte. Die Leverkusener mussten dagegen auch weiterhin den Spott ihrer Fans ertragen, während oben am Himmel über der Bay-Arena in den Schlussminuten, fast wie inszeniert, dunkle Wolken aufzogen.
„Das war heute sehr viel Arbeit, wir mussten sehr viel laufen, das haben wir gut gemacht", sagte Torschütze und Kapitän Julian Schuster nach dem dritten Sieg in Serie. „Und wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt erzielt. Es war wichtig, dass wir unsere Kontermöglichkeiten genutzt haben. Das sind drei sehr wichtige Punkte, die uns gut tun, mehr nicht." Dennoch: einen Sieg bei einem Spitzenteam der Liga wie heute in Leverkusen konnte man sicher nicht einkalkulieren. Umso wertvoller war der erneute Erfolg. Und die Serie des SC, die jetzt fünf ungeschlagene Spiele in Folge, davon vier siegreiche umfasst, ist weiter gewachsen und wächst beeindruckend.
Allerdings punktete die Konkurrenz im Abstiegskampf teilweise ebenfalls weiter. Der Sport-Club blieb mit nun 31 Punkten Tabellendreizehnter. Einen Platz davor steht mit gleichfalls 31 Zählern der 1. FC Nürnberg. Und der kommt bekanntlich in einer Woche zum nächsten Heimspiel des SC Freiburg ins MAGE Solar Stadion. Somit dürfen sich die SC-Fans schon jetzt spannende und frohe Ostern wünschen. Der letzte Sieg gegen die Franken ist übrigens keine acht Jahre her, sondern gelang in der Hinrunde.
Dirk Rohde
Stenogramm:
Bayer Leverkusen: Leno - Castro, M. Friedrich (46. Ortega), Toprak, Kadlec - Reinartz (56. Oczipka), Rolfes - Renato Augusto, Schürrle (73. Bellarabi) - Kießling, Derdiyok
SC Freiburg: Baumann - Sorg, Diagne, Ginter, Mujdza - Schuster, Makiadi - Caligiuri (88. Jendrisek), Guédé (74. Flum), Schmid - Freis (81. Reisinger)
Schiedsrichter: Hartmann (Wangen)
Tore: 0:1 Schuster (8.) 0:2 Caligiuri (60.)
Gelb: Kadlec - Guédé, Ginter, Reisinger
Zuschauer: 28324


















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