Johannes Flum im Interview
"Jeder ist heiß, jeder will sich zeigen"

Fällt momentan aus: Johannes Flum zu Beginn des Trainingslagers bei der Ballarbeit. (Fotos: Michael Heuberger)
Die Profis des SC Freiburg haben das Trainingslager in Schruns beendet. Johannes Flum konnte nur die ersten vier Tage in Österreich mittrainieren, seitdem ist er zum Zuschauen verdammt. Der Mittelfeldspieler hat sich einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen. Im Interview spricht der 24-Jährige über Betriebsausflüge, Arbeit „an der Kante" und die Prognosen vermeintlicher Bundesliga-Experten.
scfreiburg.com: Herr Flum, als erstes die Frage nach Ihrer Gesundheit. Wie geht es Ihnen?
Johannes Flum: Am Montag hat es sich bei einer genauen Untersuchung leider bestätigt, dass ich einen Muskelfaserriss in der linken Wade habe.
scfreiburg.com: Also der erste Bundesliga-Spieltag am 25. August mit der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 für Sie zu früh kommt?
Flum: Ich will da nichts ausschließen, aber ich gehe davon aus, dass ich drei bis vier Wochen brauche, um wieder so fit zu sein, dass ich voll mit der Mannschaft trainieren kann. Jetzt beschränke ich mich erst Mal aufs Fahrradfahren ...
scfreiburg.com: ... und durften am Dienstag beim „Betriebsausflug" nicht mit ins Canoe steigen.
Flum: Ja, das war schade, da wäre ich gerne dabei gewesen. Aber Ivan Santini und ich haben uns die Zeit beim Bogenschießen vertrieben, was auch lustig war.
scfreiburg.com: Wie wichtig sind solche Traingslager-Tage, an denen die Mannschaft mal keinen Fuß auf den Fußballplatz setzt?
Flum: Solche Aktionen tun auch mal gut, da können wir komplett abschalten und in der Gruppe Spaß haben, das ist gut für das Klima innerhalb der Mannschaft.
scfreiburg.com: In Trainingslagern wird häufig die gute Stimmung innerhalb des Teams beschworen. Wer hier vor Ort bei den Trainingseinheiten genau hinschaut und hinhört, kann nichts anderes behaupten. Bei aller Ernsthaftigkeit und akribischer Arbeit wird doch viel gelacht.
Flum: Klar herrscht hier gute Stimmung. Das liegt auf der einen Seite daran, dass wir eine klasse Truppe beisammen haben. Auf der anderen Seite zehren wir immer noch ein wenig von der Rückrunde der vergangenen Saison. Die hat uns wirklich einiges an Selbstvertrauen und Leichtigkeit verschafft. Es macht unglaublichen Spaß zu sehen, wie wir hier als Mannschaft gemeinsam arbeiten, dabei aber auch den Spaß nicht vergessen.
scfreiburg.com: Im Fußball ist häufig von Gegentoren zum ungünstigen Zeitpunkt die Rede. Gibt es andererseits Verletzungen zum günstigen Zeitpunkt?
Flum: Naja, sagen wir es mal so: Ich hatte Glück im Unglück. Hätte ich mich zwei Tage vor dem Bundesligastart verletzt, dann wäre es noch bitterer gewesen. So konnte ich zu Beginn der Vorbereitung das ganze Programm für die Grundlagenausdauer mitmachen und schon mal die körperlichen Voraussetzungen für die nächste Saison schaffen.

Zentrale Verantwortung: Johannes Flum (links) und Julian Schuster bei der Ankunft in Schruns.
scfreiburg.com: Wenn es aber jetzt an die taktische Feinarbeit geht, dann fehlen Sie auf dem Platz.
Flum: Das stimmt und ärgert mich natürlich am meisten. Aber ich bin bei jeder Besprechung dabei und ...
scfreiburg.com: ... Sie sind nicht erst seit gestern beim Sport-Club, sondern kennen schon viele taktische Anforderungen.
Flum: Natürlich kenne ich vieles, aber bestimmt nicht alles. Aber es ist sicherlich kein Nachteil, dass ich unsere Trainer schon aus der Fußballschule kenne und weiß, wie wir Fußball spielen wollen.
scfreiburg.com: Was in der Rückrunde der vergangenen Saison mit sehr viel Aufwand und täglicher Arbeit „an der Kante", wie es Ihr Trainer Christian Streich mal formuliert hat, verbunden war. Kann man die Intensität, mit der der Freiburger Fußball im vergangenen halben Jahr gespielt und gearbeitet wurde, auch eine ganze Saison durchhalten?
Flum: Das wird sich zeigen, da sind wir alle sehr gespannt. Wenn ich daran denke, was momentan bei uns in den Trainingseinheiten abgeht, dann muss ich sagen: Hut ab! Jeder ist heiß, jeder will spielen, jeder will sich zeigen und empfehlen. Ich habe das Gefühl, dass wir die hohe Qualität, die wir schon letztes Jahr hatten, nochmal gesteigert haben. Vor allem unsere jungen Spieler haben viele Sachen aus der Rückrunde mitgenommen und einen großen Sprung gemacht. Die Leistungsdichte ist noch besser geworden. Wenn wir das Niveau, was wir in der Vorbereitung bisher auf den Platz gebracht haben, halten können, dann glaube ich, dass wir gute Chancen haben, weiterhin so guten Fußball zu spielen wie in der Rückrunde.
scfreiburg.com: Um dann wieder einige sogenannte Experten in Ihren Prognosen widerlegen zu können?
Flum: Es wird mich auch dieses Jahr nicht sonderlich berühren oder irritieren, wenn zum Beispiel Mario Basler in seiner BILD-Kolumne uns wieder als „Abstiegskandidat Nummer eins" einstuft oder den SC plötzlich als einen Kandidaten für die Europa League-Plätze sieht. Wir wissen, dass es für den SC Freiburg in der Ersten Bundesliga immer um den Klassenerhalt geht und da ist es nicht allzu wichtig, was die Experten darüber denken oder schreiben.

"Natürlich versuche ich, mit gutem Beispiel voranzugehen": Johannes Flum geht in seine fünfte Saison als Profi beim SC Freiburg.
scfreiburg.com: Herr Flum, Sie gehen jetzt in Ihre fünfte Profi-Saison beim Sport-Club. Fühlen Sie sich mit Ihren 24 Jahren schon wie ein alter Hase, der auf dem Platz die Richtung für die jungen Spieler vorgibt?
Flum: Ach, auch die jungen Spieler müssen mit guten Leistungen Verantwortung übernehmen. Natürlich versuche ich, mit gutem Beispiel voranzugehen, immer mein Bestes zu geben und hier und da auch in Gesprächen meine Erfahrung beim SC einzubringen.
scfreiburg.com: Kommt es dann auch vor, dass Neuzugänge wie zum Beispiel Marco Terrazzino, Max Kruse oder Vegar Eggen Hedenstad auf Sie zukommen und Fragen stellen, um das ein oder andere besser einordnen zu können?
Flum: Klar. Ich kenne viele Spieler und unsere Trainer ja schon aus meiner Zeit in der Fußballschule und kann gewisse Situationen vielleicht schneller und besser einordnen, da ich weiß, wie sie ticken.
scfreiburg.com: Tickt das Trainer-Trio um Christian Streich, Lars Voßler und Patrick Baier eigentlich bei den Profis anders als Sie es bei den Nachwuchsmannschaften in der Fußballschule getan haben?
Flum: Eigentlich nicht. Klar, wir bewegen uns beim Profi-Fußball alle auf einer anderen Ebene. Wie es der Name schon sagt: Alles ist etwas professioneller. Aber die Art und Weise wie sie mit uns Spielern umgehen und wie sie Fußball vermitteln, da hat sich nicht viel verändert und das ist auch gut so.
scfreiburg.com: Könnte sich in der kommenden Saison etwas daran ändern, wie die anderen Bundesliga-Mannschaften gegen den SC Freiburg spielen?
Flum: Das kann sehr gut sein. Aber damit müssen wir klarkommen und darauf sind wir vorbereitet. Es kann sein, dass der ein oder andere Gegner etwas defensiver gegen uns spielt, aufgrund unserer Ergebnisse und Leistungen der Rückrunde. Aber das Wichtigste ist nicht, dass wir auf die Gegner schauen, sondern darauf, dass wir unser Niveau hochhalten, uns weiter verbessern und auch in der nächsten Saison variabel in unserem Spiel bleiben.
Interview: Niklas Ziegler










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