Nicolas Höfler im Interview

"Mit klarem Kopf für einen guten Start"



Am Wochenende ist auch in der Zweiten Bundesliga die Winterpause vorbei. Mit Vorfreude blickt Nicolas Höfler dem nächsten Punktspiel des Sport-Club am Freitag (5. Februar, 18.30 Uhr) beim VfL Bochum entgegen. Der 25-jährige Mittelfeldspieler stand bislang in allen Partien in der Startelf und will mit der Mannschaft nach der Wintervorbereitung die bisher so erfreuliche Saison erfolgreich fortsetzen.

 

scfreiburg.com: Herr Höfler, am Freitag geht es beim VfL Bochum wieder um Zweitligapunkte. Ist es auch an der Zeit, dass es wieder losgeht?

Nicolas Höfler: Auf jeden Fall. Ich denke, im Winter reichen drei, vier Wochen Vorbereitung, weil man ja doch noch mehr oder weniger voll im Saft steht. Deshalb freuen wir uns, dass es jetzt weitergeht.

 

scfreiburg.com: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Vorbereitung zurück?

Höfler: Ein bisschen mit gemischten Gefühlen, denn wir hatten in der Vorbereitung auch Verletzungspech, zum Beispiel was Nils Petersen und Maximilian Philipp betrifft. Dann haben wir nicht unbedingt durchweg positive Ergebnisse in den Testspielen erzielt, was es natürlich schwierig macht zu sagen, wo wir genau stehen. Aber wir nehmen das Positive mit und klar ist, dass wir auf jeden Fall zu hundert Prozent unter Strom stehen am Freitag in Bochum, um uns vielleicht dann dort das rundum positive Gefühl zu holen.

 

scfreiburg.com: Genau als in Freiburg der Winter Einzug hielt, sind Sie ins Trainingslager nach Spanien abgereist, das hat gepasst. Was auch für die bereits vertrauten Rahmenbedingungen in Sotogrande galt?

Höfler: Ja, vom Timing her war es optimal: Als hier der Schnee kam, sind wir abgereist und als wir wieder hier waren, war der Schnee wieder weg. Und von den Bedingungen her war alles prima im Trainingslager. Wir waren rundum zufrieden, mit den Plätzen, dem Hotel und auch mit der Verpflegung.

 

scfreiburg.com: Gab es bestimmte Schwerpunkte auf dem Trainingsplatz, oder haben Sie zusammen an unterschiedlichen Dingen gleich intensiv gearbeitet?

Höfler: Ein Schwerpunkt war auf jeden Fall noch einmal die defensive Kompaktheit, dass wir unsere defensive Stabilität finden und im Spiel beibehalten. Auch über 90 Minuten, was in den Tests dort zu großen Teilen gut geklappt hat, auch wenn in Vorbereitungsspielen nicht immer alles perfekt laufen kann. Jetzt hoffen wir, dass wir das, was wir uns erarbeitet haben, mit ins erste Punktspiel nehmen können.

 

scfreiburg.com: Sie starten auswärts ins neue Jahr. Zuletzt wurde immer mal wieder eine noch größere Durchschlagskraft auf fremden Plätzen als Ziel formuliert. Das lässt sich wahrscheinlich schwer trainieren?

Höfler: Das kann man schon trainieren, hat aber auch viel mit dem Taktischen zu tun: Wie steht man wann und wo in welchem Raum, um es dem Gegner schwer zu machen und selbst auch in die torgefährlichen Räume zu kommen? Wir nutzen ja auch in der Vorbereitung Videoanalysen der Spiele und haben uns damit weiter beschäftigt. Jetzt werden wir versuchen, das umzusetzen. Prinzipiell ist es auswärts immer anders. Trotzdem ist es schwierig, die genauen Gründe dafür zu benennen, warum wir uns teilweise schwerer als in den Heimspielen damit getan haben, uns viele Torchancen herauszuarbeiten. Natürlich tritt der Gegner im eigenen Stadion oft forscher auf, aber das sollte für uns eigentlich kein Problem sein.



scfreiburg.com: Zur Abwechslung haben Sie während der Tage in Andalusien auch einmal Lionel Messi und den FC Barcelona im Punktspiel beim FC Malaga angeschaut?

Höfler: Ja, das war cool, dass wir als ganze Mannschaft und mit allen Betreuern nach Malaga ins Stadion gehen und einmal Barca spielen sehen konnten. Aber auch wenn sie 2:1 gewonnen haben, hatten sie nicht ihren besten Tag, das war ein bisschen schade. Insgesamt war es natürlich trotzdem ein Erlebnis, obwohl man zumindest in Bezug auf dieses Spiel sagen muss, dass die Stimmung in den Stadien in Deutschland besser ist.

 

scfreiburg.com: Welche Aussagekraft messen Sie den Ergebnissen Ihrer vier Testspiele bei, von denen zwei unentschieden und zwei mit einer Niederlage endeten?

Höfler: Testspiele sind Testspiele, man versucht dabei immer Sachen umzusetzen, die man im Training geübt hat. Dabei funktioniert nicht immer alles. Die Ergebnisse sind deshalb zweitrangig, zumal jetzt wieder nur das Spiel in Bochum zählt. Und ich glaube nicht, dass wir aufgrund der Testspiele weniger oder mehr Selbstbewusstsein haben. Es geht letztlich nur darum, wie wir dann am Freitag auftreten.

 

scfreiburg.com: Was haben Sie aus dem 1:3 im letzten Vorbereitungsspiel gegen GC Zürich am vergangenen Samstag mit in diese Trainingswoche genommen?

Höfler: Wir haben auch diese Begegnung noch einmal intensiv per Video analysiert. Ich finde, wir haben vieles ganz ordentlich gemacht, aber das Zweikampfverhalten war teilweise nicht so, dass es ausreicht, auch nicht für das kommende Spiel. Da müssen wir auf jeden Fall noch eine Schippe drauflegen, damit wir die Aufgabe in Bochum positiv gestalten können.

 

scfreiburg.com: Mit Håvard Nielsen, Pascal Stenzel und Florian Niederlechner wurde der Kader in der Winterpause mit drei Neuzugängen ergänzt. Welche Qualitäten bringen sie mit?

Höfler: Flo Niederlechner und Pascal sind ja erst seit zwei, drei Tagen hier, aber wie ich sie bisher erlebt habe, das war positiv und ich denke, dass sie uns auf jeden Fall weiterhelfen. Auch Håvard, der schon etwas länger bei uns ist, ist ein guter Typ und ein guter Fußballspieler. Von daher bin ich davon überzeugt, dass alle drei uns helfen und in der restlichen Saison wichtige Spieler sein werden. Gerade angesichts der Verletzten, die wir momentan noch haben, ist es wichtig, dass die Qualität im Kader hochgehalten wird, auch um von der Bank bei Bedarf entsprechend reagieren zu können.

scfreiburg.com: Nils Petersen, der bisher 15 Saisontore erzielte, und Maximilian Philipp, der viel Mal traf und sieben Tore vorbereitete, fehlen wie andere in Bochum vorerst noch. Ist es die besondere Herausforderung, die beiden zu ersetzen, oder gilt die Konzentration eher anderen Dingen?

Höfler: Nils und Milli sind zwei sehr wichtige Spieler für uns und ihre Qualität fehlt uns definitiv. Aber wir haben mit Flo Niederlechner und Håvard jetzt Spieler, die noch einmal andere Qualitäten einbringen. Vielleicht macht uns das ein Stück weit unberechenbarer. Es ist auch unser Anspruch, uns nicht von ein oder zwei Spielern abhängig zu machen. Jeder ist da ehrgeizig genug, um sich so einzubringen, dass wir das als Mannschaft zunächst, natürlich schweren Herzens, auch ohne die beiden hinkriegen.



scfreiburg.com: Die Mannschaft hat sich im bisherigen Saisonverlauf eine sehr gute Ausgangsposition geschaffen, überwinterte als Tabellenzweiter auf einem direkten Aufstiegsplatz und erzielte die meisten Tore in der Liga. Da könnte man sagen, sie müssen einfach nur so weitermachen ...

Höfler: ... Ja, das wäre das Beste, aber es ist nicht so einfach. Es kommt darauf an, dass wir im Kopf klar bleiben und uns bewusst ist: es ist noch gar nichts geschafft und wir müssen mindestens mit der gleichen Herangehensweise in die Spiele gehen wie bisher auch. Genauso in die Zweikämpfe gehen, genauso rennen und kämpfen - und dann haben wir die Qualität, dass wir nach der Winterpause so weiterspielen wie zuvor und dann werden wir den Tabellenplatz auch halten können. Deshalb hoffen wir jetzt natürlich auf einen guten Start.

 

scfreiburg.com: Wie hart ist der Konkurrenzkampf um die vordersten Plätze?

Höfler: Uns ist bewusst, dass RB Leipzig natürlich enorm Qualität hat und auch enorm in seinen Kader investiert hat. Und die Mannschaften hinten dran mit dem 1. FC Nürnberg, dem FC St. Pauli und anderen, die haben natürlich ebenfalls Qualität und sind richtig gefährlich. Wenn wir da ein paar Spiele nachlässig sind, werden sie aufholen oder uns überholen. Deshalb sind wir gewarnt und wissen, was zu tun ist.

 

scfreiburg.com: Sie selber standen in allen bisherigen 19 Begegnungen von Beginn an auf dem Platz und verpassten nur acht Saisonminuten. Ihre persönliche Zwischenbilanz dürfte ähnlich erfreulich wie die der gesamten Mannschaft ausgefallen sein?

Höfler: Ja, das ist auf jeden Fall erfreulich und positiv. Ich kann sicher zufrieden damit sein, wie die Saison bisher für mich lief. Deshalb will ich natürlich alles dafür tun, dass es auch so weiterläuft.

 

scfreiburg.com: Mit dem Tabellensechsten VfL Bochum wartet am Freitag auch ein Gegner aus dem näheren Verfolgerfeld auf den Sport-Club.

Höfler: Die Bochumer hatten nach einem sehr guten Start eine längere Durststrecke in der Vorrunde. Aber ihre Ergebnisse in der Vorbereitung, wo sie gegen Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC gewonnen haben, sprechen für sie. Wir sind auf jeden Fall gewarnt und wir haben gegen den VfL Bochum auch unsere erste Saisonniederlage kassiert. Von daher wollen wir auch ein Stück weit etwas wiedergutmachen, denn die damalige Niederlage hat uns schon gewurmt, weil es lange nicht danach aussah. Wir haben auf jeden Fall den Anspruch, in Bochum zu gewinnen und werden alles daran setzen, dass uns das gelingt.

 

scfreiburg.com: Wie erwarten Sie Ihren Gastgeber?

Höfler: Bochum ist auf jeden Fall eine spielstarke Mannschaft. Ich denke, sie werden vorne angreifen, offensiv spielen und auf viel Ballbesitz aus sein. Von daher müssen wir kompakt stehen und gut kontern. Wobei wir erst noch besprechen werden, wie die genaue Spielstrategie aussehen wird. Die Trainer werden uns gut vorbereiten und ich bin sicher, dass wir mit der richtigen Taktik nach Bochum fahren.

scfreiburg.com: Und was sagt Ihnen Ihr momentanes Gefühl in Bezug auf den Punktspielstart in diesem Jahr - oder sollte man sich als Fußballprofi eher auf andere Dinge verlassen?

Höfler: Ich verlasse mich da nicht auf ein Gefühl. Für uns ist es einfach wichtig, dass sich jeder zu hundert Prozent im Kopf vorbereitet und am Freitag auch physisch topfit auf dem Platz steht. Entscheidend ist, dass wir fokussiert sind und den hundertprozentigen Willen haben, jeden Zweikampf anzunehmen und das Spiel am Schluss auch zu gewinnen.

 

Interview: Dirk Rohde