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Mohamadou Idrissou im Gespräch

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"Das hat uns Mut gemacht"

Mohamadou Idrissou hat Einiges erlebt  beim zurückliegenden Afrika-Cup. Positives wie Negatives. Der SC musste derweil auf den Kameruner verzichten - und erlebte ohne den Stürmer mit zwei Niederlagen in den ersten beiden Partien der Rückrunde überwiegend Unschönes. Gegen Bayer Leverkusen war der 29-Jährige nun wieder dabei, und auch wenn der Sport-Club wieder verlor, gibt es für Idrissou genug Gründe, optimistisch an die kommenden Aufgaben heranzugehen.

Alleine gegen (fast) den halben FC: Mo Idrissou im Spiel gegen Köln. (Foto: A. Keller)

 

scfreiburg.com: Herr Idrissou, sagt Ihnen der Name Dieter Hoeneß was?

Mohamadou Idrissou: Hmm, einen Moment, da muss ich kurz überlegen.

 

scfreiburg.com: Warten Sie, wir helfen Ihnen: Dieter Hoeneß ist der neue Manager vom VfL Wolfsburg ...

Idrissou: ... aah, stimmt ja, der war früher auch bei Hertha BSC Berlin, oder? Jetzt weiß ich, wen Sie meinen. Sorry, ich bin noch nicht wieder ganz auf dem Stand der Dinge, seit ich vom Afrika-Cup zurück bin. Ich habe da fast nichts mitbekommen, was in Deutschland so los war.

 

scfreiburg.com: Schon okay, wir meinen eh den Spieler Dieter Hoeneß, nicht den Manager ...

Idrissou: Von dem habe ich keine Ahnung. Da war ich ja noch klein, als der noch gespielt hat.

 

scfreiburg.com: Schade, beim zurückliegenden Afrika-Cup waren Sie nämlich so ein bisschen der Dieter Hoeneß Kameruns.

Idrissou: Ehrlich? Warum?

 

scfreiburg.com: Na, wegen dem Kopfverband im Spiel gegen Tunesien. Dieter Hoeneß ist nämlich in Deutschland so was wie der Musterfall des beturbanten Fußballers, seit er 1982 in einem Pokalspiel mit einer Platzwunde am Kopf weitergespielt hat. Um Sie war's schon geschehen, als wir den Fernseher angemacht haben: Was war denn nun eigentlich passiert?

Idrissou: Ich bin in einem Kopfballduell mit Karim Haggui von Hannover 96 zusammengeprallt. Er musste mit einer Verletzung am Mund draußen behandelt werden, ich habe nichts gespürt und erstmal weitergespielt. Dann ist aber der Schiedsrichter zu mir gekommen und hat gesagt, ich müsse auch raus, meine Haare wären ja ganz rot. So verrückt bin ich doch nicht, meine Haare rot zu färben, habe ich geantwortet. Nein, nein, ich würde bluten, hieß es dann, also bin ich an die Seitenlinie zu unserem Arzt.

 

scfreiburg.com: Und der hat ihnen gleich den Kopfverband angelegt?

Idrissou: Erstmal war der ganz schön entsetzt und hat gefragt, ob alles in Ordnung mit mir wäre, was der Fall war. Die Wunde wurde gesäubert, und ich bin zurück ins Spiel. Nur für kurz aber, denn ich habe hat immer noch geblutet. Und dann kam der Verband.

 

scfreiburg.com: Sie hatten keine Schmerzen?

Idrissou: Nein, ich habe gar nichts gespürt und wollte unbedingt weitermachen. Ich war heiß auf dieses Spiel. Draußen haben sie mich zwar fast für verrückt erklärt, mit so einer Wunde wieder ins Spiel zu gehen, aber es war dann kein Problem. Nur am nächsten Tag hatte ich ein paar Kopfschmerzen. Und wenn ich dadurch der Dieter Hoeneß von Kamerun bin, hat es sich ja schon gelohnt (lacht).

 

scfreiburg.com: Es hat sich aber auch sonst gelohnt, weiterzuspielen, oder? Immerhin waren bei diesem 2:2 gegen Tunesien - das Kamerun das Ticket fürs Viertelfinale sicherte - an beiden Treffern ihres Teams beteiligt.

Idrissou: Stimmt, hat sich gelohnt, was mir auch der Trainer (Paul Le Guen, d. Red.) nach dem Spiel gesagt hat.

 

scfreiburg.com: Erstmals seit dem Afrika-Cup 2008 waren Sie wieder für Kameruns Nationalmannschaft nominiert. Hat Sie die Berufung durch Paul Le Guen selbst überrascht?
Idrissou: Nein, eigentlich nicht, weil ich ständig in Kontakt mit dem Verband geblieben bin. Nach dem Afrika-Cup 2008 gab es ein paar Probleme, ich war mit der Einstellung einiger Spieler vor dem Finale nicht einverstanden und habe das damals auch sehr deutlich geäußert. Danach wurde ich zwar bis zum jetzigen Afrika-Cup nicht mehr nominiert, stand aber immer in Verbindung mit den Trainern, und ein paar mal war auch ein Co-Trainer bei SC-Spielen, um mich zu beobachten. Was ich nicht wusste. Aber meine Leistungen scheinen ihm ja zum Glück gefallen zu haben.

 

scfreiburg.com: Haben Sie sich gleich wieder wohlgefühlt in der Mannschaft?

Idrissou: Absolut, vom ersten Tag an. Ich glaube bei dieser Mannschaft ist es egal, wie lange du nicht mehr dabei warst, du kommst sofort wieder klar. Wir haben so viel Spaß miteinander, im Training, im Spiel, eigentlich immer. Und so sollte das auch sein im Fußball, weil Spaß Kräfte freisetzt und Ängste verjagt. Noch eine halbe Stunde vor den Spielen tanzen und lachen wir etwa in der Kabine. So etwas ist sehr wichtig für uns.

 

scfreiburg.com: Und es macht doch sicher auch sehr viel Spaß, an der Seite von Samuel Eto'o zu stürmen.

Idrissou: Klar, Samuel ist einer der besten Stürmer in Europa. Und das Tollste ist, dass er sich menschlich nicht verändert hat, er ist immer noch der gleiche wie vor sieben Jahren, als wir zusammen in der U21 gespielt haben. Er lacht viel und ist immer positiv.

 

Drin? Nicht drin? Mo Idrissou versucht den Ball gegen Bayer Leverlusen ins Tor zu schauen. Vergeblich. (Foto: A. Keller)

scfreiburg.com: Wird man auch selbst ein Stückchen besser, wenn man neben solch einem Spieler auflaufen darf?

Idrissou: Zumindest motiviert es unheimlich. Wie er nach meinem 3:2-Siegtor gegen Sambia kurz vor Schluss mit mir zusammen gejubelt hat, hat mich sehr gefreut. Normalerweise schießt er ja immer solche wichtigen Tore. Diesmal war ich es, und Samuel war danach mein größter Fan. Er würde alles für mich machen, hat er später gesagt, jeden Quatsch. Ich hätte mit dem Tor nicht nur ihn, sondern ganz Kamerun glücklich gemacht. Es ist toll, das von einem großen Spieler wie Eto'o zu hören. Das gibt dir Selbstvertrauen.

 

scfreiburg.com: Über dem Afrika-Cup 2010 lag - bevor es überhaupt begonnen hatte - schon der Schatten des Terroranschlags auf die togolesische Mannschaft. Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?

Idrissou: Wir waren natürlich sehr traurig, als wir das hörten. Es ist schlimm, wenn Terror sich so auf den Sport auswirkt. Togo ist da in einen Konflikt reingeraten, mit dem es nichts zu tun hatte. Hoffen wir, dass so etwas nie wieder passiert.

 

scfreiburg.com: Hat ihre Mannschaft über einen Rückzug nachgedacht?

Idrissou: Ja, zusammen mit den Teams von Ghana und der Elfenbeinküste hatten wir eigentlich schon beschlossen, dass wir aus Solidarität mit Togo nach Hause fahren wollen. Unser Mannschaftskapitän Samuel Eto'o hat zum Beispiel mit Michael Essien von Ghana und auch Emmanuel Adebayor von Togo, der nach dem Anschlag völlig fertig war, telefoniert. Wir wollten gehen, denn wer wusste schon, was noch kommen würde, der Anschlag auf Togo hätte ja auch erst der Anfang sein können. Aber der Verband hat uns beruhigen können, und letztlich sind wir geblieben.

 

scfreiburg.com: Haben Sie sich sicher gefühlt?

Idrissou: Wir hatten schon ein ungutes Gefühl, das hat man denke ich auch in unseren ersten beiden Spielen gesehen. Gerade die jungen Spieler waren am Anfang verunsichert.

 

scfreiburg.com: Zurück in Freiburg warteten ganz andere Probleme auf Sie, sportliche: Der SC steckt in einem kleinem Punktetief, ist nur noch einen Zähler vom Relegationsrang 16 entfernt. Haben Sie eine Erklärung für den momentanen Anti-Lauf?

Idrissou: Es gibt eben diese Phasen, in denen man kein Glück hat. Gegen Leverkusen letzten Sonntag haben wir gut gespielt, auch wenn wir 1:3 verloren haben. Und wenn der Schiedsrichter in der einen Szene in der ersten Hälfte das Tor für uns gibt, läuft das Spiel anders. Ich weiß immer noch nicht, ob der Ball drin war oder nicht. Was aber jetzt auch egal ist. Wir haben gut gespielt, waren gegen den Tabellenführer zeitweise sogar dominant. Und das macht uns Mut.

 

scfreiburg.com: Kurz vor der Pause hat Leverkusen zwischen der 36. und 40. Spielminute auf 3:0 erhöht. Sind Sie von diesen vier Minuten noch bis in diese Woche hinein verfolgt worden?

Idrissou: Die wurden uns in der Videoanalyse noch mal vorgespielt. Aber der Trainer hat uns noch in der Kabine am Sonntag gesagt, dass er mit der kämpferischen Einstellung der Mannschaft zufrieden war. Fehler passieren eben, und was den Einsatz und zum Teil auch das Spielerische angeht, war das in Ordnung.

 

scfreiburg.com: Jetzt kommt der FC Schalke nach Freiburg. Was ja ein gutes Omen sein müsste ...

Idrissou: Klar, wegen dem Sieg im Hinspiel. Der hat gezeigt, dass es geht, dass wir sie schlagen können. Außer uns hat nur Wolfsburg in Schalke gewonnen. Das müssen wir diese Woche nutzen, um unserem Selbstvertrauen für Samstag einen Schub zu geben. Wenn wir dann ähnlich spielen und kämpfen wie gegen Leverkusen, holen wir unseren ersten Sieg in der Rückrunde.

 

Interview: Jakob Böllhoff

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