SC sichert mit 0:0 den Klassenerhalt
Zusammenhalter sind am Ziel
Einfach mal freuen! Karim Guédé und Daniel Caligiuri setzen es um. (Foto: M. Heuberger)
Der Sport-Club Freiburg hat es geschafft: Mit einem 0:0 bei Hannover 96 holte die Mannschaft von Trainer Christian Streich am Sonntag in der ausverkauften AWD-Arena den letzten noch nötigen Punkt zum sicheren vorzeitigen Klassenerhalt. Der SC blieb nach einer erneut eindrucksvollen Auswärtsleistung zum neunten Mal in Folge ungeschlagen und vergrößerte seinen Vorsprung auf den Tabellensechzehnten 1. FC Köln zwei Spieltage vor dem Saisonende auf uneinholbare sieben Punkte.
Wenn man früher einmal kurz vergessen hatte, an welchem Wochentag ein Spiel stattfand, konnte man einen einfachen Test machen. Mittwoch, Samstag oder Sonntag - ein kurzer Abstecher in die lokale Fußgängerzone schaffte Abhilfe. Voll, halbvoll oder fast leer, man kam der Sache schnell näher. Mittlerweile ist das höchstens noch etwas für hoffnungslose Ladenschluss-Romantiker. An diesem Sonntag jedenfalls war die Innenstadt von Hannover nicht weniger gut gefüllt, als am frühen Abend die AWD-Arena. Von „Schlemmerjazz" bis chinesische Akademikerinnenchöre reichte das Unterhaltungsangebot und alle Kaufhäuser waren selbstverständlich geöffnet.
Putsila und Rosenthal beginnen in Hannover
Zum Abschluss dieses verkaufsoffenen Sonntags an der Leine sowie zum Abschluss des 32. Bundesliga-Spieltages trafen in der AWD-Arena der Tabellensiebte Hannover 96 und der SC Freiburg aufeinander. Mit einem Punktgewinn, so die Ausgangslage nach den Samstagsspielen, konnte die Mannschaft von Trainer Christian Streich - bei aktuell sechs Punkten Vorsprung auf den Drittletzten 1. FC Köln - den Klassenerhalt bereits vorzeitig sichern. Doch auch die Gastgeber, das Team von Trainer Mirko Slomka, wollten ihren Zwei-Punkte-Vorsprung auf einen Nicht-Europa-League-Platz ausbauen. Zu schön waren die Erfahrungen gewesen, die Hannover 96, bei denen Stürmer Mohammed Abdellaoue und Lars Stindl nach Verletzungspausen wieder dabei waren, in dieser Saison international gesammelt hatten. Erst im Viertelfinale scheiterten die Niedersachsen an Atletico Madrid.
Unter anderem auf einen „wahnsinnig kompakten und wahnsinnig guten Gegner" hatte Christian Streich seine Mannschaft eingestellt. Dieser fehlten heute die verletzten Julian Schuster (Nasenbein- und Mittelgesichtsbruch), Mensur Mujdza und Johannes Flum (beide Muskelfaserriss). Aber auch Garra Dembélé, der zuletzt zweimal in der Starformation gestanden hatte, fehlte. Der Stürmer war im Training am Freitag umgeknickt und konnte die Reise nicht mitmachen. Für den Malier stand erstmals seit dem Heimspiel gegen Werder Bremen Anfang Februar nach langer Verletzungspause Anton Putsila in der Startelf. Dort spielte außerdem Jan Rosenthal, der frühere Hannoveraner, für Flum. Flums Position im zentralen Mittelfeld übernahm jedoch Karim Guédé, Rosenthal rückte in den Angriff und Putsila spielte im rechten Mittelfeld der ansonsten unveränderten SC-Startformation.
Intensive Arbeit auf beiden Seiten
Der Sport-Club startete nach acht Spielen ohne Niederlage selbstbewusst und mutig. Von Beginn an stand die Mannschaft hoch, verteidigte weit vorgeschoben in die Hälfte der Gastgeber und vor allem effektiv. Rosenthal gab früh einen ersten Flachschuss auf das Tor von Ron-Robert Zieler ab. Auch Hannover präsentierte sich defensiv kompakt, fand aber gegen den laufstarken Gegner kaum Mittel, um für dauerhaften Druck oder zwingende Torgefahr zu sorgen. Dennoch besaßen die Niedersachsen nach einer Viertelstunde die beste Gelegenheit in der ersten Hälfte. Ein Schuss von Christian Pander geriet zur Vorlage für den völlig frei stehenden Lars Stindl, doch dessen Schuss wehrte der herausgekommene Oliver Baumann glänzend mit der Schulter ab. Auf der Gegenseite kam Zieler nach einem Pass von Rosenthal noch vor Cedrick Makiadi an den Ball.
Anschließend waren beide Teams, die weiter intensiv die Räume verteidigten und bearbeiteten, vornehmlich mit Distanzschüssen gefährlich. Der frei gespielte Konstantin Rausch traf das Außennetz, Didier Ya Konan zielte am langen Pfosten vorbei und auch Pander verfehlte. Nach einer halben Stunde erarbeitete sich dann der SC ein Übergewicht. Aber auch Makiadi und Rosenthal verfehlten das Tor knapp. Rosenthal wurde zudem noch einmal nach schöner Vorarbeit durch Daniel Caligiuri von Zieler gestoppt. Der Sport-Club beeindruckte jedoch mittlerweile auch ohne Torerfolg. Es war bemerkenswert, wie das Team den Europa-League-Teilnehmer nicht ins Spiel und zu weiteren Möglichkeiten kommen ließ - vor allem durch eine konsequente Verteidigungsarbeit über den gesamten Platz.
Pogatetz köpft zweimal knapp vorbei
Ohne Wechsel gingen beide Mannschafen in den zweiten Durchgang, in dem sich dem SC gleich nach dem Wiederanpfiff die erste Chance bot. Doch Caligiuri traf nach einem Pass von Rosenthal in kurzer Tordistanz den Ball nicht richtig. Das Spiel blieb auch nach der Pause ein intensives und bot zunächst weitere Chancen auf beiden Seiten. Ein Schuss von Putsila (53.) wurde von einem Verteidiger noch abgeblockt. Gleich im Gegenzug wehrte Baumann gegen Ya Konan ab. Der SC suchte weiter den Weg nach vorne, „aber es war schade", so Christian Streich nach dem Spiel, „dass wir die Räume dann zu unsauber genutzt haben. Und wenn Emanuel Pogatetz ins Tor geköpft hätte, wären wir dafür bestraft worden." Damit meinte der SC-Trainer zwei gefährliche Szenen nach Eckbällen. Doch sowohl in der 65. Minute als auch zehn Minuten später köpfte der Innenverteidiger der 96er jeweils um Zentimeter am Pfosten vorbei.
Längst hatte da in der AWD-Arena aus Freiburger Sicht auch das Herunterzählen der Minuten begonnen. Denn das torlose Remis brachte genau den einen Punkt, der zum sichern Klassenerhalt noch fehlte. Die Gastgeber drängten Mitte der zweiten Hälfte noch einmal, weitere Chancen zum Siegtor kamen jedoch nicht zustande, denn die Freiburger Mannschaft, für die mittlerweile auch Erik Jendrisek und später noch Immanuel Höhn und Ivan Santini spielten, gab weiter alles, kämpfte bis zur letzten Sekunde und verteidigte das wohl schönste torlose Remis seit Jahren am Ende mit einer erneut imponierenden Teamleistung. „Zusammenhalter" stand dementsprechend vorne auf den natürlich vorsorglich mitgeführten T-Shirts für den möglichen und nach 91 hochspannenden Minuten auch gewissen Feiertag.
Riesenfreude und neue SC-Shirts nach dem Spiel
Christian Streich bedankte sich nach dem Abpfiff zunächst mit einer innigen und langen Umarmung bei seinem Co-Trainer Lars Voßler, der weitere mit dem Rest des Trainerteams und den Spielern folgten. Und natürlich auch mit den ersten Gratulanten an der Trainerbank, dem Ersten Vorsitzenden des SC Freibug, Fritz Keller, sowie Sportdirektor Dirk Dufner. Hinten auf den neuen SC-T-Shirts steht übrigens: „Einfach nur freuen - Klassenerhalt 2012." „Das ist so geil, wenn du endlich über der Ziellinie bist", fasste Dirk Dufner seine Freude in einem Satz zusammen. „Das alles ist das Ergebnis der akribischen Arbeit der Jungs gewesen", sagte Christian Streich. „Es waren enorm anstrengende letzte Wochen und dafür bedanke ich mich bei der Mannschaft und auch bei den vielen anderen Menschen, die uns unterstützt haben."
„Die Mannschaft hat wieder ein super Spiel abgeliefert und wir haben es uns heute verdient", sagte Jan Rosenthal, der an seiner alten Wirkungsstätte stark spielte und natürlich auch von vielen ehemaligen Weggefährten beglückwünscht wurde. „Es war ein hartes Stück Arbeit. Wir standen die ganze Rückrunde unter Strom und durften uns keine Fehler erlauben." Für die mitgereisten SC-Fans stand neben der AWD-Arena zum Feiern gleich ein ganzer Rummelplatz, das "Frühlingsfest Hannover" bereit. Mit einem Riesenrad, auf dem man vielleicht auch im Kopf noch einmal eine tolle Runde durch diese aufregende und aufreibende Freiburger Saison drehen konnte.
Noch ist die Spielzeit aber natürlich nicht vorbei. Am kommenden Samstag kommt der 1. FC Köln zum letzten Heimspiel ins längst ausverkaufte MAGE SOLAR Stadion. Gut, dass es dann für den SC einmal nicht mehr um den Klassenerhalt geht. Auch für alle Zusammenhalter unter den Fans dürfte beim vorletzten Kick 2011/2012 die T-Shirt-Maxime gelten: einfach nur freuen. Und ordentlich feiern natürlich auch.
Dirk Rohde
Stenogramm:
Hannover 96: Zieler - Pander, Pogatetz, Haggui, Cherundolo - Rausch, Schmiedebach, Schlaudraff (75. Carlitos), Stindl - Ya Konan, Abdellaoue (61. Sobiech)
SC Freiburg: Baumann - Sorg, Ginter, Diagne, Schmid - Makiadi, Guedé (75. Höhn) - Caligiuri, Putsila (72. Jendrisek), Rosenthal - Freis (89. Santini)
Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
Tore: -
Gelb: Rausch - Freis
Zuschauer: 48.000 (ausverkauft)


















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