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Oliver Baumann im Gespräch

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"Ich muss nicht der Held des Tages sein"

Der SC Freiburg kann am letzten Bundesliga-Spieltag gegen den FC Schalke 04 eine phantastische Saison noch mit dem vierten Platz krönen. Oliver Baumann ist kein Freund von tabellarischen Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Der SC-Torwart konzentriert sich lieber auf das Kerngeschäft: guten Fußball zu spielen. Was dafür in dieser Woche alles nötig ist und was er dazu beitragen kann und möchte, verrät er im Interview der Woche.

Hand drauf: Oliver Baumann bedankt sich bei Oliver Sorg für eine gute Zusammenarbeit. (Fotos: Michael Heuberger)

scfreiburg.com: Herr Baumann, die Physiotherapeuten des Sport-Club mussten heute wohl eine Sonderschicht mit Ihnen einlegen, oder?

Baumann: Nicht wirklich, wieso?

 

scfreiburg.com: Weil Sie vielleicht die ein oder andere Blessur am Samstag davongetragen haben, als Ihre Mitspieler und das Trainerteam nach dem Schlusspfiff enthemmt auf Sie zugesprungen kamen. Wir hatten etwas Angst, dass Sie nicht heil aus dem Jubelrudel herauskommen, nachdem Sie in der 90. Minute den Foulelfmeter von Nikola Djurdjic pariert und damit den 2:1-Sieg bei der SpVgg Greuther Fürth festgehalten hatten.

Baumann: Keine Angst, es ist alles in Ordnung. Ich habe genauso viele blaue Flecken und Wehwehchen wie nach jedem anderen Bundesligaspiel auch. Trotzdem war es natürlich ein besonderer Moment, es war echt ein geiles Gefühl, als der Schiedsrichter abgepfiffen hat und ich durchatmen konnte, weil wir das Ding gewonnen hatten ...

 

scfreiburg.com: ... und Sie der Mannschaft den Sieg gerettet hatten?

Baumann: Es war auch allerhöchste Zeit, dass ich mal wieder einen Elfmeter halte. (lacht)

 

scfreiburg.com: Ist der letzte schon so lange her?

Baumann: Über eineinhalb Jahre, das war vergangene Saison in der Hinrunde, aber da war es nicht so wichtig. Wir haben beim 1. FC Kaiserslautern mit 0:1 hinten gelegen, ich habe Christian Tifferts Elfmeter gehalten, wir haben aber trotzdem 0:1 verloren, also hat es der Mannschaft wenig gebracht. In Fürth konnte ich der Mannschaft jetzt entscheidend helfen, aber dazu bin ich ja auch da, dass ich ab und an mal einen halte.

 

scfreiburg.com: Haben Sie vor dem Elfmeter von Djurdjic etwas anders gemacht als sonst?

Baumann: Nicht wirklich, ich habe wie immer auf den Schützen und den Winkel seines Anlaufs geachtet. Eigentlich hätte er von mir aus gesehen in die rechte Ecke schießen müssen. Dann habe ich mir aber gedacht: „Nee, das wäre doch zu billig, wenn er jetzt dahin schießen würde." Dann bin ich eben in die andere Ecke und habe den Ball zur Seite abgewehrt.

 

scfreiburg.com: Und nach dem Spiel haben Sie mit der Mannschaft die so gut wie feststehende Europa League-Qualifikation zünftig gefeiert?

Baumann: Gibt es schon etwas zu feiern, habe ich da etwas verpasst? In meinem Terminkalender ist die Saison noch nicht vorbei. (schmunzelt)

 

scfreiburg.com: Da haben Sie natürlich Recht, aber ist die erste Europapokal-Teilnahme des Sport-Club nach zwölf Jahren kein Grund zum Feiern?

Baumann: Wenn ich feiern gehe, dann brauche ich anschließend mehrere Tage, um mir die Nachwehen aus den Kleidern zu schütteln, deshalb lasse ich das. Ich habe keinen Bock so ein Gefühl mit in die letzte Trainingswoche zu nehmen und da bin ich nicht ganz alleine bei uns in der Mannschaft, denke ich. Wir haben jetzt am Samstag noch das Spiel gegen Schalke und da wollen wir nochmal alles raushauen, was geht. Dafür brauchen wir die volle Konzentration und eine gute Fitness.

 

scfreiburg.com: Schauen Sie jetzt eigentlich mal auf die Tabelle?

Baumann: Nein, das ist mir alles viel zu kompliziert. Nach dem Fürth-Spiel bin ich auf dem Weg in die Kabine zu „Schusti" (SC-Kapitän Julian Schuster, Anm. d. Red.) und habe mal nachgefragt, wie es jetzt aussieht, dann wurde es kompliziert: Wenn wir Fünfter werden und der FC Bayern das DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart gewinnt, passiert dies. Wenn wir Sechster werden und die Stuttgarter das Endspiel gewinnen, passiert jenes. Diese ganzen „Hätte, wenn und aber"-Konstellationen sind mir zu viel. Das ist mir alles viel zu spekulativ. Ich stehe nicht so auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Ich habe dann gesagt: „Alles klar, Schusti. Erklär es mir doch einfach nächsten Samstagabend nochmal, dann ist es auch wirklich interessant für uns."

 

scfreiburg.com: Dabei ist die Rechnung doch ganz einfach: Gewinnt der SC am Samstag gegen Schalke, dann ist er Vierter und steht in der Champions League-Qualifikation.

Baumann: Na gut, dann ist ja alles klar. Jetzt mal im Ernst: Alles was zählt ist, dass die Schalker hier am Samstag unser Gegner sind, wir uns gut und gewissenhaft auf das letzte Spiel vorbereiten, die Hütte ausverkauft und die Stimmung bestimmt gut sein wird. Aber das ist ja eigentlich schon fast die ganze Saison so. Wir wollen einfach wieder guten Fußball spielen, so handhaben wir das schon die ganze Saison. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir das Spiel erfolgreich gestalten können.

Gut drauf: Mit Oliver Baumann im Tor stellt der SC Freiburg in dieser Saison bisher die zweitbeste Bundesliga-Defensive.

scfreiburg.com: Ist so eine Partie für Sie, der seit der D-Jugend beim SC und nun sein 13. Jahr hier spielt, keine emotionale Ausnahmesituation?

Baumann: Es ist eine spannende Konstellation, ja. Aber davon hatten wir diese Saison schon einige, ich denke zum Beispiel an die DFB-Pokalspiele beim Karlsruher SC (1:0), bei Mainz 05 (3:2) oder beim VfB Stuttgart (1:2). Nochmal: Auch am Samstag wird es wieder darum gehen, unseren Anspruch an uns selber durchzubringen. Wir wollen mutigen und guten Fußball spielen. Wenn uns das gelingt, bin ich optimistisch, dass am Ende ein gutes Ergebnis für den SC Freiburg herausspringt.

 

scfreiburg.com: Und Sie helfen als „Spieler des Spiels", zum dem Sie der kicker nach den Partien gegen den FC Augsburg (2:0) und in Fürth gekürt hat, wieder kräftig mit?

Baumann: Solche Titel sind mir ziemlich wurscht. Die Hauptsache ist, dass wir als Mannschaft Erfolg haben, da muss ich nicht zum Helden des Tages ausgerufen werden. Ich will in jedem Spiel mein Ding durchziehen, mein Bestes für die Mannschaft auf den Platz bringen, um dem Team zu helfen. Wenn es dann so gut wie gegen Augsburg und in Fürth läuft, umso schöner.

 

scfreiburg.com: Naja, es lief auch in anderen Partien ganz passabel. Immerhin haben Sie in 33 Partien 13 Mal zu Null gespielt und der SC stellt hinter dem FC Bayern München mit nur 38 Gegentoren die zweitbeste Defensive der Bundesliga.

Baumann: Auch dafür habe ich wohl kaum im Alleingang gesorgt. Ich bin Teil einer Mannschaft, die Lust am Verteidigen hat und in der sich keiner für Defensivarbeit zu schade ist.

 

scfreiburg.com: Die Arbeit gegen den Ball dürfte am Samstag wieder besonders anspruchsvoll werden: Die Gelsenkirchener Offensive ist mit Leuten wie Klaas-Jan Huntelaar, Julian Draxler, Jefferson Farfan, Michel Bastos und Raffael hervorragend bestückt?

Baumann: Egal, wer am Samstag auf der anderen Seite aufläuft, es wird eine klasse Mannschaft sein. Wir werden im Vorfeld unser Bestes geben, den Gegner wie immer bei einer ausgiebigen Analyse studieren und dann versuchen, die Vorgaben des Trainerteams umzusetzen.

 

scfreiburg.com: Das hat beim 3:1-Erfolg im Hinspiel gut geklappt.

Baumann: Das ist für Samstag aber nicht relevant. Der Gegner hat denselben Namen wie im Dezember, ansonsten hat sich viel geändert. Die Schalker haben sich unter dem neuen Trainer Jens Keller weiterentwickelt und stehen da, wo sie im Winter hin wollten, auf Platz vier.

 

scfreiburg.com: Ist es aber nicht so, dass die Ausgangssituation vor dem Spiel eher eine Last für die Schalker ist und Lust bei den SC-Spielern auslöst?

Baumann: Ich kann nicht in die Köpfe der Schalker Spieler schauen, deshalb kann ich das schwer beurteilen. Klar, die Schalker haben wohl mehr Druck als wir. Wir haben den positiven Druck, den wir uns selber machen. Die Schalker Spieler machen sich bestimmt auch diesen Druck, müssen aber dazu mit der Erwartungshaltung im Umfeld und in den Medien zurechtkommen, dass sie am Samstag ihr Saisonziel verteidigen müssen, den vierten Platz. Für uns ist es ein absolutes Bonus-Spiel.

Wiedersehen: SC-Torwart Oliver Baumann will auch am Samstag wieder Chancen von Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar vereiteln.

scfreiburg.com: Herr Baumann, egal wie es am Samstagnachmittag ausgeht, Ihre Saison ist dann noch lange nicht zu Ende?

Baumann: Das ist auch gut so. Ich freue mich riesig auf die Aufgabe mit der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Israel Anfang Juni.

 

scfreiburg.com: Ist es schon sicher, dass Trainer Rainer Adrion Sie in den Kader berufen wird?

Baumann: Es sieht zumindest gut aus. Ich bin im erweiterten 40er-Kader einer von fünf Torhütern. Aber am Donnerstag weiß ich mehr, dann wird auf einer Pressekonferenz der EM-Kader bekannt gegeben.

 

scfreiburg.com: Und bei einer Nominierung würde es Schlag auf Schlag für Sie gehen?

Baumann: So wird es sein. Am nächsten Dienstag geht es mit der Vorbereitung los und am 6. Juni ist das erste Spiel. Aber das ist kein Stress für mich, ich freue mich drauf, wenn ich dabei bin. Eine Europameisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft erleben nicht viele Spieler in ihrer Karriere, da verlängere ich gerne die Saison.

 

scfreiburg.com: Im ersten Spiel wartet mit den Niederlanden ein ganz schön dicker Brocken auf die deutsche Mannschaft?

Baumann: Und im zweiten und dritten Spiel mit Spanien und Russland auch. Es ist eine Europameisterschaft, da gibt es keine leichten Gegner. Aber lassen wir das Thema, das ist Zukunftsmusik, mit der ich mich erst ab Sonntag beschäftigen möchte.

 

scfreiburg.com: Apropos Beschäftigung: Am Samstagnachmittag so gegen 17.20 Uhr dürfte auch Oliver Baumann mal einen Blick auf die Bundesligatabelle werfen?

Baumann: Das kann gut sein. Dann ist die Saison vorbei und die Tabelle sagt etwas aus, dann kann ich damit auch etwas anfangen ...

 

scfreiburg.com: ... und wenn Sie noch Fragen haben, wird Julian Schuster die bestimmt gerne beantworten?

Baumann: Ich habe ihn ja am vergangenen Samstag schon vorgewarnt, dass es sein kann, dass er es mir eine Woche später nochmal erklären muss, was nun auf uns zukommen kann. Aber jetzt sind wir wieder im spekulativen Bereich, lassen wir das. Samstag wollen wir für den Verein, die Fans und die Stadt nochmal alles reinwerfen, was wir haben und unsere phantastische Saison mit einer guten Leistung abschließen. Was dann am Ende dabei herausspringt, wissen wir spätestens um halb sechs ...

 

scfreiburg.com: ... und egal wie es ausgeht, wird es etwas zu feiern geben?

Baumann: So sieht es aus, am Ende können wir uns über eine geile Saison freuen. Egal, ob wir nun Vierter, Fünfter oder Sechster werden. Was wir in den vergangenen eineinhalb Jahren geschafft haben, dürfte den meisten von uns erst in ein paar Tagen bewusst werden. Ich finde es schon beeindruckend mit wie viel Leidenschaft, Teamgeist und Konstanz wir vielen Menschen in Freiburg eine Freude bereitet haben. Klar, wenn wir Vierter werden, dürfte es hier richtig abgehen und der ein oder andere richtig durchdrehen, im positiven Sinne. Mal schauen, vielleicht drehe ich dann auch mal ein bisschen mit.

 

Interview: Niklas Ziegler

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Oli für Deutschland

16.05.2013 - 10:00

Ich gebe dir Nordweiler absolut recht. Es ist sowieso der größte Witz, dass Zieler als Torwart Nummer 3 (momentan) gesetzt ist. Oli Baumann muss sich am wenigsten vor Zieler verstecken. Alle Namen wie Leno oder Ter Stegen wurden schon diskutiert aber ich habe das Gefühl, dass unser Oli immer aussen vor bleibt. Ich befürchte es liegt daran, dass er beim SC Freiburg ist. Ich glaube dieser Name schreckt viele beim DFB zurück die meinen, der SC ist so ein kleiner Verein, der keine Nationalspieler hervorbringt.
Es ist auch etwas verwunderlich wen Jogi Löw mit auf die USA Reise nehmen will, also bitte....

plan

plan > An einen Freund senden

Oli für Deutschland

15.05.2013 - 19:50

Wenn man die Leistung der gesamten Saison betrachtet, ist Baumann unter den vielen Aspiranten für die U21 der beständigste.

Sicher haben Leno, ter Stegen und (vor seiner Verletzung) Trapp manche spektakulären Paraden vorzuweisen. Da die ganze Mannschaft des SCF in vielen Spielen den Ball möglichst weit vom Tor weg hält, muss er aber viel seltener eingreifen als andere. Dafür hat er das beste Auge fürs Herauslaufen und unterbindet damit viele brenzlicge Situationen schon von vornherein, ohne dass er dann überhaupt durch die Luft fliegen muss.

Dass der SC Freiburg nach München die wenigsten Tore erhalten und die meisten zu-Null-Spiele aufzuweisen hat, muss ja auch irgendwie mit dem Torwart zusammenhängen, auch wenn er bei den Medien wegen Unterbeschäftigung eher mit Durchschnittsnoten bedacht wird.

Nicht nur in Fürth hat er zwei Punkte gesichert; ohne diesen ruhigen, stets die Spielentwicklung beobachtenden Torwart wäre die großartige Saison dieser Mannschaft nicht möglich gewesen.
-
Vielleicht erkennt auch der U21-Trainer seine Qualitäten.

nordweiler

nordweiler > An einen Freund senden

Ticket

15.05.2013 - 15:53

hallo, ich suche noch ein Sitzplatzticket für Schalke. Könnte auch ne Nordkarte zum Tausch anbieten...kann nich so gut stehn wegen ner verletzung.

gruß Manu

Manu1993

Manu1993 > An einen Freund senden

Olli, Du bist der beste Torhüter!

15.05.2013 - 13:16

Mach weiter so, dann kommste auch zur grossen Nationalmannschaft, nicht nur zur U21... Du bisch noch jung, gib Gas und halte weiterhin so super! Alles Gute und viel Erfolg!

Greeeeezzz Chris

Bob_1

Bob_1 > An einen Freund senden

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