Jackson Mendy im Gespräch

"Es kann ganz schnell gehen"
Einleitungstext: 

Als geradlinig kann man den fußballerischen Werdegang Jackson Mendys bislang nicht wirklich bezeichnen. Viel zu oft hat der 22-Jährige in den letzten Jahren den Verein gewechselt. Nun, beim SC Freiburg, scheint der in Frankreich geborene Sohn senegalesischer Eltern aber endlich Wurzeln zu schlagen - und seine Profikarriere in Schwung zu bringen.

Inhalt: 

scfreiburg.com: Herr Mendy, für einen 22-Jährigen sind Sie selbst für einen Fußballer schon viel herumgekommen. In den vergangenen fünf Jahren haben Sie für sechs verschiedene Vereine gespielt. Wie kam es dazu?
Jackson Mendy: Aus unterschiedlichen Gründen. Stade Rennes, wo ich 2005/2006 gespielt habe, hat wohl die beste Fußballschule von ganz Frankreich. Nur: Die habe ich nicht durchlaufen, viele meiner Mitspieler dort schon. Ich musste deshalb viel aufholen, dem Verein ging das nicht schnell genug, und so musste ich Rennes verlassen.
 
scfreiburg.com: Anschließend sind sie zu Paris FC gewechselt, ins "Championnat de France National", der dritten französischen Liga ...
Mendy: ... wo ich sieben Monate mit einer Adduktorenverletzung ausfiel. Keine guten Voraussetzungen, wenn du nur einen Ein-Jahres-Vertrag hast. Und gerade, als ich wieder im kommen war, war meine Pariser Zeit auch schon wieder um.
 
scfreiburg.com: Weshalb Sie Ihre Karriere ab 2008 in Deutschland fortsetzten, bei Hansa Rostock.
Mendy: Dort lief es für mich zunächst unter Trainer Frank Pagelsdorf auch ganz gut. Als er ging, saß ich aber bei den Profis nicht mehr auf der Bank.
 
scfreiburg.com: Wie ist das, aus der Metropole Frankreichs direkt in den Osten Deutschlands zu gehen?
Mendy: Abgesehen davon, dass Paris sehr groß und Rostock eher klein ist, war es schwer, sich auf die kulturellen Unterschiede einzustellen. Man kann Hansa keinen Vorwurf machen, aber ich bin eigentlich nie richtig in Rostock angekommen.
 
scfreiburg.com: Haben Sie nach dieser Zeit mit dem Gedanken gespielt, zurück nach Frankreich zu gehen?
Mendy: Ja, schon. Aber es wäre dort sehr schwer für mich geworden, wäre ich mit 21 Jahren zurückgegangen. Wer es in diesem Alter noch nicht zum Profi geschafft hat, für den ist der Zug praktisch abgefahren. In Deutschland ist das anders.
 
scfreiburg.com: Weshalb Sie das Angebot des SC angenommen haben?
Mendy: Richtig. Und ich hatte hier von Beginn an das Gefühl, willkommen zu sein und dass die Dinge etwas anders laufen. Darüber hinaus passt es sportlich gut, Trainer Marcus Sorg hat mir gleich klar gemacht, dass er auf mich zählt. Das hat mir sehr geholfen.
 
scfreiburg.com: Beim Sport-Club haben Sie nach 14 Einsätzen für die zweite Mannschaft bei den Profis in der Bundesliga debütiert. Waren Sie überrascht, als Sie beim 1. FC Nürnberg in der Startformation der Profis standen?
Mendy: Nur ein bisschen. Immerhin hatte ich davor bereits einige Male mit der Profimannschaft trainiert. Cheftrainer Robin Dutt konnte mich also beobachten, und ich habe alles gegeben. Dann ist Heiko Butscher gegen Nürnberg als linker Verteidiger ausgefallen, und der Trainer hat mir das Vertrauen geschenkt.
 
scfreiburg.com: Seit diesem 14. Spieltag in Nürnberg haben Sie auch die folgenden fünf Spiele links in der Abwehrviererkette begonnen. Haben Sie das Gefühl, sich in der ersten Elf festgespielt zu haben?
Mendy: Nein. Fünf Spiele sind fünf Spiele, nicht mehr und nicht weniger. Es kann ganz schnell gehen und ich bin wieder draußen. Ich bleibe ruhig, gebe weiter alles im Training und nehme die Dinge dann wie sie kommen.
 
scfreiburg.com: Nach dem 0:2 am letzten Samstag beim HSV ist die Mannschaft bedrohlich nah an die Abstiegsplätze gerutscht. Wie kann man dagegen ansteuern?
Mendy: Indem wir Vollgas geben. Gerade am Freitag, im Derby gegen den VfB Stuttgart.
 
scfreiburg.com: Haben Sie denn schon Derby-Erfahrung gesammelt?
Mendy: Nicht wirklich. Aber ich liebe die tolle Stimmung, die bei diesem Spiel im Stadion herrschen wird und freue mich sehr auf die Partie.
 
scfreiburg.com: Herr Mendy, weil wir so neugierig sind, zum Schluss: Wie spricht man Sie eigentlich korrekt aus?
Mendy: Jackson wie Dscheckson und Mendy wie Mendi. Ganz einfach.
 
scfreiburg.com: Ohne französischen Einschlag?
Mendy: Nein, ich bin zwar in Frankreich geboren, aber meine Eltern kommen aus dem Senegal. Und dort spricht man den Namen so aus.
 
Interview: Jakob Böllhoff, mit freundlicher Übersetzungshilfe von Stefanie von Mertens

Bilder zum Inhalt: 
Kommentare anzeigen
kommentieren