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München, Olympiastadion, 07.08.1993

von René Linderer

 

Dieses Datum ist in meiner Erinnerung haften geblieben. Das erste Bundesligaspiel in der Geschichte des SC Freiburg war auch gleichzeitig mein Erstligadebüt. Mit 22 Jahren war ich, hier mit der Nummer 7, damals vom SV Linx gekommen. Ein Neuling aus der Verbandsliga! Ich habe mir die erste Liga durchaus zugetraut. Ich war schnell, hatte einen starken linken Fuß und bereits in den Vorbereitungsspielen gemerkt, dass ich mithalten
kann. Trotzdem hatte mich zum Bundesligaauftakt wohl kaum jemand auf der Liste. Beim Einlaufen ins Stadion war ich noch extrem angespannt, aber mit dem Anpfiff war auch die Nervosität sofort weg.

 

Auf meiner Seite bekam ich es mit Alexander Zickler zu tun, und wir haben uns weitgehend neutralisiert. Ich habe weder ein besonders gutes noch ein schlechtes Spiel gemacht. Da die Bayern schon nach 25 Minuten mit 3:0 vorne lagen, war die Sache früh entschieden. Oli Freund gelang noch vor der Halbzeit der Anschlusstreffer, und danach ist die Partie nur noch dahingeplätschert. Für uns als Aufsteiger war es wichtig dass wir uns in München gut aus der Affäre gezogen und keine Packung kassiert haben.

 

Zu der Zeit haben meine Probleme im Hüftbereich begonnen. Eine Verschiebung der Schambeinfuge veränderte die ganze Körperstatik nachteilig. Die erhöhte Trainingsbelastung führte zu immer  größeren Schmerzen. Anfangs biss ich auf die Zähne, aber das ging nur ein paar Spieltage gut. In den Spielen wurde ich meistens ein- oder ausgewechselt, was als junger Spieler durchaus normal ist. Gleichzeitig merkte ich, wie sehr mich die Schmerzen hemmten.

 

Als ich mich dem Trainer offenbarte, nahm mich Volker Finke sofort aus dem Kader und gab mich in die Obhut der Ärzte. Spezialisten in Basel haben dann auch die Ursache meiner Probleme gefunden und mir klar gesagt, dass mein Körper nur für höchstens ein oder zwei Jahre Profisport auf Topniveau geeignet wäre. Zum Ende der Rückrunde habe ich dann die Realitäten akzeptiert und von mir aus entschieden, dass ich mit dem Profifußball aufhören würde. Natürlich ist damit auch ein großer Traum geplatzt.

 

Zum Glück hatte ich bereits Abitur und eine Banklehre absolviert und stand nicht mit leeren Händen da. Ich kann es jedem jungen Spieler nur empfehlen eine Ausbildung abzuschließen, weil ich zu gut weiß, wie schnell es mit dem Fußball vorbei sein kann. Verbitterung spüre ich deswegen nicht. Eher Dankbarkeit, dass ich das erleben durfte. Gerade jetzt, da der SC Freiburg auf seine jungen Spieler setzt, kann ich mich gut in die Jungs hineinversetzen. Das ganze Umfeld in Freiburg war mir damals sehr sympathisch, und ich hätte gerne bei diesem Verein weiter gespielt. Das Talent war da, nur der Körper war für den Profibereich nicht robust genug.


Aufgezeichnet von Holger Dietzschold


René Linderer (40) ist Vermögensberater bei der Sparkasse Offenburg. Nach nur sieben Bundesligapartien für den SC musste er seine Profikarriere beenden. Als aktiver Spieler und Trainer beim SV Oberachern blieb er dem Fußball bis heute erhalten.

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