SC gewinnt in der Hauptstadt
Flutlichtfreuden in der Hauptstadt
Freiburger Jubelhaufen: Die SC-Profis bejubeln das 0:1. (Foto: M. Heuberger)
Der SC Freiburg hat am Dienstag seine großartige Serie in der Bundesliga fortsetzen können. Die Mannschaft von Trainer Christian Streich gewann im Olympiastadion ihr drittes Auswärtsspiel in Folge mit 2:1 (1:0). Ein Eigentor von Roman Hubnik (7.) nach einer Flanke von Garra Dembélé sorgte für die frühe Führung. In der zweiten Halbzeit erhöhte Sebastian Freis (67.) nach einem Konter. Spannend wurde es noch einmal, als Hubnik (81.) in der Schlussphase der Anschlusstreffer gelang. Doch der Sport-Club brachte den insgesamt verdienten Sieg auch über die vierminütige Nachspielzeit, verbesserte sich vorerst auf den zwölften Tabellenplatz und blieb im siebten Spiel in Folge ungeschlagen.
Es sind nicht allzu viele Freiburger, die sich mitten in der Woche zu einem SC-Auswärtsspiel in die deutsche Hauptstadt aufmachen. Aber doch einige. Im Zug, zum Beispiel, diskutierte der eine oder andere Sport-Club-Fan auf der Hinreise noch über mögliche Varianten der heutigen Startformation - während gegenüber fußballuninteressierte Berlin-Besucher ähnlich kniffelige Kombinationen für das günstigste Mehrtagesticket für Bus und Bahn in Verbindung mit freien Museumsbesuchen austüftelten.
Dembélé und Flum rücken ins Team
Klar war auf Freiburger Seite, dass aus der Startelf vom letzen Spiel gegen den 1. FC Nürnberg Kapitän Julian Schuster, der nach seinem Nasenbeinbruch und seiner Mittelgesichtsfraktur am Samstag gestern operiert worden war, und der gelbgesperrte Cedrick Makiadi fehlen würden. Ebenso wie weiterhin Oliver Barth, Simon Brandstetter (Aufbautraining), und Anton Putsila (Fersenprobleme). Kurzfristig fehlte zudem Erik Jendrisek, der sich im Training gestern verletzt hatte. Wie zu erwarten beorderte Trainer Christian Streich im Olympiastadion Johannes Flum für Schuster in die Anfangsformation, in der es ansonsten tatsächlich nur eine weitere Änderung gab. Eine überraschende dazu, denn erstmals in der Rückrunde und erstmals seit dem elften Spieltag stand Stürmer Garra Dembélé in der Anfangself. Karim Guédé rückte dafür ins Mittelfeld zurück. Auf der Bank saß wieder Jan Rosenthal und außerdem erstmals der Kapitän der Zweiten Mannschaft, Marc Lais.
Das Hinspiel war eine dramatische Angelegenheit gewesen, als der Sport-Club in Person von Stefan Reisinger erst in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 2:2-Ausgleich traf. Heute versprach bereits die Ausgangskonstellation Spannung. Hertha, für die mit Levan Kobiashvili und Felix Bastians auch zwei ehemalige Freiburger aufliefen, belegte vor der Partie den vorletzten Tabellenplatz, mit fünf Punkten Rückstand auf den SC Freiburg. Der Berliner Trainer Otto Rehhagel hatte am Wochenende sogar von einer „Entscheidungsschlacht gegen Freiburg" gesprochen. Es wurde allerdings auch heute in Berlin in erster Linie Fußball gespielt. Der SC reiste dabei mit einer Serie von sechs ungeschlagenen Spielen in Folge an und zeigte auch in Berlin vor der Pause eine äußerst konzentrierte Leistung. Die größeren Ballbesitzzeiten konnten zwar die Gastgeber für sich reklamieren, die effektiveren allerdings der Sport-Club.
Hubnik trifft ins eigene Tor
Wobei dem SC-Team, das im Olympiastadion wieder im Leverkusen-Weiß auflief, nach wenigen Minuten das Glück zur Seite stand, oder, aus Sicht der Berliner, das Unglück von Innenverteidiger Roman Hubnik. Nach einem offenen Beginn ohne spektakuläre Momente, setze sich Garra Dembélé auf der rechten Seite durch, und seine Hereingabe lenkte Hubnik (7.) unhaltbar über Torwart Thomas Kraft an den Innenpfosten, von wo der Ball ins Tor sprang. Die Freiburger Trainer hatten also nicht die falschesten Trainingseindrücke für die Zusammensetzung der heutigen Anfangself markiert. Denn auch die nächste hochkarätige Chance der Partie besaß der SC und sie besaß Garra Dembélé (18.). Nach einem schönen Doppelpass mit Sebastian Freis traf der Stürmer aus rund elf Metern die Querlatte. Die Gastgeber vermochten in der ersten Hälfte insgesamt nur wenig Druck zu entwickeln. Was auch daran lag, dass der Sport-Club mit viel Laufaufwand ein effektives Pressing gegen den Ball umsetze und in der Abwehr konzentriert und gut organisiert stand.
Auch die dritte klare Möglichkeit erarbeiteten sich die Gäste. Der aufgerückte Oliver Sorg spielte mit einem klasse Pass Jonathan Schmid (30.) frei, der jedoch aus spitzem Winkel am stark reagierenden Kraft scheiterte. Bei Hertha BSC strahlte vor der Pause allein Raffael ab und an Torgefahr aus. Kurz vor der Pause klärte Mensur Mujdza gegen den Brasilianer zur Ecke. Davon hatten sich die Berliner zur Halbzeit immerhin fünf erspielt, während der Zähler für Freiburg noch bei Null stand. Die gefährlichste Szene der Berliner resultierte schließlich aus einem Freistoß von Nikita Rukavytsya, unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Raffael kam zum Kopfball, verfehlte das Tor von Oliver Baumann jedoch. Vier Minuten nach dem Wiederanpfiff kamen dann auch die Gäste zu ihrem ersten Eckball. Er brachte nichts ein und sollte auch der einzige für die Freiburger in dieser Partie bleiben. Es blieb außerdem dabei, dass die Gastgeber weiterhin mehr Ballbesitz verzeichneten, diesen aber lange nicht in Zählbares umzusetzen vermochten. Der SC lief weiter die Räume zu, Hertha BSC oft ins Leere.
Freis erhöht, Hubnik verkürzt noch einmal
Ein Distanzschuss von Anis Ben-Hatira (57.), den Baumann parierte, war dann wieder so etwas wie eine Möglichkeit für die Berliner, die insgesamt zu wenig zwingend agierten oder sich im SC-Defensivverbund festrannten. Der SC konzentrierte sich auf die Arbeit gegen den Ball und lauerte auf Konterchancen. 59 Prozent zu 42 Prozent lautete die Ballbesitz-Statistik nach einer guten Stunde, als Hertha BSC zu seiner bislang besten Möglichkeit kam. Nachdem Raffael sich auf der rechten Seite durchgesetzt hatte, schoss der eingewechselte Pierre-Michel Lasogga aus rund 20 Metern knapp vorbei. Dann stach der SC zum zweiten mal zu. Einen Abstoß von Oliver Baumann verlängerte Dembélé mit dem Kopf auf Freis (67.), der erst Hubnik stehen ließ, dann Torhüter Kraft umkurvte und mit dieser starken Aktion den Freiburger Vorsprung ausbaute.
Wer jedoch bereits auf die Entscheidung gehofft hatte, sah sich getäuscht. Neun Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit wurde ein Schuss von Raffael im Strafraum von einem Freiburger in die Höhe abgeblockt, Baumann kam nicht schnell genug zum Ball, Hubnik nutze die Situation und köpfte zum Anschluss ein. Zittern war also noch einmal angesagt und spätestens, als Lasogga nur eine Minute nach dem Anschlusstor, noch gestört von Matthias Ginter, aus rund vier Metern über das Tor schoss, wurden an diesem Abend in Berlin auch noch einmal die Erinnerungen an das Hinspiel wach. Adrian Ramos (90.) scheiterte aus guter Position und mit einem zu schwachen Abschluss an Baumann. Ebenso wie der eingewechselte Stefan Reisinger nach einem Konter in der Nachspielzeit an Kraft. Die 94. Minute lief schließlich, als Kraft sich in den Hertha-Sturm begab, doch auch die letzten heiklen Momente überstand das SC-Team, letztlich mit der schönen Gewissheit: Fußballgeschichte wiederholt sich nicht. Oder wenigstens nur manchmal.
Konkurrenz im Abstiegskampf weiter distanziert
Mit dem dritten Auswärtssieg in Folge, zumal bei einem unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, hat der SC einen weiteren riesigen Schritt in Richtung ein neues Jahr Erste Bundesliga gemacht. Zunächst kletterte die Mannschaft von Christian Streich auf den zwölften Tabellenplatz und hat nun acht Punkte Vorsprung auf den Vorletzten Hertha BSC und sechs Punkte Vorsprung auf den Drittletzten 1. FC Köln, der heute in Mainz verlor.
Die über 500 SC-Fans im Gästeblock wussten sicher, warum sie mitten in der Woche die weite Fußballreise nach Berlin angetreten hatten. Und der ein oder andere blieb sicher über Nacht, vielleicht auch, um noch einen kleinen Museumsbesuch nachzuschieben. SC-Fußball live gibt es dann wieder am kommenden Sonntag, wenn der SC Freiburg zum Abschluss der englischen Woche und des kommenden 31. Spieltages um 17.30 Uhr die TSG Hoffenheim erwartet. Bis dahin gibt es noch genug zu erzählen, von einem überzeugenden Auswärtssieg und einem fröhlichen April-Flutlichtabend in der Hauptstadt.
Dirk Rohde
Stenogramm:
Hertha BSC Berlin: Kraft - Kobiashvili, Bastians, Hubnik, Lell - Ottl (62. Ebert), Niemeyer - Ben-Hatira (76. Torun), Raffael, Rukavytsya (46. Lasogga) - Ramos
SC Freiburg: Baumann - Sorg, Ginter, Diagne, Mujdza - Flum - Caligiuri (73. Rosenthal), Guédé, Schmid - Freis (90.+1 Santini), Dembélé (82. Reisinger)
Schiedsrichter: Gagelmann (Berlin)
Tore: 0:1 Hubnik (7., ET), 0:2 Freis (67.), 1:2 Hubnik (81.)
Gelb: Lell, Torun, Ebert, Kraft - Dembélé
Zuschauer: 45778


















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Drei Worte: Ein Wand Frei!
11.04.2012 - 00:00
Prost, Jungens! Das war klasse! Jonathan Schmids Frisur scheint magische Kräfte zu haben. So packt uns keiner mehr.
Hin und weg,
—Teggy
teggy > An einen Freund senden